Ein von vielen Menschen verhasster Spruch: „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung“. Wie immer steckt in jedem Spruch ein gewisser Wahrheitsanteil. Shimano hat mit dem MW7 einen Winterschuh ins Programm aufgenommen, mit dem man im wahrsten Sinne der hässlichen Fratze des Herbsts und Winters ins Gesicht treten kann. Wie er sich bei Wind und Wetter schlägt und ob man mit ihm auch in die Pedale treten kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Shimano MW7 für die richtig Schlechtwettertage
Shimano MW7 für die richtig Schlechtwettertage

Produktvorstellung
Wasser- und Winddicht, warm und robust
, der MW7 ist ein waschechter Winterschuh, der auch für den Einsatz bei Minusgrade geeignet ist. Im Ganzen Schuh eingearbeitetes GoreTex Liner und Fleece-Innenfutter halten den Fuß trocken und warm. Eine integrierte Zehenkappe, hochgezogene Knöchelpolsterung und das gepolsterte Obermaterial aus Synthetik Leder, schützen Schuh und Fuß vor Einschlägen von Felsen oder Wurzeln. Damit ist der Schuh auch für handfeste Enduro-Einsätze gerüstet.

MW7 Obermaterial
MW7 Obermaterial

Auf dem Vorderfuß findet sich unter einer großen Lasche das Speed-Lancing Schnürsystem mit Klett-Schnürsenkel-Abdeckung, welches einen sicheren Sitz am Fuß gewährleistet. Die Lasche auf dem Vorderfuß dichtet den Verschluss ab und verschließt den Neoprenknöchelumschluss.

Mit der Torbal Sohlentechnologie hat Shimano dem Winterschuh eine im Cleat-Bereich steife aber gleichzeitig vor allem bei Torsionbewegungen im vorderen und hinteren Bereich flexible Sohle spendiert. Dadurch wird eine effiziente Kraftübertragung mit optimaler Stabilität, bei Erhalt der Beweglichkeit erreicht.

"Pedaling Dynamics" der Name ist beim MW7 Programm
„Pedaling Dynamics“ der Name ist beim MW7 Programm

Im Gesamten wirken die Materialien und die Verarbeitung Shimano typisch sehr hochwertig. Ebenfalls typisch für Shimano-Schuhe fallen die Schuhe deutlich kleiner aus, so trägt unser Tester Michael in Straßenschuhen Gr. 43, in Shimano-Schuhen Gr.45.

Tragegefühl
Bereits beim Einstieg begeistert der MW7 mit seiner guten Passform und lässt in Verbindung mit dem weichen Fleece sofort ein „Wohnzimmer für die Füße“ Gefühl entstehen. Das anfangs ungewohnte Speed-Lancing Schnürsystem schnürt den Schuh blitz schnell zu und verteilt den Druck angenehm auf dem Span. Ein Klettverschluss im mittleren Bereich des Schuhs verstärkt den Halt. Im oberen Bereich wird das Neoprenband ebenfalls mit einem Klett verschlossen, welcher mit der großen Lasche zum Abdichten des Schnürbereichs verbunden ist.

Bereits kurz nach dem Anziehen entsteht mit dünnen Socken ein warmes, angenehmes Klima im Schuh. Mit dicken Wintersocken wird der Sitz spürbar enger, der dadurch leicht entstehende Druck bleibt aber im Rahmen und fällt nach wenigen Trageminuten gar nicht mehr auf. Durch das Neoprenband wird wie bei einem Kamineffekt Hitze nach oben abgeführt.

Sitzen sehr bequem
Sitzen sehr bequem

Praxis
Zugegeben, optisch polarisiert der MW7 und mutet leicht wie ein Gummistiefel an. Form follows bekanntlich function und hier punktet der Shimano Schuh auf ganzer Linie. Dank dem großen Cleatbereich passen nicht nur Shimano SPD Cleats perfekt, so haben wir u.a. auch die Cleats der Look Pedale problemlos anbringen und einstellen können. Einklicken in SPD Pedale klappt reibungslos gut und wird mit dem bekannten Klick spürbar quittiert. Beim Pedallieren wird die Kraft dank großflächiger Druckverteilung im Cleatbereich effektiv übertragen.

Dank großem Cleatbereich auch total verdreckt einfach einzuklicken
Dank großem Cleatbereich auch total verdreckt einfach einzuklicken

Im Enduro Einsatz, sprich wenn der Fahrer bergab beginnt sich auf dem Pedal zu bewegen, fühlt sich der MW7 mehr wie ein Freeride Schuh denn ein Winterschuh an. Während andere Winterschuhe gerne mit einer stocksteifen Sohle ausgestattet sind, bringt die Torbal Sohle wie von Shimano versprochen eine gewisse Dynamik in den Schuh. Dies wird vor allem auch zu Fuß deutlich. Das Rad geschultert bietet der MW7 auch auf Felsen und auf herbstlichen Bodenbelag guten Halt. Stollenaufnahmen sucht mach vergebens, wir haben sie zu keiner Zeit vermisst.

Bis Witterungsbedingungen um 2-3°C reichen dünne Socken vollkommen aus, mit dicken Wintersocken ist ein Einsatz bei zweistelligen Minusgrade ohne Bedenken möglich. Generell ist der MW7 komplett wasserdicht. allerdings dringt Regenwasser durch das Neoprenband ein, was sowohl beim Vorgänger MW81, als auch bei Konkurrenzprodukten mit Neoprenband der Fall ist. Wasserabweisende Beinlinge oder entsprechende Hosen über dem Neoprenband lösen das Problem. Das Wasser wird auf die dichte Lasche geleitet und vom Schuh weggeführt.

Apropos Lasche, eine kleine Randnotiz. So schön die Lasche auch ist, beim Ausziehen der Schuhe verteilt sie den angetrockneten Dreck großzügig auf dem Werkstattboden. Hier empfiehlt sich zumindest die Lasche noch vor der Tür einmal zu öffnen, damit der Großteil des Drecks draußen bleibt.

Schlammschlacht im Wald? Na und?
Schlammschlacht im Wald? Na und?

Fazit:
Mit einem UVP von 249,95€ gewiss kein Schnäppchen, für einen Highend-Schuh in dieser Kategorie allerdings nicht unüblich. Der bequeme Sitz, das angenehm warme Klima im Schuh und das dynamische Verhalten beim Pedallieren, in Abfahrten und sogar zu Fuß lassen nicht nur das Enduristenherz höher schlagen. Mit entsprechenden Socken und wasserabweisenden Beinkleidern lässt sich der Schuh bei jedem Wetter bis in zweistellige Minusgrade tragen und ist somit die passende Kleidung für die nass-graue Jahreszeit.

2 Kommentare

  1. Für nächstes Jahr brauche ich definitiv einen Winterschuh. Deshalb sehr interessanter Bericht. Allerdings fahre ich auf Flat-Pedalen. Hast du auch ohne klickis getestet?

    • Hi Chris,

      nein ohne Klicks habe ich nicht getestet. Vermutlich wird das auch nicht funktionieren, da das Profil des MW7 relativ hart ist und in der Mitte die große Öffnung für die Cleats hat, in der die Pins von Deinen Flatpedals noch weniger Halt finden werden, als ohne hin schon.

      Viele Grüße,
      Michael

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