Wie auch im letzten Jahr galt es für die Saison 2017 eine Testplattform für unsere Komponententests auf die Beine zu stellen. Es sollte sich dabei um ein Bike mit sehr großem Einsatzspektrum handeln. Von der Feierabendrunde auf den Hometrails, aber auch für längere Touren im Mittelgebirge, die Alpen und Bikeparkausflüge sollte das Rad gleichermaßen geeignet sein. 650b Laufräder waren daher fast schon Pflicht, ebenso ein Federweg ab 160 mm. Bergauf gut fahrbar, aber bergab eine wahre Bank – so unser Lastenheft. Demnach haben wir die Komponenten ausgewählt und einen besonderen Leckerbissen zusammengestellt… das Nicolai ION-G16 in Cycleholix- Jägermeister- Glossy-Orange.

NICOLAI ION-G16

Wer sich einmal mit Geometrien beschäftigt hat, der weiß, dass Enduro Rahmen in Größe M meist mit einem Reach zwischen 420 und 435 mm konstruiert werden. Obwohl die Tendenz eher in Richtung „länger“ geht, schießt die Firma Nicolai hier den Vogel ab! Das ION-G16 in Medium bekommt einen Reach von satten 502 mm spendiert! Der Radstand der Bikes beträgt dabei beachtliche 1.289 mm, der Hinterbau ist ganze 445 mm lang. Das sind Werte, die man erst einmal sacken lassen muss, und welche ohne weitere Geometrieanpassung nicht funktionieren. Der Lenkwinkel ist mit 63,5 ° extrem flach für ein Enduro, der Sitzwinkel mit 77 ° sehr steil. Damit sinkt der effektive Abstand zwischen Lenker und Sattel wieder, so dass man sich wohl platziert im Rad wiederfindet. Nicolai beschreibt das Konzept wie folgt:

„Für Enduro Biker mit Fokus auf Geschwindigkeit ist das neue ION-G16 das richtige Produkt. Die geometrische Beziehung zwischen Laufrädern, Lenkwinkel, und die Gewichtsverteilung zwischen den Laufrädern sind die entscheidenden Faktoren für gutes Handling. Die Beziehung zwischen Sattel, Kurbel, Hinterradachse sind die entscheidenden Faktoren für ein gutes Kletterverhalten eines Bikes. Diese zwei Dinge werden getrennt voneinander betrachtet. Wird der Sitzwinkel steiler, beeinflusst das nicht das Handling des Bikes. Unter einem flacheren Lenkwinkel leidet auch nicht die Kletterfähigkeit des Bikes. Der Gesamtschwerpunkt (Bike+Fahrer) liegt weiter vorn und sorgt für mehr Traktion des Vorderrades in allen Kurvensituationen.“ Quelle: www.nicolai-bicycles.com

Hier kommen die Dimensionen des ION-G16 so richtig zum Vorschein!

Aus diesem Konzept ergeben sich laut Hersteller folgende Vorteile, welche wir in einem später folgenden Einzeltest genauer unter die Lupe nehmen möchten:

  1. Die Front bleibt länger am Boden – bestes Kletterverhalten
  2. Bergab keine Überschlagsgefühle
  3. Integrierte Sitzposition zentral im Bike
  4. Höhere Kurvengeschwindigkeit durch mehr Grip auf beiden Rädern

Der ION-G16 Rahmen kann mit zwei verschiedenen Dämpfereinbaulängen gefahren werden. Wir wählten die Option 222 x 70 mm, mit welcher der Hinterbau 175 mm Federweg generiert. Ebenfalls kann ein kürzerer 215 x 64 mm Dämpfer montiert werden. Der Federweg sinkt damit auf 155 mm. Damit die Geometrie dennoch gleich bleibt, kann über einen Flipkey die fehlende Einbaulänge ausgeglichen werden.

Neu entwickelte Boost Ausfallenden – leichter und steifer!

Für das Modelljahr 2017 erhielt das ION-G16 einen neu entwickelten Boost Hinterbau mit neuen, leichteren Ausfallenden. Damit man auch im Schlamm Spaß haben kann, verwendet Nicolai an jeder Lagerstelle 4-fach gedichtete Industriekugellager. Die Leitungsführung ist auf dem Unterrohr geführt. Zur Maschinenbau-Optik des Nicolai passt das sehr gut und man muss keine Züge durch den Rahmen fummeln. Um die Leitungen jedoch ordentlich verlegen zu können, müssen diese an einer Stelle durchgezogen werden – unter dem Hauptlager der Wippe. Dies ist der Grund, wieso wir die hintere Bremse dennoch leider öffnen müssen.

Die Leitungen müssen unter dem Lager durchgeführt werden.

Kombiniert wird der Rahmen mit Federelementen von FOX. An der Front kommt eine Float 36 aus der Factory Serie mit 160 mm Federweg zum Einsatz. Durch ihren Fit- HSC/LSC Druckstufen Versteller lässt sich die Gabel manuell auf wechselnde Bedingungen einstellen und ist erfahrungsgemäß eine der besten Endurogabeln auf dem Markt. Optisch scheint die Gabel mit ihren orangen Decals wie gemacht zu sein, um mit dem Nicolai eine Paarung einzugehen.

FOX Float 36 Fit HSC/LSC

FOX liefert als Zubehör einige Token, um die Luftkammer der Gabel an die individuellen Bedürftnisse anpassen zu können. Mehr Token bringen eine progressivere Kennlinie, welche gerade in Steilstücken ein Versinken der Gabel im Federweg verhindert. Mehr Token sorgen ebenfalls dafür, dass man höher im Federweg steht und mehr Federwegsreserven bei Sprüngen und in hartem Gelände zur Verfügung hat. Mehr Reserven = mehr draufhalten! Bei DEM Radstand mit Sicherheit das Motto. Während des Fahrwerkssetups werden wir entscheiden, ob und welche Token in der 36 montiert werden.

FOX liefert einen großen Satz Token mit, welche zum Verkleinern der Luftkammer genutzt werden können.

Im Viergelenk-Hinterbau nimmt ein FOX Float X2 Dämpfer hoffentlich sämtliche Schläge und Unebenheiten auf, welche wir dem Bike vorwerfen. Getrennte Low- und Highspeed Druck- wie auch Zugstufen lassen Abstimmungsmöglichkeiten nicht vermissen. Bergauf kann mittels X2 Hebel Ruhe ins Fahrwerk gebracht werden. Mit dem X2 Hebel wird die Lowspeed Druckstufe (LSC) komplett geschlossen, ohne dabei das globale Druckstufensetup zu beeinflussen. Während die Lowspeed Druckstufe komplett geschlossen wird, bleibt die Highspeed Druckstufe (HSC) unberührt und aktiv. Wird der Hebel geöffnet, steht das zuvor eingestellte Setup bereit. Der Float X2 Dämpfer wird ebenfalls im Laufe der Saison einen Einzeltest erhalten. Hier kommt also noch was auf euch zu.

Der FOX Float X2 generiert 175 mm Federweg im ION-G16.

Seit über 20 Jahren Mountainbiken begleitet mich bereits ein Produkt – das Chris King NoThreadSet. Zugegebener weise nur namentlich, denn bei einem Preis von über 170 € für einen Steuersatz überlegt man meist (sehr erfolgreich) ob es nicht auch eine günstige Alternative gibt. Umso mehr erfreut es, wenn im Paket für den Aufbau des Bikes der RollsRoyce der Steuersätze zum Vorschein kommt.

Das Chris King No Thread Set garantiert ein sorgenfreies Steuersatz-Leben. Leider geil!

Die Firma Magura hat uns zum Testen eine MT Trail zur Verfügung gestellt. Die Bremse haben wir bereits in einem Erstkontakt vorgestellt. Dass die 4-Kolbenbremse, baugleich zur MT7 am Vorderrad sorgenfrei ihren Dienst verrichtet ist zu erwarten. Gespannt sind wir auf die Performance der hinteren 2-Kolben Bremse, welche aus der MT8 entnommen wurde. Farblich ließen wir die Bremszangen bereits mit roten Blenden ausstatten. So passt die MT Trail richtig gut zum ION. Außerdem testen wir für euch die neuen HC-1 Alu-Bremshebel, welche 12 mm kürzer als das Original aus Carbotecture Material sind und mit einem Finger bedient werden können.

Ein weiteres Highlight welches im Laufe der Saison einen Einzeltest erhalten wird ist der SRAM Roam 60 Carbon Laufradsatz. Mit einem nachgewogenen Gewicht von 1.686 Gramm in unserem Erstkontakt ist dieser fast ein Fliegengewicht – bedenkt man dessen Einsatzbereich.

Die SRAM Roam 60 Carbon Laufräder warten auf ihren Einzeltest

Als Führer durchs 11-Gänge Menü wählten wir die brandneue Box Components Box.One Schaltung, bestehend aus Schaltwerk, Shifter und Kassette. Unsere ersten Eindrücke findet ihr hier. Praktischerweise hat man beim Designen des Produktes scheinbar entweder Kräuterlikör getrunken, oder bereits im Vorfeld an Cycleholix gedacht: Farblich passen die Applikationen perfekt zu unserem orangenen Bike! Einzeltest folgt…

Die Sattelstütze haben wir aus dem Hause RaceFace gewählt. Wir möchten die rein mechanische Turbine Dropper Post einem Einzeltest unterziehen. Von dem System, welches ohne Hydraulik auskommt, erwarten wir eine zuverlässige Funktion, ohne nerviges Absacken oder Entlüftungsprozesse.

RaceFace Turbine Dropper Post

Zum anderen konnten wir über die RaceFace SixC Kurbel als limited edition und farblich 1A abgestimmt verfügen. Die Kurbel verfügt über eine Cinch Kettenblattaufnahme – und es ist so einfach: Das Kettenblatt wird auf einen Vielzahn gesteckt und dann mittels einer großen Halteschraube unter Zuhilfenahme einer guten alten Innenlagernuss festgezogen. Das Prinzip ist ähnlich der Befestigung einer Ritzelkassette oder Centerlock Bremsscheibe. Auch die Montage der RaceFace SixC Kurbel gefällt uns. Hier zeigt der Hersteller wie es geht:

RaceFace Kurbel Installation. Wir mögen die Art der Darstellung. (Quelle: RaceFace)
RaceFace SixC Cinch Kurbel in passendem Orange

Es lag nahe, dass wir ebenfalls einen Lenker und Vorbau von RaceFace montiert haben. Ob wir den SixC Lenker in seiner Breite von 800 mm belassen, wird die Saison herausstellen. Mit einem Upsweep von 5°, und Backsweep von 8° verspricht die Carbonstange eine passende Handgelenksposition, ohne die Handgelenke zu weit anwinkeln zu müssen. Um die Länge des Nicolai G-16 begrenzen zu können, verbauen wir den RaceFace Turbine Vorbau mit kurzen 32 mm. Was uns bei RaceFace ganz besonders gefällt, sind die Montageanleitungen, welchem jedem Produkt beiliegen. Hier wird Schritt für Schritt in buntem Piktogramm-Stil erklärt wie es funktioniert.

Da Box Components eine Kettenführung für ihre Schaltung empfielt, setzten wir hier auf alte Bekannte. Die Münsteraner von 77Designz stellten uns die minimalistische, jedoch äußerst effektive Freesolo Kettenführung zur Verfügung. Gepaart mit passender Crash Plate wiegt die Kombination lächerliche 55 Gramm und fällt in Punkto Gewicht nicht nennenswert auf. Wer lieber ovale Kettenblätter fährt – die 77Designz Oval Guide haben wir bereits getestet.

Ready to ride!

Das Nicolai wird im Laufe der Saison seine Trümpfe auf Trails aller Art ausspielen müssen. Unser erster Eindruck ist nicht verwunderlich – das Teil ist lang – und das im positiven Sinne. Schon beim Anschauen macht das Bike unwahrscheinlich Bock auf Vollgas! Wie sich das Teil in der Praxis schlägt, werdet ihr in einem Einzeltest erfahren. Soviel Material hat natürlich auch sein Gewicht: Mit 14,1 kg (ohne Pedale) liegt ein Bike dieser Art vollkommen im Rahmen. Ob Hometrail, Bikepark oder lange Alpenabfahrt – wir werden euch wissen lassen wie sich die Komponenten schlagen und ob das Nicolai- Geometron Konzept in der Tat die vom Hersteller benannte „Geolution“ ist.

2 Kommentare

  1. … meine Güte, wäre das nur ein interner Joke geblieben. Na gut, jetzt bin ich Euch was schuldig: Da hat Thorsten eine wirklich schicke Präsentation verschiedener Produkte kombiniert, die mich alle brennend interessieren. In erster Linie bin ich natürlich auf den Fahrbericht des (elend langen) Gesamtpakets gespannt. Also dann, mach hinne, Thorsten… spanne Deine treuen Leser nicht allzu lange auf die Folter!

    Viele Grüße
    Andy

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