Trek Session 9.9 – ein Bike, welches wie wenige andere einen ziemlich starken „Haben will“ Reflex bei den Freunden des bergab Sports hervorruft. Der in Karbon gefertigte, schnörkellose Traum ist eines der teuersten Donwhill Bikes, die man sich in die Garage stellen kann und Semenuk schwört bereits eine gefühlte Ewigkeit auf Trek. Wir wollten genauer wissen, ob das Session seinem sehr hohen Anspruch gerecht wird und haben das 2016er zum Einzeltest gebeten.

Edel, Dezent und sehr hochwertig - Das Design des Session
Edel, Dezent und sehr hochwertig – Das Design des Session

Optisch ein Genuss, kommt der cleane, komplett aus OCLV Karbon gefertigte Rahmen in einem satten Rot, welches mit dezenten weißen Schriftzügen kombiniert wird. Kein unnötiger Schnickschnack, alles dezent aber schlichtweg schön. Das Session beeindruckt auf jeden Fall bereits im Stand. Praktisch ist, das der Rahmen über die Möglichkeit verfügt im Renneinsatz die Leitungen extern zu verlegen, was einen schnellen Service gewährleistet. Die Aussparungen für Halteclips und/oder Kabelbinder sind am Rahmen  sinnvoll verteilt.

Wirft man einen Blick auf die Ausstattung, so fällt einem direkt auf das Trek sich verständlicherweise überwiegend bei der Hausmarke Bontrager bedient. Das ist absolut zweckmässig und verständlich, denn Bontrager ist für hochwertige Komponenten bekannt. Beim Fahrwerk setzt man auf Fox, bestehend aus der 40 Factory und dem DHX 2. Mehr geht nicht! Eine technisch einwandfreie und durchdachte Ausstattung, an der es eigentlich an nichts mangelt. Für den Preis von 9.999 Euro gäbe es aber im Bereich Laufräder noch Luft nach oben. Die verbauten DT Swiss FR 1950 sind bewährt und haltbar, wirkliche Emotionen wollen sie aber nicht wecken. Unter dem Strich kann man allerdings festhalten, dass alle Komponenten mit Hauptaugenmerk auf die Haltbarkeit gewählt wurden und im gesamten Testzeitraum nicht enttäuschten.

Fox 40 an der Front gehört in dieser Preisklasse zum guten Ton. Bumper ebenso..
Fox 40 an der Front gehört in dieser Preisklasse zum guten Ton. Bumper ebenso und im Renneinsatz können Leitungen problemlos extern verlegt werden.

Das Session geht ab wie die Hölle. „Das war die schnellste Abfahrt dieser Saison!“ war eine der Aussagen, als ein weiterer Redakteur das Session die DH Strecke in Winterberg hinunter gejagt hat. Was unter anderem daran liegt, dass der Fahrer von den ersten Metern an viel Sicherheit auf dem Session verspürt.

Der Hinterbau mit ABP, Kettenstrebenschutz und Fersenschutz
Der Hinterbau mit ABP, Kettenstrebenschutz und Fersenschutz
Das Session 9.9 ist aktuell eines der schönsten Bikes auf dem Markt.
Das Session 9.9 ist aktuell eines der schönsten Bikes auf dem Markt.

Das Bike ist unglaublich agil und vermittelt Vertrauen wo es nur geht. In Anliegern gibt die zentrale Position im Rad einem das Quäntchen Selbstbewusstsein die Bremsen mal wieder komplett aufzulassen ohne den Verlust der Kontrolle zu riskieren. Auch hier leistet (wieder einmal) das Fox Fahrwerk ganze Arbeit. Die Low-Speed Druckstufe hält auch im Trek Session höheren Belastungen in Anliegern stand und hilft dem Fahrer die Kontrolle über das Bike zu behalten wenn es mal schneller wird. Kein Wegsacken, kein unnötiger Verbrauch von Federweg. Der Rahmen zeigt sich angenehm steif, ohne dem Fahrer dabei aber das Gefühl zu vermitteln er müsse in den Kurven arbeiten. Wer die Geometrie anpassen möchte, dem bietet das Session die Möglichkeit per Mino Link das Tretlager um 10mm abzusenken und den Lenkwinkel um 0,5° abzuflachen.

Und Vollgas über Drops...
Und Vollgas über Drops…

Besonders hat sich die ABP-Technologie (Active Braking Pivot) im Hinterbau hervorgetan. Wie von Trek angepriesen verhindert das System ein Verhärten des Hinterbaus beim Bremsen. Mit dem Hinterbau verlieren Bremswellen ihren Schrecken. Auf schnelle ruppigen Passagen saugt es sich förmlich an den Boden und bleibt an kritischen Bremspunkten gut zu kontrollieren, da die Federung nahezu unbeeindruckt weiterarbeitet.

Tables sind auch gerne genommene Hindernisse...
Tables sind auch gerne genommene Hindernisse…

Uns hat das Bike aber insbesondere in der Luft Spaß gemacht. Auf dem Weg zum Absprung rollt es wie auf einer Wolke dahin, kleine Schläge werden auf der Anfahrt weg geschluckt und es lässt sich mit Leichtigkeit Spannung für den Absprung im Fahrwerk aufbauen. In die Luft geht das Session dann absolut kontrolliert. Durch das gut eingestellte Fox Fahrwerk und das niedrige Gesamtgewicht sowie dessen ausgewogene Verteilung ist das Bike sehr handlich, lässt sich leicht unterm Fahrer bewegen und lädt zu kleineren, oder größeren Spielereien ein. Auch gestandene Testfahrer legen mit dem Session noch einmal eine Schippe drauf. Ein Vertrauen welches so nur sehr wenige Bikes generieren. Wir sind davon überzeugt, dass Brendon Semenuk nicht ohne Grund schon so lange für Trek fährt und sich mit dem Session gerne auf der A-Line in Whistler austobt.

Knallgas über Wurzeln geht, könnte aber mit anderen Reifen noch besser gehen.
Knallgas über Wurzeln geht, könnte aber mit anderen Reifen noch besser gehen.

Die aufgezogenen Bontrager G4 Reifen sind in passenden Bedingungen eine Macht und tragen zum positiven Gesamtfahrgefühl des Bikes bei. Gerade auf trockenen Bikeparkstrecken zirkelt das Rad wie auf Schienen gen Tal. Auf nassen Wurzeln könnten die Reifen aber ein wenig mehr Halt geben. Hier verlässt man dann schon manchmal ungewollt die Ideallinie. Wir sind das Testbike mit Schläuchen in den Laufrädern gefahren. Wenn man hier noch auf Tubeless umrüsten würde, um mit weniger Luftruck unterwegs zu sein, kann man wieder mehr Grip erwarten.

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Fazit:

Meckern auf extrem hohem Niveau gefällig? Für den Preis von ca. 10.000 Euro könnte man nach exklusiveren Anbauteilen verlangen. Gerade im angesprochenen Bereich der Laufräder würde man mit Karbon nicht nur optisch noch einen drauf setzen, sondern auch sicher nochmals die Fahreigenschaften positiv beeinflussen. Oder man baut sich das Session einfach selber auf, was mit einem Framekit problemlos möglich ist. Am Ende ist und bleibt das Session aber ein DH Bike, welches seinem guten Ruf mehr als gerecht wird. Vor allem im Park ist es eine Macht mit minimaler Konkurrenz. Sie ist eben sehr dünn, die Luft im High-End Bereich des Downhill Sports.

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