Vor knapp einem Jahr haben wir das R.E1 von Rotwild einem ersten Einzeltest unterzogen und waren damals so angetan von dem Bike, dass wir es in unsere Dauertestflotte übernommen haben. Ob das Enduro die kompromisslose Performance, wie damals angepriesen, über einen Zeitraum von einem Jahr aufrecht halten konnte, haben wir für euch herausgefunden.

Das Rotwild hat uns im letzten Jahr überwiegend auf technischen oder flowigen Touren im Mittelgebirge wie dem Pfälzer Wald, dem Odenwald oder im nahegelegenen Nahetal begleitet. Vereinzelt waren wir damit auch auf dem Flowtrail in Stromberg unterwegs. Unser gemeinsames Highlight war aber sicherlich der Trip nach Saalbach.

rotwild_re1-11

Da uns das E1 in der Performance-Ausstattung schon sehr zugesagt hat, haben wir nur ganz wenige freiwillige Veränderungen vorgenommen. So haben wir als erstes die Laufräder auf tubeless umgerüstet, was uns eine Gewichtseinsparung von knapp 100 g in der Summe brachte. Allerdings spielte bei dieser Optimierung die Pannensicherheit für uns eine wesentlich größere Rolle. Das Umrüsten ging dank der DT Swiss Felgen, welche bereits tubeless ready waren, sehr einfach von der Hand: Schlauch raus, tubeless-Ventil einsetzen und Dichtmilch hinzugeben. Zu beachten ist nur, dass man bei den Trail King von Continental aufgrund des Volumens mehr als 60 g Dichtmilch benötigt. Zum Anfang haben wir etwa 100g Dichtmilch pro Reifen verwendet, später haben dann 80 g pro Reifen ausgereicht.

Verlässliches Fahrwerk
Verlässliches Fahrwerk

Stichwort DT Swiss Laufräder: In unserem Einzeltest hatten wir kritisiert, dass beim Ausbau des Vorderrades eine Hülse in der Nabe sehr leicht verrutscht, die es dann erschwert das Vorderrad bzw. die Steckachse wieder einzubauen. Vorneweg gesagt ist es auch hier so, wie mit den meisten Dingen, dass man sich mit der Zeit an das spezielle Handling gewöhnt. Dennoch hatten wir mit DT Swiss Kontakt aufgenommen und sie mit der Schwierigkeit konfrontiert. Die Antwort möchten wir euch im Wortlaut mitteilen:

„…bezüglich unserer 20mm Nabe im E1700 Spline Two Laufrad.

Generell kann ich dir zu dieser Nabe mitteilen, dass diese vom System her seit 1997 bei uns im Programm, als Modell Gustav M, Downhill, Onyx 20mm oder 370 20mm, ist. Sie war zur damaligen Zeit eine der ersten 20mm Serien Steckachsen Naben überhaupt.

Viele der Naben aus dieser Zeit sind im Übrigen auch heute noch im Einsatz.

Bei der überwiegenden Zahl der Nutzer von 20mm Steckachsgabeln ist ein schneller Laufradwechsel nicht ganz so entscheidend, sondern es zählen vor allen Dingen Funktion, Preis und Robustheit des Produktes.

Mit der Konstruktion dieser 20mm Nabe konnten wir größere und stabilere Lager verwenden, da wir hier keine durchgehende Achse haben. Die verwendete Konstruktion erfüllt diese Kriterien, benötigt aber teilweise beim Laufradwechsel etwas mehr Zeit.

Für diejenigen Kunden, welche um einen schnelleren Laufradwechsel vollziehen zu können, eine durchgehende Achse bevorzugen, haben wir z. B. unsere 240oversize im Angebot. Diese wurde dann im Zuge des Auftauchens von 20mm Schnellspannsystemen, wie z.B. Maxle entwickelt.

Ist dafür aber auch technisch aufwendiger und damit teurer.“

Rotwild ist mit dem Laufradsatz einen Kompromiss zu Gunsten des Preis-/ Leistungsverhältnisses eingegangen. Die Laufräder jedenfalls haben sich sehr gut in jeder Situation geschlagen und weisen weder Seiten- noch Höhenschläge auf.

Auch in steilem Gelände sicher unterwegs
Auch in steilem Gelände sicher unterwegs

Die Ergon GE1 Griffe und der Ergon SME30 Sattel hatten uns zwar gut gefallen, allerdings haben wir aus persönlicher Vorliebe die Dissisdaboss-Griffe von Sensus aufgezogen und der Ergon Sattel wurde gegen einen SQ Lab 611 getauscht. Dies war, wie bereits geschrieben, lediglich der persönlichen Präferenz geschuldet und hatte nichts mit der Performance zu tun.

SQ Lab Sattel
SQ Lab Sattel

Da wir mit dem Rotwild eher tourenorientiert unterwegs waren, haben wir das Kettenblatt des 1 x 11 Antriebes gewechselt, um berghoch etwas komfortabler treten zu können. Ursprünglich war ein 32er Blatt verbaut, wir haben uns für ein 30er entschieden. Bei diesem Wechsel haben wir auch die Kettenführung entfernt, da diese unserer Meinung nach bei einem 1 x 11 Antrieb nicht unbedingt notwendig ist. Diese Meinung hat sich während des Tests bestätigt, denn selbst bei ruppigen Abfahrten oder Sprüngen ist uns die Kette nicht abgesprungen.

Dünne Sensus Griffe
Dünne Sensus Griffe

Kommen wir nun zu den weniger freiwilligen Änderungen, welche zu Tage treten, wenn der Patient die Hose runter lassen muss.

Leider war das verbaute Tretlager von ethirteen bereits nach fünf Monaten verschlissen. Bedingt durch sehr lange Lieferzeiten für ein neues, passendes Tretlager von ethirteen haben wir uns dazu entschieden, ein hochwertiges Tretlager von B.O.R. mit dem sogenannten Smart Spindle System zu verbauen. Dieses haben wir jetzt über sechs Monate in Betrieb und es läuft nach wie vor unauffällig reibungslos.

Unüblich war der hohe Verschleiß an Schaltaugen in Verbindung mit dem SRAM X0 Schaltwerk. Bei SRAM Schaltwerken setzt die sogenannte B-Tension Schraube auf einen am Schaltwerk verbauten Ring auf. Dieser Ring wiederum stützt sich auf einer entsprechenden Nase am Schaltauge ab.

Wie auf dem Foto zu erkennen ist, liegt der Ring der B-Tension Schraube nicht zu 100% auf, sondern nur auf der Nasenkante am Schaltauge. Durch die im Gebrauch natürliche Bewegung des Schaltwerks wurde die Nase förmlich abgeschliffen und das Schaltwerk verdrehte sich nach vorne. Ein Verlust der Antriebsspannung war das Resultat und eine Weiterfahrt unmöglich.

Verschlissene Rotwild Schaltaugen
Verschlissene Rotwild Schaltaugen

Wir haben das Fehlverhalten mit Rotwild besprochen und eine überarbeitete Version des Schaltauges zugesendet bekommen. Der Fehler konnte auch hiermit nicht behoben werden, weshalb wir auf ein sogenanntes Directmount Schaltauge und ein Shimano XT RD-M8000 11fach Schaltwerk umgestiegen sind. Beim XT Schaltwerk liegt die B-Tension Schraube direkt und satt auf dem Schaltauge auf. In dieser Kombination war der Antrieb verlässlich und funktionierte bis zuletzt fehlerfrei.

Shimano XT 11-Fach
Shimano XT 11-Fach

Nach Rücksprache mit Rotwild handelt es sich bei unserem Problem um einen Einzelfall und ist bei anderen E1-Fahrern mit der Performance Ausstattung (2015) nicht aufgetreten.

Direct Mount Schaltauge
Direct Mount Schaltauge

Einen weiteren Vorteil hat diese Kombination, denn das Schaltwerk kommt durch die Direct Mount Montage etwas näher an den Rahmen heran, so bietet diese exponierte Stelle eine etwas geringere Angriffsfläche. Außerdem ist die Schaltpräzision sehr hoch und die Schaltvorgänge sehr knackig und definiert. Bei den 2016er Modellen hat Rotwild am E1 ebenfalls diese Kombination verbaut.

Schaltwerk nah am Rahmen
Schaltwerk nah am Rahmen

Erwähnenswert ist noch, dass wir die SRAM XO Kassette montiert gelassen haben und diese weiterhin auch mit einer SRAM 11-fach Kette fahren. Das Shimano Schaltwerk und die Kassette mit der Kette harmonieren ohne Fehl und Tadel. Erfreulicherweise ist die SRAM Kassette unheimlich langlebig, so greifen die Zähne immer noch zielsicher nach den Kettengliedern.

An der Fahrperformance lässt sich nach wie vor nichts aussetzen, diese ist immer noch überragend und wir haben tierisch viel Spaß mit dem Rad, so sehr, dass wir selbst für gemütliche Radtouren mit der Frau am Rhein entlang das E1 genutzt haben. Alles in allem hat sich der Eindruck aus dem Einzeltest bezüglich der Leistung auf dem Trail verfestigt.

Spielend durch die Luft
Spielend durch die Luft

Die Federelemente haben ihre regelmäßige Pflege und zwei große Serviceeinheiten erhalten und dankten es uns mit feinem Ansprechverhalten bis zum jetzigen Zeitpunkt. Allerdings haben wir vor gut zwei Monaten ein lautes Knacken der Gabelkrone festgestellt. Daraufhin wurde die Krone inklusive Gabelschaft von Fox im Rahmen der Garantie getauscht und nun ist alles wieder erste Sahne.

Die Shimano XT-Bremsen haben wir in all der Zeit zweimal entlüftet. Hier hat sich mal wieder bewahrheitet, dass die XT eine sorglose Bremse mit super Verzögerungswerten ist. Nahtlos daran hat sich die Kind Shock LEV Integra eingefügt. Diese fährt immer noch rauf und runter wie eine unverwüstliche Zahnradbahn. Wir haben lediglich ein wenig Pflege investiert.

Mühelos über Stock und Stein
Mühelos über Stock und Stein

Bei unserem abschließenden Check mussten wir lediglich die Vorderradnabe ein wenig nachschmieren, alle sonstigen Lager laufen noch sehr geschmeidig. Weiterhin konnten wir kein Buchsenspiel feststellen und alle Schrauben sind dank Schraubensicherung ebenfalls noch fest angezogen.

Fazit:

Bis auf das nervige Thema mit dem nicht harmonierenden Schaltauge in Kombination mit dem SRAM-Schaltwerk, welches bereits der Vergangenheit angehört, sowie dem verschlissenen Tretlager, begeistert uns das Rotwild E1 auf dem Trail immer noch wie am ersten Tag. Die Tatsache, dass das Rotwild R.E1 FS 27.5 sehr wartungsarm und mit zuverlässigen Parts versehen ist, lässt uns ein befriedigendes Abschlussfazit ziehen.

2 Kommentare

  1. Philipp, Du warst ja von Anfang an schon regelrecht „verliebt“ in das Teil 🙂 Und rangenommen hast Du das Bike ja auch recht ordentlich. Wenn es nicht so teuer wäre … könnte ich mir das Rad auch gut als mein Eigenes vorstellen, schaun mer mal 😉 Danke für den informativen und ausführlichen Testbericht.

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