Fox ist seit jeher bekannt für überragende Federelemente und hat mit der DHX 2 und Float X2 Serie zwei Highend Produkte auf die Beine gestellt. Die Federbeine sind, wie üblich, in diversen Einbaulängen erhältlich und für die Verwendung im Downhill- und Enduro Sektor konzipiert. Für das Modelljahr 2017 kam neu der optionale X2 Switch dazu, ein Hebelchen mit dem sich die sonst eher abfahrtslastigen Dämpfer beruhigen lassen, und somit die Uphilltauglichkeit deutlich verbessern sollen. Nachdem wir euch den DHX 2 bereits letztes Jahr vorgestellt haben, schnappten wir uns diesmal einen Float X2 Luftdämpfer und haben ihn in unsere Testplattform, das Nicolai ION-G16 geschraubt.

Der Fox Float X2 Dämpfer mit zweistufigem Switch

Der Fox Float X2 Dämpfer stammt aus der Factory Serie und ist daher mit allem ausgestattet was das Herz eines Profis höher schlagen lässt – und den Amateur oft vor Fragen stellt. Highspeed und Lowspeed Compression, Highspeed und Lowspeed Rebound, Luftdruck und Größe der Luftkammer lassen sich vom Nutzer einstellen. Typisch für die Factory Serie ist die Kashima Beschichtung, welcher der Dämpfer sein überaus wertiges Erscheinungsbild zu verdanken hat. Rund 500 Gramm wiegt der Float X2, was in etwa nur 100-120 Gramm Mehrgewicht gegenüber eines Float X mit sich bringt.

Hier drin sitzt die Mechanik für die Dämpfungs Einstellung

Dämpfer mit der X2 Architektur gehören zur Gattung der Zweikolben-Dämpfer, wie auch der typische Vertreter „Double Barrel“ von Cane Creek. Grundsätzlich ist diese Bauart recht einfach zu erklären, wenn man sich mit der Thematik kurz auseinander setzt. Beim Einfedern des Dämpfers wird eine Kolbenstange betätigt, welche das Öl im inneren Dämpfer-Rohr in Richtung Dämpfungsversteller, dem Rod-Valve-System (RVS) verdrängt. Das Öl durchläuft den Port und das Ventil der Druckstufe für die Bedämpfung der Einfederung und fließt über einen Bypass durch das Zugstufen-RVS. Von dort gelangt es über den äußeren Dämpferkolben hinter die Kolbenstange um das entstandene Öl-Vakuum auszugleichen. Beim Ausfedern geschieht das ganze in umgekehrter Reihenfolge, mit dem Unterschied, dass Ventil und Port der Zugstufe durchlaufen werden. Die Druckstufe wird nun hingegen mit einem Bypass umgangen. Es ist also ein geschlossenes System in welchem Öl hin und her durch die beiden RVS gepumpt wird.

In schnellen Anliegerkurven muss die Lowspeed Compression passen, damit man nicht durch den Federweg sackt.

Der Fox Float X2 Dämpfer verfügt, wie auch der DHX 2 Stahlfederdämpfer, über vier Dämpfungseinstellungen:

·         Highspeed-Compression (HSC): Die Highspeed Druckstufe reguliert das Einfederverhalten nach Landungen und starken Stößen wenn man tief in den Federweg eintaucht, sowie an kantigen Hindernissen. Zu geringe Highspeed Compression lässt den Hinterbau bei schnellen Schlägen zu tief eintauchen, der Federweg wird unnötig viel genutzt. Zuviel Highspeed Compression lässt das Fahrwerk hölzern auf Unebenheiten reagieren – Traktionsverlust ist eine der Folgen.

·         Lowspeed-Compression (LSC): Die Lowspeed Druckstufe reguliert das Fahrverhalten bei Gewichtsverlagerungen, beim Abrollen von steilen Hindernissen und Abspringen. Zuviel Lowspeed Compression sorgt für Traktionsverlust bei kleineren Schlägen. Zu wenig jedoch lässt das Fahrwerk in Anliegern und Senken, wie auch bei Gewichtsverlagerungen des Fahrers zu weit in den Federweg tauchen. Auch federt die Federung bei Absprüngen zu weit ein, was ein „Kicken“ des Hinterbaus zur Folge hat.

·         Highspeed-Zugstufe (HSR): Die Highspeed Zugstufe reguliert die Federwegs-Rückgewinnung wenn der Dämpfer stark eingefedert ist, wie etwa nach harten Landungen. Ist die Highspeed Zugstufe zu langsam, bleibt das Federelement zu stark im Federweg und kann unmittelbar folgende Schläge kaum aufnehmen. Ist sie zu schnell, federt der Hinterbau schlagartig aus, sodass im schlimmsten Fall das Hinterrad den Boden verlässt. Hier kommt es zu Kontrollverlusten und fiesen Stürzen.

·         Lowspeed-Zugstufe (LSR): Die Lowspeed Zugstufe reguliert die Federungsbewegung beim Pedalieren und bei gewöhnlichen Unebenheiten. Ist die Lowspeed Zugstufe zu langsam, arbeitet sich der Hinterbau bei schnellen Schlagfolgen immer weiter in den Federweg. Verhärten und wenig Komfort sind die Folge. Ist die Lowspeed Zugstufe zu schnell, schaukelt sich das Fahrwerk beim Pedalieren und nach Schlägen auf. Traktionsverlust und ein schwammiges Fahrgefühl sind das Resultat.

Nach der Landung muss die Federung schnell Federweg zurückgewinnen, damit es in den kommenden Anlieger gehen kann.

Beim Einfedern durchläuft das Öl, je nach Intensität des Impacts, den Lowspeed Druckstufen Port (LSC), und/oder das Highspeed Ventil. Beide befinden sich im blau gekennzeichneten RVS des X2 Dämpfers. Der Lowspeed Port ist im Grunde genommen eine Nadel, welche eine Bohrung mehr oder weniger verschließt. Die Öffnung dieser Bohrung kann mittels 3 mm Inbus-Versteller am blauen RVS eingestellt werden. Rausschrauben – mehr Durchfluss und weichere Dämpfung, reinschrauben weniger Durchfluss und straffere Dämpfung. Bei der Highspeed Druckstufe (HSC) wird es ein wenig komplizierter: Hier wird das Öl durch ein mit einer Art Tellerfeder (Shim) verschlossenes Ventil gepumpt. Je höher der Druck, umso mehr wird der Shim zur Seite gedrückt und gibt damit den Weg für das Öl frei. Damit auch die Highspeed Druckstufe einstellbar ist, wird der Shim mit einer Feder zugehalten. Die Vorspannkraft der Feder kann über den 6 mm Inbus am blauen Rod-Valve justiert werden. Je weiter die Schraube hineingeschraubt wird, umso mehr Spannung liegt auf Feder und Shim. Dadurch wir die HSC straffer.

Blaue Kappe: Druckstufe, Rote Kappe: Zugstufe, Blauer Hebel: X2 Switch

Im Hauptkolben, welcher das Öl in die RVS drängt, befindet sich ein weiterer Highspeed Shimstack (Blow-Off). Dieser Shimstack gibt in Extremsituationen, wie etwa bei harten Flatdrops, den Weg frei und lässt das Öl überströmen, ohne dass es erst durch die RVS muss.
Der Übergang zwischen Low- und Highspeed Dämpfung ist generell eher als fließend anzusehen, wieso sich die Einstellungen auch jeweils ein Stückweit beeinflussen.

Die Zugstufe funktioniert im Grunde genau wie die Druckstufe, nur in umgekehrte Flussrichtung des Öls. Genauere Details erklärt Fox in einem gut gemachten Video.

Nun aber genug mit Technik. Wir wählten den Float X2 mit einer Einbaulänge von 222 mm und einem Kolbenhub von 69 mm. Mit diesem Setup generiert der Dämpfer 175 mm Federweg im Heck unseres Nicolai ION-G16. Da die Varianz an Rahmen-Dämpfer-Gewichts-Vorlieben-Kombinationen nahezu unendlich ist, möchten wir keine genauen Click-Angaben zu unseren Dämpfungseinstellungen geben.

Float X2 im Nicolai ION-G16

Auf dem Trail

Wie fährt sich solch ein Dämpfer bergauf? Fox entwickelte für diesen Dämpfer den X2 Switch. Dabei handelt es sich um einen Hebel, welcher auf der „Firm“ Position die Lowspeed Compression komplett blockiert. Der Vorteil an diesem Teil ist, dass das eingestellte Grundsetup erhalten bleibt, und nach dem Öffnen des Hebels in den „Open“ Modus vollumfänglich zur Verfügung steht. Aufgrund des Aufbaus bleiben im blockierten Modus die Highspeed Compression und das Blow-Off Ventil voll aktiv. Im Uphill „schwimmt“ der Hinterbau quasi auf und man sitzt sehr hoch im Federweg. Dies kann man dem Laien damit erklären, dass die Ausfeder-Dämpfung des Dämpfers, also die Zugstufe, im gelockten Modus schneller arbeitet als die Lowspeed Compression. Somit kann der Dämpfer bei langsamen Bewegungen, wie etwa Wippen durch Pedalieren, nicht stark einfedern und der Fahrer wird zusätzlich durch die im Verhältnis schnellere Zugstufe aus dem Federweg gehoben. Im Uphill bedeutet das eine sehr effektive Position auf dem Rad, ohne im Federweg zu versinken. Durch die aktive Highspeed Compression nimmt die Federung kleine Schläge noch wirkungsvoll auf und erzeugt eine enorme Traktion am Hinterrad. In der Praxis können wir die Effizienz des Dämpfers uneingeschränkt bestätigen und sind überrascht, wie sehr die Plattform den Float X2 beruhigt und somit aus einem DH-Dämpfer einen zuverlässigen Kletterpartner macht.

Der Float X2 in der Abfahrt: Der X2 Switch sorgte dafür, dass wir den Dämpfer eher downhillorientiert abstimmen konnten, ohne viel Rücksicht auf die Klettereigenschaften des Nicolais nehmen zu müssen. Wir näherten uns im Testverlauf einer Einstellung mit recht wenig Highspeed Dämpfung, dafür aber einer mittleren Lowspeed Einstellung. Anfängliche Versuche mit mehr HSC Dämpfung sorgten dafür, dass der Hinterbau des Nicolai auf kleine schnelle Schläge nicht mehr so richtig feinfühlig reagiert hat. Nach Vermindern der HSC Dämpfung lag das G16 gleich viel satter auf der Strecke. Die Lowspeed Druckstufe haben wir so eingestellt, dass das Bike in Senken nicht zu arg durch den Federweg sackt und noch angenehm sensibel reagiert. Auf Strecken mit vielen Anliegern und Sprüngen haben wir gern auch mal zwei oder drei Klicks mehr gewählt um das Bike hoch im Federweg zu halten.

Beim Setup wurde uns schnell klar, wie spürbar sich unterschiedliche Einstellungen auf das Fahrverhalten auswirken. Es war also recht bald klar wenn etwas in die falsche Richtung lief. Wir stellten fest, dass der Dämpfer so eingestellt und mit 30 % Sag versehen ein gutes Gefühl vermittelte, jedoch den Federweg erheblich freizügiger nutzte als die Fox 36 in der Front. Nachdem der Weg über erhöhte Highspeed Compression für ein unsensibles Fahrwerk sorgte, wählten wir lieber den Weg, die verbauten Volumenspacer von zwei auf erlaubte drei aufzustocken. Diese Änderung verkleinert die Luftkammer und sorgt dafür, dass bei gleichbleibender Anfangssensibilität eine höhere Endprogression erreicht wird. Sehr schön ist, dass die Volumenspacer zweigeteilt sind. Der Dämpfer kann also im Rahmen verbleiben während diese montiert oder demontiert werden. Es befinden sich drei der Spacer im Lieferumfang.

Für die Montage der Volumen Spacer benötigt es lediglich einen 1,5 mm Inbus Schlüssel und eine Dämpferpumpe
Die Luftkammer kann nun einfach abgezogen werden. Sämtliche Spacer werden einfach aufgeklipst. Achtung! Der rote Abstandshalter darf nicht entfernt werden!

So umgebaut harmonierte der Float X2 hervorragend mit der Gabel und macht einen souveränen Job. Kleinere Schläge werden gut aufgenommen, ohne dass der Dämpfer durch den Federweg rauscht. Gröbere Brocken geben den vollen Federweg frei, ohne dass ein harter Durchschlag zu spüren ist. Selbst die ein oder andere verpatzte Landung wurde anstandslos pariert, ohne Angst um Material haben zu müssen oder gar die Kontrolle zu verlieren. Wer auf dem Trail die Dämpfungseinstellung verändern möchte benötigt entweder ein Mini-Tool mit 3 mm und 6 mm Inbusschlüssel, oder das der Lieferung beiliegende Einstellwerkzeug. Das Werkzeug ist jedoch leider so klein, dass es sicher schnell verloren geht. Ein kleines Loch im Griff könnte die Befestigung einer Schnur, oder die Verwendung als Schlüsselanhänger ermöglichen.

Auch auf lockerem Boden muss die Dämpfung passen, damit man nicht die Traktion verliert.

Fazit

Der Fox Float X2 ist ein sehr effektiver Dämpfer, welcher seine Downhill Gene nicht verheimlicht. Die per Hebel blockierbare Lowspeed Druckstufe zähmt den Dämpfer wirkungsvoll beim Uphill und erlaubt somit eine uneingeschränkte Funktion auch im Enduro Bike. Die Dämpfung arbeitet sehr effektiv und lebendig, wie es sich für ein Produkt aus der Profiliga gehört. Sämtliche Klicks an den Verstellern wirken sich spürbar auf das Fahrverhalten aus und machen es dem fortgeschrittenen Fahrer und Technik Nerd sehr einfach, ein perfektes Setup zu finden. Auch die Progression des Float X2 kann wirkungsvoll mittels beiliegender Volumenspacer beeinflusst werden. Wo Licht da auch Schatten –  wo man viel verstellen kann, kann man auch viel falsch machen. Amateure und Fahrwerksneulinge werden mit den Einstellmöglichkeiten dieses Profigeräts schnell überfordert sein. Hier hilft Fox jedoch mit einem Quick Tuning Guide weiter. Mit einem Gewicht von 500 Gramm ist der Dämpfer etwas schwerer als kleinere Allmountain- und Enduro- Federbeine, in Anbetracht der Funktion und aufwändigen Bauweise ist dies aber völlig gerechtfertigt. Diese Technik hat auch einen Preis – rund 800,00 € verlangt Fox für dieses Meisterstück. Der Dämpfer ist in vielen Einbaulängen und Dämpferhüben verfügbar, sodass er in die meisten Downhill- und Endurobikes passen dürfte.

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