Liest man sich die Beschreibung der neuen Direttissima von Trickstuff auf deren Homepage durch, merkt man schnell, dass die Freiburger voll und ganz überzeugt sind von ihrem neuen Produkt. Unterhält man sich mit den Machern der Direttissima, dann schwingt im Subtext eines jeden Wortes eine ordentliche Portion Stolz und Freude mit, was fast ansteckend ist. Lauscht man den erklärenden Worten, klingen diese alle sehr überzeugend, aber wie heißt es doch so schön: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“!

Made in Freiburg
Made in Freiburg

Deshalb haben wir uns die Chance nicht nehmen lassen, die neue und edle Direttissima von Trickstuff für euch zu testen.

Produktvorstellung

Mit großen Erwartungen warteten wir sehnsüchtig auf das Paket aus Freiburg. Als dies dann endlich in der Redaktion eintraf und wir die Direttissima von ihrer schmucken Holzbox befreit hatten, hieß es erst einmal inne halten. Von Liebe wollen wir hier mal nicht sprechen, aber der erste Anblick war schon eine Augenweide. Die Bremspumpe und der Bremssattel sind komplett aus Aluminium gefräst und sehen wirklich klasse aus. Während der Bremshebel relativ schmal daher kommt, wirkt der Bremssattel mit seinen vier Bremskolben sehr wuchtig. Dennoch wiegt unsere Kombination mit der Kevlarleitung nur 492 g. Die Dächle-Bremsscheiben (203 mm vorne; 180 mm hinten) wiegen zusammen nochmal 341 g.

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Über die Verarbeitungsqualität müssen wir keine großen Worte machen – sie sucht ihresgleichen. Alle Teile des Bremshebels und Bremssattels werden CNC-gefräst und bestehen aus Aluminium (7075 T6). Unsauber verarbeitete Kanten und Ecken sucht man vergeblich. Die Kontaktfläche zum Finger ist angenehm glatt ohne Löcher oder Rillen. Außerdem haben die Entwickler viel Wert auf eine optimale Hebelergonomie gelegt. Deshalb besitzt die Direttissima für die Verstellung der Hebelweite eine große Range (ca. 45-85 mm vom Griff gemessen). Einstellen lässt sich dies mit einem 2er Inbusschlüssel. Der Leerweg lässt sich an der Direttissima nicht einstellen.

Die Hebelweite kann über die kleine Inbusschraube eingestellt werden.
Die Hebelweite kann über die kleine Inbusschraube eingestellt werden.

Bei der Bremsflüssigkeit setzt Trickstuff auf Mineralöl. Trickstuff selbst benutzt das Mineralöl Kryptonol von Ferodo, da dies einen sehr hohen Siedepunkt von ca. 250°C hat. Man kann aber auch ohne weiteres normales Mineralöl (z.B. von Shimano) nutzen. Und damit immer genügend Öl für die automatische Belagnachstellung zur Verfügung steht, wurde der Direttissima ein Ausgleichsbehälter mit 3 ml Fassungsvermögen spendiert.

Eine progressive Bremskraftlinie soll dafür sorgen, dass die vier Bremskolben aus Edelstahl sowohl viel Kraft auf die Scheibe bringen, als auch leicht zu dosieren sind. Dies wird durch den sogenannten Kniehebeleffekt erzielt. Dabei wir mit einem langen Hebel, aber gleichzeitig geringem Hubweg ein hoher Druck erzeugt. Mit diesem Mechanismus kann mit einer niedrigen Betätigungskraft überproportional mehr Kraft auf den Bremskolben ausgeübt werden, was sich gerade bei den letzten Millimetern des Hebelweges bemerkbar macht.

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Unsere Bremse kam in eloxiertem orange. Wem das nicht gefällt, kann sich auch eine schwarze Direttissima oder total bunte Kombinationen zusammenstellen. Dafür stehen insgesamt neun verschiedene Farben zur Auswahl:

Schwarz / Silber / Grau / Rot / Blau / Cannondale Green / Gold / Trickstuff-Orange / Violett.

Der Kostenpunkt für die in Deutschland entwickelte und produzierte Bremse liegt bei 880,00 € für die komplette Bremsanlage inkl. der Bremsscheiben und der passenden Adapter. Wer keine Adapter und Bremsscheiben benötigt, kann für 750,00 € auch nur den Bremshebel inkl. Bremszange kaufen. Die Direttissima wird fertig entlüftet und mit gewünschter Leitungslänge ausgeliefert. Bei den Bremsleitungen hat man die Wahl zwischen einer Kevlar- oder einer Stahlflexleitung.

Montage

Wir haben die Bremse an unserem Liteville 601 montiert und getestet. Montiert war die komplette Bremsanlage schnell und bot uns keine Überraschungen, wobei wir auf das Kürzen der Leitungen verzichtet haben. Der Bremskolben findet per Postmountaufnahme für 180 mm Scheiben seinen Platz am Fahrrad. Der Bremshebel wird mit einer recht schmalen Schelle am Lenker befestigt. Zusätzlich wird der Hebel für eine bessere Steifigkeit mit einem Steg am Lenker abgestützt. Zusammengenommen nimmt diese Konstruktion recht viel Platz am Lenker ein. Dies führte bei uns zu Kompromissen bei der Positionierung des Schalthebels. Dadurch, dass wir den Bremshebel weit innen positionierten, um mit einem Finger bremsen zu können, haben wir den Schalthebel zunächst weiter außen montiert. Dadurch stießen wir aber mit der Hand ungewollt an die Trigger. Also haben wir den Schalthebel innen angebracht. Damit konnten wir uns recht schnell arrangieren, auch wenn dies keine optimale Lösung war. Trickstuff wäre aber nicht Trickstuff, wenn sie nicht für die gängigsten Schalthebel einen Adapter hätten, somit kann man das kleine Dilemma bei Bedarf minimieren.

Kompromiss bei der Montage des Schalttriggers
Kompromiss bei der Montage des Schalttriggers

Die Hebelweite ließ sich optimal an die Fingerlänge anpassen. Einstellen kann man dies über eine kleine 2 mm Inbusschraube. Für unseren Geschmack war der Winkel, in dem sich die Schraube am Hebel befindet etwas ungünstig, da sich der Inbusschlüssel immer nur in kleinen Rotationsbewegungen drehen ließ, bevor der Lenker im Weg war. Somit musste man den Inbus wieder aufs Neue ansetzen, was bei der kleinen Schraube etwas Fummelei war. Allerdings war dies nicht so dramatisch, denn den Hebel stellt man in der Regel einmal ein und gut ist. Eine werkzeuglose Verstellung haben wir deshalb nicht vermisst. Bewusst wurde uns dies auch erst, als wir den Hebel von seiner maximalen Weite ganz nah an den Lenker stellen wollten, um zu testen, ob sich dadurch der Leerweg verändert.

Die Verstellschraube am Hebel sorgte für etwas Fummelei
Die Verstellschraube am Hebel sorgte für etwas Fummelei

Und das ist das Tolle, denn der Leerweg verändert sich durch das Verstellen der Hebelweite nicht. Somit haben wir das Feature der Leerwegsverstellung auch zu keiner Zeit vermisst.

Auf dem Trail

Die Verzögerung der Direttissima kann man als sehr kraftvoll und bissig beschreiben. Eine lange Einbremsphase haben die organischen Beläge dabei nicht gebraucht. Ein Finger reicht voll und ganz aus, um die volle Power der Bremse zu entfalten. Hier macht sich der Kniehebeleffekt bemerkbar. Ohne viel Kraft aufbringen zu müssen, greift die Direttissima ordentlich zu. Das weiß man insbesondere bei langen, steilen Abfahrten zu schätzen. Unserer bisherigen Referenzbremse, der Saint von Shimano, steht die Direttissima in Sachen Bremskraft in nichts nach.

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Stoppies im Steilen – kein Problem

Die Dosierbarkeit sucht derweil ihresgleichen. Hier ist den Entwicklern von Trickstuff in unseren Augen etwas Besonderes gelungen. Power ist das eine, diese aber auch kontrollieren zu können ist das andere und das ist die große Stärke der Direttissima. Stoppies im steilen Gelände, Hinterradversetzen oder einfaches, dosiertes Anbremsen der Kurve sind kein Problem. Dies ist dem zuverlässigen, ganz leicht flexendem Druckpunkt zu verdanken, welcher bereits nach kurzem Hebelweg kommt.

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Auch bei langen oder steilen Abfahrten mit schleifender Bremse blieb die Direttissima standfest. Fading konnten wir zu keiner Zeit feststellen. Die 2,05 mm breite Bremsscheibe sowie die Bremszange leisten bei der Wärmeableitung ganze Arbeit.

Die Direttissima hatten wir nun drei Monate ohne jegliche Defekte oder Zickereien in Gebrauch. Auch das ständige Ein- und Ausbauen des Vorderrades für den Transport brachte die Bremse bzw. Scheibe nicht aus der Ruhe. Der Verschleiß reduziert sich dabei auf ein Minimum an den Bremsbelägen. Sollten die Bremsbeläge mal verschlissen sein, kann man diese, wie von anderen Bremsen her gewohnt, einfach nach oben herausnehmen.

Ein Entlüften war zwar ebenfalls nicht notwendig, ist aber auch kein Hexenwerk bei der Bremse von Trickstuff. Die Entlüftungsschrauben sind super positioniert, so dass die Luft ohne große Hindernisse an Bremshebel und –zange den Ausgang findet. Diese sind mit einer M4 (Bremshebel) und M5 (Bremskolben) Schraube verschlossen. Trickstuff hat dafür ein Entlüftungskit (Heinzelmann) in ihrem Sortiment, welches hauptsächlich aus zwei passenden Spritzen besteht.

Fazit

Den Entwicklern von Trickstuff ist mit der Direttissima eine super Bremse gelungen und sie dürfen zu recht sehr stolz darauf sein. Die Verarbeitung ist erste Klasse. Optisch ist sie ein absoluter Leckerbissen. Die Performance auf dem Trail ist wirklich meisterhaft und wir sind schon ein wenig traurig, dass wir die Bremse wieder zurückgeben müssen.

2 Kommentare

  1. Ich fahre die Direttissima am Vorderrad. Nutze das SRAM Interface, dadurch ist für mich der Schalthebel sehr gut positioniert. Dem Text oben habe ich sonst nichts hinzuzufügen, die beste Bremse, die ich bislang in den Fingern hatte.

  2. Anmerkung von TRICKSTUFF zur Frage der Position der Schalthebel: In Kürze sind die SRAM-Interfaces verfügbar. Damit rückt der Trigger weiter nach außen. Allerdings finden wir (und selbst unsere weiblichen Kunden mit eher kleinen Händen), dass auch bei der „klassischen“ Montage, also mit zwei separaten Schellen, der Trigger noch hervorragend erreichbar ist. Bei Bremshebeln anderer Hersteller (Magura, BFO, …) hat sich bisher erstaunlicherweise noch niemand darüber beschwert, dass ein SRAM-Trigger NOCH DEUTLICH WEITER INNEN sitzt! *

    Zum Thema Hebelweitenverstellung: Der Druckpunkt ist, wie von den Testern ja bestätigt, extrem stabil. Hebelweite einmal einstellen und fertig. Mit einem Kugelkopf-Inbus ist das eine leichte Übung. Im übrigen auch hier: Bei der XTR-Race oder der neuen SRAM Level Ultimate ist die Hebelweitenschraube exakt genauso platziert.

    *: Im Übrigen scheint mir bei genauer Betrachtung des obigen Fotos, dass der Trigger ungünstig, nämlich an der äußeren Gewindebohrung befestigt wurde, wodurch er unnötig weit nach innen rückte.

    Nix für ungut und gehabt euch wohl, Euer Klaus Liedler, GF Trickstuff GmbH

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