Im März haben wir euch in einem Erstkontakt den Aqua2Go vorgestellt, einen tragbaren, akkubetriebenen Hochdruckreiniger. Nachdem sich das Frühjahr 2016 eher von seiner nassen und ungemütlichen Seite gezeigt hat, kam der Reiniger wesentlich öfter zum Einsatz als uns persönlich lieb gewesen wäre. Der Vorteil ist, dass wir euch bereits zu Beginn der aktuellen Saison unser Fazit liefern können.

Aqua2Go Pro
Aqua2Go Pro

In der Praxis
Der Aqua2Go hat eine für sein Tankvolumen von 20 Litern eine recht kompakte Bauform. Dies ermöglicht, das Gerät einfach mit ins Auto zu laden, wenn es bei schlechtem Wetter zu einem entfernten Spot geht. „Einfach“ ist dabei relativ, denn das komplett gefüllte Gerät wiegt immerhin 28 Kg. Der große Griff auf der Oberseite ist so gestaltet, dass der Aqua2Go selbst befüllt gut in der Hand liegt und keine scharfen Kanten dabei in die Haut schneiden. Weniger gelungen fanden wir jedoch die Zugstange. Diese ist zwar in eingeklapptem Zustand perfekt verstaut (Stichwort: Kompakt), wirkt im Betrieb jedoch ein wenig wackelig. Das hinterher ziehen empfanden wir als umständlich, denn der Aqua2Go kann nicht einfach wie ein Trolley-Koffer mit der Stange gekippt und dann gezogen werden. Durch die schwenkbar gelagerte Zugstange wirkt der Hochdruckreiniger wenig ausbalanciert. Dadurch muss er fast waagerecht auf seinen zwei Rollen hinterher gezogen werden. Richtet man den Aqua2Go beim ziehen zu sehr auf, fällt er sofort auf seine Standfüße zurück. Wir denken, dass über einen Anschlag der Zugstange in einer definierten Position ein komfortableres Handling erreicht werden könnte.

Aqua2Go Pro mit ausgeklappter Zugstange
Aqua2Go Pro mit ausgeklappter Zugstange

Die Bedienung des Aqua2Go ist prinzipiell kinderleicht. Der Schlauch wird mittels Mini-Steckkupplung, ähnlich derer aus dem Gartenfachmarkt, an der Pumpe befestigt. Auf gleichem Weg wird der Sprühkopf montiert. Dadurch dass der Schlauchanschluss senkrecht nach oben gerichtet ist, steht nach Benutzung stets eine Wassersäule auf der Kupplung. Wird der Schlauch von der Pumpe abgezogen, fließt somit stets Restwasser aus dem Schlauch über den Aqua2Go. Um den Schlauchanschluss herum befindet sich eine Mulde, vermutlich um dieses Wasser aufzufangen.

Beim Abziehen des Schlauchs läuft Wasser aus und wird aufgefangen
Beim Abziehen des Schlauchs läuft Wasser aus und wird aufgefangen

Sollte der Putzorgie unterwegs einmal durch aufgebrauchten Akku das Ende bereitet werden, so kann der Aqua2Go mit dem beiliegenden Kfz Anschlusskabel am Zigarettenanzünder, bzw. einer 12V Steckdose betrieben werden. Aufgeladen wird er dabei interessanterweise nicht. Ein wenig Verwunderung macht sich breit, denn im Gegensatz zur Versorgung über die 12V Steckdose kann der Aqua2Go mittels 230V Netzteil nicht betrieben, sondern lediglich geladen werden.

Der Schalter muss nach Links für den Akkubetrieb, nach rechts für den Betrieb an der 12V Steckdose. Oder war es umgekehrt?
Der Schalter muss nach Links für den Akkubetrieb, nach rechts für den Betrieb an der 12V Steckdose. Oder war es umgekehrt?

Das Einschalten der Pumpe erfolgt über einen zweistufigen Kippschalter, welcher allerdings eher ungünstig unterhalb des Akku angebracht ist. Eine Montage im Sichtbereich würde die Bedienung deutlich erleichtern, zumal der Schalter in unterschiedliche Positionen gebracht werden muss, abhängig davon, ob der Aqua2Go im Akkubetrieb, oder über die 12V Steckdose genutzt wird.

Wieso ist der Einschaltknopf ausserhalb des Sichtfeldes?
Wieso ist der Einschaltknopf ausserhalb des Sichtfeldes?

Der Aqua2Go bringt mit seinen 3-10 bar nicht die Pumpenleistung eines klassischen Hochdruckreinigers oder derer am Car Wash auf, aber das soll er auch gar nicht. Da ein hoher Wasserdruck den Dreck unter sämtliche Dichtungen, und das Fett aus den Lagern befördert, ist die Reinigung mittels richtigem Hochdruck bekanntlich umstritten. Der Wasserdruck des Aqua2Go reicht jedoch locker dafür aus, auch hartnäckigen und eingetrockneten Dreck vom Bike zu spülen. Durch einfaches Drehen der Düse am Sprühkopf lässt sich der Wasserstrahl stufenlos von Sprüh- auf Vollstrahl verstellen.

Stufenlose Verstellung am Sprühkopf
Stufenlose Verstellung am Sprühkopf

Wenn das Rad richtig sauber werden soll, hat sich folgende Prozedur bewährt:

  1. Absprühen des groben Drecks mittels Aqua2Go
  2. Mit einer Reinigungsbürste den Dreck lösen
  3. Optional das Bike mit biologisch abbaubarem Reiniger einsprühen
  4. Aqua2Go zum Abspülen verwenden.

Mit dieser Methode schafften wir es, vier völlig verdreckte Bikes zu reinigen. Wir benötigten dafür nicht mal die kompletten 20 Liter Wasser aus dem Tank. Die Energie im Akku reicht für circa 6 Bikewäschen locker aus.

Angetrockneter Dreck - eine Herausforderung für den Aqua2Go
Hartnäckiger Dreck geht locker runter!

Zum Transport des Aqua2Go wird der Schlauch zusammengerollt und im Netzfach des Tanks verstaut. Von den beigelegten Aufsätzen nutzen wir lediglich den Sprühkopf. Die Bürste stellte sich als zu dünn heraus, als das mit ihr wirkungsvoll Dreck entfernt werden könnte. Auch die Brause eignet sich eher zum Blumen gießen, als zum reinigen eines verdrecken Mountainbikes. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Aqua2Go ein multifunktionell einsetzbares Gerät ist und nicht eigens für Mountainbiker entwickelt wurde. Wer dennoch die genannten Aufsätze nutzen möchte, klippst diese einfach vorn auf den Sprühkopf. Der Bürstenaufsatz kann beispielsweise zum Reinigen von Surfbrettern oder sogar des Autos verwendet werden. Dafür dürfte sich dieser bestens eignen.

Jede Menge Zubehör
Jede Menge Zubehör

Ein besonderer Clou des Aqua2Go ist, dass sich die Pumpe einfach vom Tank abziehen, und dann autark nutzen lässt. Über einen zusätzlichen Saugschlauch (nicht im Lieferumfang enthalten) kann beispielsweise Wasser aus einem Fluss oder See zum Waschen angesaugt werden. Wir haben dies nicht ausprobiert und können nicht beurteilen, wie sich verschmutzen Wasser, versehentlich mit Sand oder Blättern vermengt, auf Pumpe und Sprühkopf auswirkt. Mit ein wenig Kreativität und dem Gang in den Aquarienhandel oder Baumarkt lässt sich bestimmt ein tauglicher Ansaugfilter basteln.

Die Pumpe lässt sich auch getrennt vom Tank verwenden
Die Pumpe lässt sich auch getrennt vom Tank verwenden

Der Akku verfügt über eine kleine Statusanzeige mit vier blauen LED und kann zum Laden aus der Pumpe entfernt werden. Dies empfinden wir als sehr praktisch, da nicht immer der ganze , wohlmöglich befüllte Aqua2Go ans Netz muss. Worüber wir uns jedoch wundern ist, wieso der Akku eine eingebaute Taschenlampe und einen USB-Port zum Laden eines Smartphones enthält. Wir können uns kaum vorstellen das jemand diese Funktionen an einem Hochdruckreiniger wirklich nutzt.

Der USB Port zum Aufladen von Smartphones funktionierte in unserem Test nicht.
Der USB Port zum Aufladen von Smartphones funktionierte in unserem Test nicht.

Verarbeitungsqualität
Das Material des Gerätes geht soweit in Ordnung, könnte jedoch etwas hochwertiger gewählt sein. Generell wurde bei der Herstellung des Aqua2Go viel Hartplastik verwendet. Wie sich dies auf die Dauerhaltbarkeit auswirken wird bleibt abzuwarten. Besonders der 6 m lange Wasserschlauch ist recht hart, unflexibel und riecht so richtig nach Plastik.
Bereits bei erster Benutzung hat sich einer der kleinen Füße am Boden verabschiedet, dieser konnte jedoch einfach wieder angedrückt werden, ließ sich dann auch nicht mehr abziehen. Anders sieht es mit dem sich von Beginn des Tests an ablösenden Typenschild aus. Auch ein kleiner Deckel am Sprühkopf fiel ab, nachdem dieser aus Kniehöhe auf den Boden gefallen ist. Hier wurde vom Hersteller eine minimalste Menge Klebstoff verwendet, was sich als zu wenig herausstellte. Natürlich hat dies keinen Einfluss auf die Funktion, lässt aber eindeutige Wünsche hinsichtlich der Verarbeitungsqualität offen.

Hier blättert leider der Aufkleber ab
Hier blättert leider der Aufkleber ab

Sämtliche Dichtungen des Aqua2Go blieben während unseres Test dicht, auch mit auf dem Kopf gestelltem Tank war durch den Deckel kein Wasseraustritt zu verzeichnen. Sollte mal eine Dichtung versagen, liegt dem Aqua2Go ein kleines Ersatzteil- und Dichtungsset bei.

Zubehör
Der Aqua2Go kommt mit folgendem Zubehör:

  • Wasserschlauch 6 m Länge
  • Diverse Aufsätze (Bürste, Brause, Sprühkopf)
  • Akku mit LED Taschenlampe und USB Anschluss
  • Netzkabel zum Aufladen des Akkus
  • Anschlusskabel für den Betrieb am Zigarettenanzünder
  • Dichtungs- und Ersatzteilset

Fazit
Wer selbst bei schlechtem Wetter nicht auf sein Training verzichten möchte, daheim keinen Gartenschlauch besitzt, oder auch unterwegs gern sein Bike reinigen möchte, dem kann der Aqua2Go aus funktioneller Sicht wärmstens empfohlen werden. Der Wasserdruck reicht aus um das Fahrrad zu reinigen und ist dabei durch die vergleichsweise geringe Stärke schonend für Lager und Dichtungen. Akkulaufleistung und Tankgröße sind für den normalen Betrieb vollkommen ausreichend. Unserer Meinung nach könnte der Hersteller auf Gimmicks wie USB-Ladebuchse und Taschenlampe verzichten, dafür ein wenig mehr Augenmerk auf hochwertiges Material, Verarbeitungsqualität und bessere Usability legen. Dennoch empfinden wir das Gerät als Bereicherung, und als eines auf das wir bei den momentan wechselnden Wetterbedingungen nicht verzichten möchten. Den empfohlene Verkaufspreis von 219,00 € empfinden wir für die qualitativen Nachteile zu hoch. Ein Trost ist,  dass der Marktpreis teilweise deutlich darunter liegt.

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