Seit vielen Jahren werden Mountainbikes immer genauer auf die verschiedenen Einsatzbereiche zugeschnitten. Diesem Trend folgen auch die Komponentenhersteller und bieten dem Mountainbiker heute diverse Möglichkeiten an, sein Bike noch kompromissloser  auf die unterschiedlichsten Disziplinen abzustimmen.

So war es auch nur eine Frage der Zeit, bis die Firma Ergon mit dem SME3 einen Sattel präsentierte, der insbesondere für den Einsatz an Enduro Bikes entwickelt wurde.

Ergon SME3 Pro - verpackt

Den SME3 bietet Ergon in vier Versionen mit jeweils unterschiedlichen Farbkombinationen an:

SME3 SME3 Comp SME3 Pro SME3 Pro Carbon
Sitzschale Nylon Composite Nylon Composite Carbon Fiber Composite Carbon Fiber Composite
Gestell CroMo TiNox TiNox Carbon
Gewicht (ca.) S: 245 g
M: 250 g
S: 230 g
M: 235 g
S: 220 g
M: 225 g
S: 185 g
M: 190 g
UVP 79,95 € 99,95 € 129,95 € 179,95 €

Quelle: Ergon

Alle Versionen sind in den den Größen S und M erhältlich.

Mit einer Sattelbreite von 13,5 cm empfiehlt Ergon den SME3 in Größe S für Fahrerinnen und Fahrer mit einem Sitzknochenabstand von 9 bis 11 cm. Für alle mit einem Sitzknochenabstand von 11 bis 13 cm ist dann der 14,5 cm breite SME3 in Größe M die korrekte Wahl.

Wer bei der Auswahl der korrekten Größe unsicher ist, findet auf der Ergon Website mit den sogenannten „Saddle Selector“ ein recht einfach zu bedienendes Tool, das nach nur wenigen Eingaben eine geeignete Sattelgröße vorschlägt.

Der erste Eindruck

Für unseren Test hat uns Ergon das Topmodell – den SME3 Pro Carbon – in Größe M zur Verfügung gestellt. Dieser erreichte uns auf einer aufklappbaren Pappverpackung, die neben den Produkteigenschaften insbesondere Informationen zur Wahl der korrekten Sattelgröße enthält.

In der Hand hinterlässt der SME3 Pro Carbon einen sehr guten Eindruck. Während die Oberseite des Sattels mit sehr sauber und gleichmäßig verarbeiteten Nähten überzeugen kann, wissen an der Unterseite insbesondere die massiv gestalteten Carbonstreben zu gefallen.

Bezüglich des Gewichts kann Ergon die versprochenen 190 Gramm für das Topmodell der SME3 Baureihe nicht ganz einhalten. Laut unserer Waage sind es mit 200 Gramm exakt 10 Gramm mehr, was aber für den Sattel in Grüße M durchaus noch im Rahmen der Toleranz sein sollte.

Die Form des SME3 hat Ergon konsequent auf den Einsatz an Enduro Bikes abgestimmt. Der etwas kürzer bauende Sattel soll dem Fahrer mit seinem abgerundeten Design und den runtergezogenen Flanken viel Bewegungsfreiheit auf dem Bike ermöglichen.

Auch wenn der SME3 grundsätzlich recht straff ausgelegt ist, hat Ergon den Komfort nicht aus den Augen verloren und seinem Enduro-Sattel eine Aussparung spendiert, die auf langen Anstiegen effektiv den Dammbereich entlasten soll.

Ergon SME3 Pro Carbon
Kurz, flach und mit glatten Flanken auf Enduro Bikes zugeschnitten

Den Vorderbereich des SME3 hat Ergon recht flach und breit ausgelegt. Dies soll auf richtig steilen Passagen bergauf, an denen sich die Sitzposition auch gerne einmal weit nach vorne verlagert, ebenfalls den Komfort erhöhen.

In der Praxis

Die Montage des SME3 auf einer RockShox Reverb geht einfach von der Hand. Die Carbonstreben passen sehr gut in die Aussparungen der Reverb Sattelklemmung.

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In Verbindung mit einer Reverb bleibt nur ein kleiner Verstellbereich

Lediglich bei der Feinabstimmung mussten wir feststellen, dass der Sattel in Verbindung mit einer Reverb nur wenige Millimeter Versteilbereich zur Verfügung stellt. Allerdings wollen wir hier festhalten, dass dies ebenfalls auf sehr viele andere Sättel zutreffen sollte.

Auf dem Trail hält der Ergon SME3 Pro Carbon was er verspricht. Wenn er für unseren Geschmack auch kein wirklich komfortabler Sattel ist, konnten wir es auch auf längeren Touren sehr gut auf dem Ergon aushalten. Dies können wir besonders der gut passenden Bauform in Verbindung mit der Aussparung für den Dammbereich zuschreiben.

Auf technischen Trails und auf Abfahrten hat uns der SME3 nicht in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Dank der kurzen Bauform und der glatt gestalteten Flanken lässt sich die Fahrposition auf dem Bike leicht und effektiv verlagern. Die weiter runtergezogenen Seiten  halfen bei Kontakt zwischen Sattel und Oberschenkelinnenseite unangenehme Druckstellen zu vermeiden.

Wir müssen zugeben, dass es unserer Meinung nach bezüglich der Bewegungsfreiheit keinen wirklich großen Unterschied macht, ob die Flanken wie beim Ergon glatt, oder mit abriebfesterem Material ausgelegt sind. Ein Vorteil lag nach einigen verregneten Touren aber klar auf der Hand. Im Gegensatz zu einigen anderen Sattelmodellen saugt sich der Ergon nicht mit Wasser voll.

Letztendlich bleibt es eine persönliche Entscheidung, ob maximale Beweglichkeit oder ein etwas besserer Schutz des Sattels im Vordergrund bei der Kaufentscheidung stehen.

Der breiter ausgelegte vordere Bereich des SME3 konnte uns für den Einsatz am Enduro Bike ebenfalls überzeugen. Auf kurzen und knackigen Anstiegen sitzt man auf der breit und flachen gestalteten Front tatsächlich angenehmer als auf vergleichsweise schmal geschnittenen Sätteln.

Ergon SME3 Pro am Canyon Strive Ergon SME3 Pro am Canyon Strive CF
Auf dem SME3 sitze es sich sportlich straff

Allen, die sich maximalen Komfort auch auf wirklich langen und flachen Tretpassagen wünschen, empfehlen wir jedoch – sofern möglich –  den SME3 vor dem Kauf einmal auszuprobieren. Auch wenn die breite Front an steilen Anstiegen hilft, hätten wir Sie uns auf langen Tretpassagen ein klein wenig schmaler gewünscht. Für den typischen Einsatz am Enduro bleiben wir aber dabei, dass die breite Nase ihren Zweck sehr gut erfüllt.

Nach mehreren Monaten, in denen wir den Ergon auch bei vielen schlammigen und verregneten Touren im Einsatz hatten, konnten wir keine Geräuschentwicklung vom Gestänge in Verbindung mit der Reverb-Klemmung feststellen.

Erste Verschleißerscheinungen sind lediglich an der Oberfläche und den Übergängen zu den Sattelflanken zu erkennen. Nach vielen Touren im Schlamm gehen diese Spuren unserer Meinung nach aber vollkommen in Ordnung.

Fazit

Das Ziel einen Sattel speziell für Enduro-Bikes zu entwickeln ist Ergon unserer Meinung nach gelungen. Die kurze Bauweise, die glatt gestalteten Flanken und die flache Front  passen zum angedachten Einsatzbereich. Wer sich nicht vor einer UVP von 179,95 Euro scheut, bekommt einen leichten und gut durchdachten Sattel, mit dem sich Ergon eher an den sportlichen, und weniger an den komfortsuchenden Fahrer wendet.

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