Leatt DBX Enduro Lite WP 2.0 – Alleine bei dem Namen erwartet man schon einiges oder zumindest mehr als einen herkömmlichen Bikerucksack. Auf der Eurobike 2015 sorgte Leatt Protectives unter anderem mit diesem neu konzeptionierten Rucksack für Aufsehen. Kleines Packmaß, wenig Volumen, integrierte Trinkblase, wasserdicht und mit herausnehmbarem Rückenprotektor der Schutzklasse 1. Komplett ohne Hüftgurt, aber dafür mit völlig neuem Gurtsystem, um den Rucksack sicher mit dem Fahrer zu verbinden. Die letzten Wochen hat uns der Enduro Lite auf diversen Touren begleitet. Was er bietet und was nicht, möchte unser Artikel klären.

Optisch eine schicke Nummer !
Optisch eine schicke Nummer !

Zu Beginn die Fakten in der Übersicht:

  • 2l Trinkblase & 5l Packvolumen
  • komplett geschweißte, wasserdichte Außenhülle
  • CE getesteter und zertifizierter Rückenprotektor (EN1621-2 Level 1)
  • einzigartiges Brust-Verschlusssystem mit integrierten Taschen, davon eine mit Smartphone Touch Screen Funktion
  • Höhe des Verstellsystems anpassbar
  • Haltesystem für Fullface-Helme
  • Trinkschlauch kann unter Arm oder über Schulter verlegt werden
  • Werkzeugfach
  • isoliertes Rückenteil, um die Flüssigkeit in der Trinkbase warm oder kalt zu halten
  • Neopreneinsatz für Trinkblase
  • Schnallen für Jacke oder Protektoren an der Unterseite des Rucksacks
  • Einheitsgröße XS-XXL

Optisch geht der Enduro Lite den von Leatt bekannten Weg des Designs, welcher nicht unbedingt als dezent bezeichnet werden kann. Große Decals, grauer Grundton und rot/blaue Akzente. Dazu eine tadellose Verarbeitung, die aber auch wirklich an keiner Stelle Ansatz zur Kritik bietet. Zusätzliche Pluspunkte bekommt die wasserdichte Außenhülle, welche ihre Bezeichnung auch wirklich verdient hat. Selbst mehrfach heftigste Regengüsse auf den Abendrunden ließen den Leatt absolut kalt. Eine gute Sache, lässt sie uns doch das Fehlen der Regenschutzhülle problemlos verschmerzen, denn diese ist absolut nicht notwendig.

Die Außenhülle ist wasserdicht.
Die Außenhülle ist wasserdicht.

Die Aufteilung ist recht simpel und erstreckt sich auf insgesamt 7 Liter Volumen, wovon zwei auf die integrierte Trinkblase fallen, die in einem isolierten Teil des Hauptfaches sitzt. Praktisch, so dürften die Flüssigkeiten auch bei heißen Temperaturen länger auf annehmbarem Level bleiben. Die restlichen 5 Liter sind auf 2 Fächer verteilt. Das größere davon beinhaltet die erwähnte Trinkblase und kann zusätzlich eine leichte Jacke, evtl. ein Ersatztrikot oder andere Kleinigkeiten aufnehmen. Durch das begrenzte Volumen darf hier allerdings nicht zu viel erwartet werden und man muss den Inhalt auf das Wesentliche reduzieren. Für die kleine Tour am Abend oder Ausflüge in den Park ist der Enduro Lite aber bestens geeignet. Grundsätzlich sollte man aber auch beachten, dass Leatt den Rucksack für den Renneinsatz empfiehlt. Unter diesem Aspekt ist auch der Inhalt den Umständen angepasst und die 5 Liter Volumen sind ausreichend.

Das Hauptfach mit der isolierten Unterteilung für die Trinkblase
Das Hauptfach mit der isolierten Unterteilung für die Trinkblase

Das kleinere Fach auf der Front des Rucksacks kann für Wertsachen und ähnliches genutzt werden. Leider fehlt hier eine weitere Unterteilung, die das Fach etwas unübersichtlich werden lässt. An den Schultergurten finden sich dann noch 2 kleine Aufbewahrungsfächer, die von der Größe bestens geeignet sind für ein Smartphone oder eine kleine Kamera. Problematisch ist in unseren Augen aber die Position, denn man kann zwar die elektronischen Geräte schnell erreichen, im Fall des Falles sind sie aber absolut ungeschützt. Gerade bei Smartphones kann so ein Sturz schnell zu einem Totalausfall des Gerätes führen. Hier setzen wir persönlich weiterhin auf einen Transport im Rucksack. Natürlich kann man die kleinen Fächer auch super zweckentfremden, denn ein Schokoriegel ist stürzen gegenüber relativ entspannt und auch während der Fahrt schnell zur Hand.

Ein Helm kann auch transportiert werden...
Ein Helm kann auch transportiert werden…

Kommen wir aber zu dem, in unseren Augen, Kernstück des Enduro Lite. Die Schultergurte haben eine breite, ergonomisch optimierte Form. Auf Brusthöhe werden sie durch zwei Gurte sicher verschlossen und sollen so trotz des fehlenden Beckengurtes für einen sicheren Halt auf dem Trail sorgen. Das funktioniert in der Praxis auch mit voll beladenem Rucksack sehr gut. Die im oberen Teil optimal durchlüfteten Schultergurte sorgen zusätzlich dafür, dass kein Wärmestau entsteht, wenn es mal heiß hergeht. Der Enduro Lite sitzt gut positioniert am Rücken des Fahrers und die hintere Belüftung geht trotz Protektor in Ordnung. Bei längeren Bergauf-Etappen wird es allerdings recht warm am Rücken, was aber schlichtweg am Konzept liegt. In unseren Augen ist das aber eine Kleinigkeit, die man aufgrund der höheren Sicherheit, die solche Konzepte liefern, gerne akzeptiert. Der Protektor bietet das Schutzlevel 1 und ist herausnehmbar.

Schutzlevel Klasse 1
Schutzlevel Klasse 1

Kann das neue Tragekonzept also punkten? Jein, denn in der Praxis zeigt es gewisse Schwächen, die auf die angepasste Ergonomie zurück zu führen sind. Die Schultergurte sind so ausgelegt, dass sie der Körperform um Schultern und Brustbereich des Fahrers sehr eng folgen. Das ist bei männlichen Fahrer erstmal kein Problem, zumindest, wenn sie nicht zu breit gebaut sind. Werden die Schultern breiter und die Brust muskulöser, sitzt der Enduro Lite schon etwas weniger bequem. Frauen hingegen dürften generell ein Problem mit dem Enduro Lite haben, was schlichtweg auf die weibliche Anatomie zurück zu führen ist. Ein Problem, welches viele Frauen auch bei Protektorenwesten haben. Hier zeichnet sich erst ein langsamer Wandel in der Branche ab, denn auch wenn es mittlerweile Bikes mit angepassten Geometrien für weibliche Fahrer gibt, so herrscht im Bereich der Ausrüstung in unseren Augen noch Nachholbedarf. Schön finden wir dennoch, dass man bei Leatt das Konzept Rucksack einmal überdacht hat und neue Wege geht. Wir sehen auf jeden Fall Potenzial im Enduro Lite und sind gespannt, was die nächste Version bringen wird.

An der Brust kann es eng werden...
An der Brust kann es eng werden…

Davon abgesehen bietet der Leatt Enduro Lite WP natürlich auch andere Annehmlichkeiten. So können Protektoren an zusätzlichen Schnallen am Rucksack befestigt werden, und auch ein Helm lässt sich befestigen. Für den Weg nach oben eine gern gesehene Option an aktuellen Rucksäcken.

Fazit:

Leatt hat mit dem Enduro Lite WP einen kompakten Rucksack auf den Markt gebracht, der mit seinem neuen Tragesystem auf den ersten Blick begeistert, aber etwas unter der Massentauglichkeit leidet. Hier sehen wir noch Optimierungspotenzial in der Ergonomie bzw. dem Tragesystem.

Verarbeitung und Design machen einen sehr guten Eindruck und lassen den Enduro Lite sehr wertig erscheinen. Der Preis von 169 Euro (UVP) erscheint uns für das Gebotene fast ein wenig zu hoch, ist aber bei neuen Produkten nicht unüblich. Für 10 Euro mehr bietet Leatt den Cargo 3.0 an. Ähnliches Tragekonzept, 5 Liter mehr Platz und einen Rückenprotektor nach Schutzklasse 2.

2 Kommentare

  1. Es gibt kein „CE getestet und zertifiziert“. Das CE-Kennzeichen steht am Ende eines Konformitätsbewertungsverfahren und dient als „Reisepass“ für den europäischen Markt. Das ist reines Verwaltungsrecht zwischen dem Unternehmen welches ein Produkt am Markt bereitstellt (importiert oder herstellt) und den Marktaufsichtsbehörden. Auf allen Produkten, die unter eine entsprechende europäische Richtlinie fallen (Maschinenrichtlinie, Vibrationsschutzrichtlinie, Spielzeugrichtlinie, etc.), muss die Kennzeichnung angebracht werden. Am Ende jedoch ist die CE-Kennzeichnung die bloße Behauptung eines Herstellers oder Importeurs, dass das Produkt die europäischen Vorschriften einhält.

    BTW: Werbliche Aussagen zur CE-Kennzeichnung durch die Hersteller sind Abmahnfähig: medizinprodukteberater.net/cms/website.php?id=/de/index/aktuelles/urteil_ce-geprueft_hwg_verstoss.htm

    • Hallo Lars, es geht aber eher um die CE Schutzklassen, welche eigentlich klar ausgelegt sind.

      Im Motorradbereich dürfen nur solche Schutzelemente als Rückenprotektor bezeichnet werden, die nach der CE EN 1621-2 zertifiziert sind. Diese europäische Prüfnorm unterscheidet sich in mehreren Punkten von der CE EN 1621-1, die für Gelenkprotektoren gilt. Beispielsweise wird zur Überprüfung der Restkraftwerte auf dem Prüfstand ein anders geformtes Fallgewicht (walzenförmig statt flach) sowie ein flacher statt halbkugelförmiger Amboss verwendet. Außerdem liegen die von der Norm zulässigen Restkraftwerte weit niedriger als bei Gelenkprotektoren. Getestet wird, indem ein 5 kg schwerer Stempel aus 1 m auf den Protektor fallen gelassen wird (Spitzenschlagkraft ca. 150–180 kN)[1]. Während die durchschnittliche Restkraft bei Gelenkprotektoren maximal 35 kN betragen darf, liegt die Höchstgrenze bei Rückenprotektoren je nach Level bei 18 kN (Level 1) beziehungsweise 9 kN (Level 2). Rückenprotektoren müssen also ein weit besseres Dämpfungsvermögen aufweisen als Protektoren für den Gelenkbereich. Zwar vertreibt der Handel nicht zertifizierte Weichschaum-Schutzelemente (häufig als Serienausstattung in preisgünstigen Jacken) für den Rücken, die im Falle eines Sturzes jedoch keinerlei Unfallschutz bieten.

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