Massives Unterrohr, bewährter DW-Link, extrem potentes Fahrwerk und klare Auslegung auf den Race-Bereich zeichnen das Phoenix Carbon aus. So ganz nebenbei verlagert es Selbstvertrauen und Können des Piloten eine Stufe nach oben, wenn man die Finger von der Bremse lässt. Das Phoenix ist in den Fingern eines erfahrenen Fahrers ein Skalpell auf jeder Downhill-Strecke. Warum man es auch einfach so beruhigt laufen lassen kann, klärt der zweite Teile unseres Dauertests.

Ein Phoenix in seiner natürlichen Umgebung!
Ein Phoenix in seiner natürlichen Umgebung!

Schon unser erster Teil des Dauertests und die genauere Betrachtung der Geometrie des Phoenix machten bewusst, um was für ein Kaliber es sich handeln würde. Der Testfahrer steht mit 1,75 m zwischen zwei Rahmengrößen (M und L) und wählte damals bewusst Größe M um ein kleines wenig vielseitiger bzw., wendiger mit dem Rad zu sein. Unsere Testbedingungen lagen ganz klar auf Strecken mit Race-Profil, dennoch wollten wir mit dem Phoenix auch Spaß im Park haben. Der Spagat gelang uns am Ende ziemlich gut, denn auch wenn das Phoenix nach schnellen, ruppigen Strecken giert, kann man durchaus einen Ausflug auf gebaute Strecken unternehmen, um meterweise Doubles und Anlieger zu verspeisen.

Das Phoenix verfügt über eine sehr stabile Fluglage.
Das Phoenix verfügt über eine sehr stabile Fluglage.

Doch immer wieder mussten wir feststellen, wie wir uns mit dem Phoenix quasi neu in bekannte Strecken verliebten. Über Winterberg, Beerfelden, Heidelberg und Bad Wildbad war alles mit dabei. Vor allem Bad Wildbad ist dafür bekannt sehr schonungslos mit Material und Fahrer umzugehen, wenn man ahnungslos oder mit zu viel Elan in die Strecken geht. Das Phoenix ist hier eine sichere Bank und gibt dem Fahrer ein sehr sicheres Gefühl. Die ausgesprochen hohe Laufruhe und Stabilität des Bikes unterstreichen den Charakter zusätzlich. Wie bei allen Pivot Modellen sorgt auch im Phoenix ein DW-Link mit 204 mm Federweg am Heck für Kontrolle in grobem Gefälle. Der passend abgestimmte FOX Float X2 bietet in Kombination mit der Fox 40 Factory an der Front eine souveränes Fahrwerk, welches ein breites Spektrum an Fahrern und Einsatzgebieten abdecken dürfte.

Vor allem auf natürlichen Strecken, mit reichlich Wurzeln und Steinen macht das Phoenix eine gute Figur.
Vor allem auf natürlichen Strecken, mit reichlich Wurzeln und Steinen macht das Phoenix eine gute Figur.

Die positiven Fahreigenschaften des Phoenix auf schnellen, verblockten Strecken erhöhen sich mit der Geschwindigkeit. Je mehr man ihm die Sporen gibt, umso härter kann man es auf den Strecken bewegen. Die zentrale, tiefe Position im Bike sorgt für eine ausgesprochen stabile Lage des Phoenix. In Kombination mit der hohen Steifigkeit des Rahmens ist eine sehr präzise Linienwahl möglich. Der 800 mm breite Lenker sorgt dabei jederzeit für die notwendige Kontrolle. Dabei kann das Phoenix auch durchaus von der Leine gelassen werden, denn wenn man es laufen lässt, hat man fast das Gefühl es suche instinktiv die passende Linie, um Ross und Reiter heil gen Tal zu bringen. Kommt man in Situationen nahe eines Kontrollverlustes, bietet es immer noch Reserven, um das Schlimmste zu verhindern. Für alle anderen Situationen hat man die stets gut arbeitenden Saint Bremsen an Bord, welche zwar schon so langsam in die Jahre gekommen sind, aber immer noch eine gute und vor allem zuverlässige Bremsleistung abliefern.

Auf diesen Strecken ist es in seinem Element.
Auf diesen Strecken ist es in seinem Element.

Die Paradedisziplin des Phoenix ist mit schnellen, ruppigen Strecken klar abgesteckt. Dieses Bike ist gebaut um Rennen zu gewinnen und von daher auch nicht zwingend für Einsteiger in den Sport geeignet. Der konsequente Lenkwinkel von 62.5 ° dürfte für manche Fahrer bereits zu viel des Guten sein, da man bei reduzierter Geschwindigkeit ein leichtes kippeln in engen Kurven vernehmen kann.

Also eher nichts für den Park?

Ganz so strikt würden wir das ganze nicht beantworten. Das Phoenix ist ein Bike, welches im Park durchaus Spaß macht. Es geht willig und mit Macht über große Sprünge und verfügt über eine sehr stabile Fluglage. Geübte Fahrer werden es auch sicher zum ein oder anderen Whip bewegen können, was Teamfahrer Bernard Kerr immer wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt. Aber leider fährt eben kaum jemand unter uns auf eben jenem Level und die Physik holt uns schneller ein als uns lieb ist. Davon abgesehen sind kleine Einlagen und Tricks jederzeit möglich, gelingen aber mit „klassischen“ Parkbikes wie einem Banshee Darkside besser.

Kurz mal "abziehen" geht eigentlich immer.
Kurz mal „abziehen“ geht eigentlich immer.

Auf schnellen Strecken mit vielen Anliegern waren wir teilweise überrascht, denn das Phoenix bot hier mehr Agilität als erwartet. Zwar mussten wir die Kurven mit mehr Nachdruck, sprich etwas aktiver fahren, wurden dann aber jederzeit mit einem souveränen Fahrverhalten belohnt. Einmal angepeilt hält das Bike die Linie in schnellen Anliegern wie auf Schienen. Am Kurvenausgang kann dann eine ordentliche Menge Geschwindigkeit mitgenommen werden, um problemlos kommende Sprünge in Angriff zu nehmen. Kurskorrekturen auf schnellen, engen Strecken mit vielen Richtungswechseln fordern Konzentration und Koordination vom Fahrer. Wenn man es richtig darauf anlegt merkt man, dass es zwar alles machbar, aber eben nicht die Art von Strecke ist, für die das Phoenix entwickelt wurde.

Hohe Geschwindigkeiten und schroffes Gelände machten uns mit dem Phoenix am meisten Spass.
Hohe Geschwindigkeiten und schroffes Gelände machten uns mit dem Phoenix am meisten Spaß.

Für welche Strecke man sich am Ende entscheidet, oder welcher Einsatzzweck es dann wird, man darf sich jederzeit bewusst sein, dass man mit dem Fox Fahrwerk einen passenden Begleiter an der Seite hat. Das Fahrwerk arbeitet unauffällig und mit hoher Präzision ohne die Arme des Fahrers schnell ermüden zu lassen. Der Federweg wird dabei gut genutzt, ohne zum Beispiel im mittleren Bereich unnötig Federweg zu verschwenden. Um der Progression des Float X2 am Heck entgegen zu kommen, experimentierten wir mit den Tokens der 40 an der Front. Von den serienmäßig verbauten vier, gingen wir auf einen, um dann im weiteren Testverlauf bei zwei Tokens den richtigen Weg für uns gefunden zu haben. Bei einem SAG von 30 % am Float X2 bewegten wir uns bei High- und Lowspeed Rebound überwiegend im mittleren Einstellungsbereich. Die High- und Lowspeed Compression hatten wir zu etwa einem Drittel geschlossen. Kleine Anpassungen in unserem Setting waren/sind je nach Strecke normal bzw. üblich.

Lenker festhalten und Kette rechts!
Lenker festhalten und Kette rechts!

Mit diesen Einstellungen hatten wir jederzeit eine kleine Reserve wenn es eng wurde, bzw. die Linie eben doch nicht sauber getroffen wurde und ein Steinfeld uns mit offenen Armen empfing. In schnellen Kurven bzw. Richtungswechseln hielt das Fahrwerk auch bei hohen Geschwindigkeiten gut gegen und versackte nicht im Federweg. Grundsätzlich sei noch zu erwähnen, dass wir das Fahrwerk des Phoenix so eingestellt haben, dass wir problemlos einen ganzen Tag im Sattel verbringen konnten. Wir haben uns also etwas Komfort gegönnt. Wer aktiv Rennen fährt, oder Abfahrten auf Zeit absolviert, dürfte zu einem strafferen Fahrwerk tendieren. Da hier die Vorlieben und Einstellungen ohnehin stark variieren und von Person zu Person unterschiedlich sind, empfehlen wir hier aber immer etwas zu experimentieren. Ein Gewinn ist es am Ende immer, und sei es nur an Erfahrung.

Alles in allem schlägt sich das Phoenix bis jetzt ausgesprochen gut. Es ist kein Bike für alle DH-Disziplinen, aber dafür ist es auch nicht gedacht. Es ist ein Bike für Fahrer, die einen eher kompromisslosen Racer suchen, um ernsthaft an Rennen teilzunehmen, oder daran interessiert sind auf „klassischen„, schnellen Downhill Strecken zum persönlichen Vergnügen auf die Jagd nach der letzten Sekunde gehen zu wollen. Für alle Anderen ist es ein atemberaubend schönes, wenn auch nicht ganz günstiges Vergnügen und vielleicht sogar etwas zu viel des Guten.

Der dritte Teil des Dauertests erwartet euch gegen Ende des Jahres.


Text und Redaktion: Patrick Frech, Robin Krings
Bilder: Patrick Frech

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