So schnell kann es gehen, da hat man eigentlich eben erst die Dauertester für 2015 vorgestellt und schon ist die Saison wieder vorbei. Die Sennes von Alutech hat uns dieses Jahr in jeden Park begleitet, wurde in keiner Weise geschont aber regelmäßig gewartet, und hat sogar zwischendurch ein brandneues Fahrwerk von Fox testen dürfen. Zeit um mit einem umfassenden Fazit Abschied von unserem Dauertester zu nehmen.

Hier mit dem kompletten Fox Setup für das Fahrwerk
Hier mit dem kompletten Fox Setup für das Fahrwerk

Alutech´s Sennes wird als reinrassiges Racebike auf der eigenen Webseite beworben. Vor allem aber wollten wir auch wissen, wie sich das Bike im üblichen Parkeinsatz anfühlen wird, und hier überraschte Alutech uns mit einer durchaus ausgewogenen Geometrie. Kein wirkliches Kunststück, ist doch der Hinterbau z.B. von der hauseigenen Fanes Plattform abgeleitet und für den DH Bereich verstärkt worden. Klassischer Viergelenker mit Verstellung des Federwegs von 218mm auf 200mm und einer Radstandverstellung, um ein breites Feld an Fahrern zu bedienen. An dieser Stelle gab es von uns also erstmal überhaupt nichts zu kritisieren.

Solide Verarbeitung, gut erreichbarer Dämpfer und einfache Reinigung. Keine unwichtigen Punkte
Solide Verarbeitung, gut erreichbarer Dämpfer und einfache Reinigung. Keine unwichtigen Punkte

Ganz anders sah dies bei der Wahl der Bereifung aus. Die serienmäßig aufgezogenen Onza Ibex DH Reifen haben zwar einen für DH Reifen vergleichsweise niedrigen Rollwiederstand und punkten auch mit einem guten Gewicht, leider generierten sie aber für keinen der Tester ausreichend Grip an den Flanken und boten deshalb nicht den benötigten Seitenhalt, um mit vollstem Vertrauen in die Anlieger zu stechen. Wir griffen deshalb nach 3 Wochen auf bekanntest Material zurück und zogen Schwalbes Magic Mary auf. Alles andere als ein Leichtgewicht, aber weiterhin eine sichere Bank was Grip in so ziemlich jeder Situation angeht.

Neugierig waren wir ebenfalls auf die Haltbarkeit der verbauten Sun Ringlé ADD Pro Laufräder, da diese in der Vergangenheit teilweise schlechte Ergebnisse in genau dieser Disziplin erzielten. Auch intern hatten wir bereits negative Erfahrungen mit diesem Laufradsatz gesammelt (Verlust von Nippeln, ständiges Nachspannen, etc.). Umso positiver waren wir überrascht, dass beide Laufräder von sämtlichen Ausflügen und Eskapaden völlig unbeeindruckt blieben und bis zum Testende tadellos ihren Dienst verrichtet haben. Gleiches gilt übrigens für die verbaute Saint Bremse, die bis auf einen üblichen Tausch der Bremsbeläge im Laufe der Saison jederzeit verlässliche und hohe Bremsleistung brachte. Generell erlebten wir mit fast keiner der verwendeten Komponenten unangenehme Überraschungen. Nur die verbaute Dorado Pro Gabel bereitete uns etwas Sorgen, da die TPC+ Verstellung an unserer Gabel fest war und sich keinen Millimeter bewegen wollte. Eine schnelle Abhilfe schaffte dann der Austausch der beiden Gabelbeine durch Alutech selbst und wir hatten bis zum Ende der Saison keine Probleme mehr mit der Gabel.

Kleines Problem mit der Verstellung gleich große Wirkung. Dank schneller Abhilfe kein langfristiges Problem
Kleines Problem mit der Verstellung gleich große Wirkung. Dank schneller Abhilfe kein langfristiges Problem

Aber was ist nun mit der Frage nach Park oder Renneinsatz? Hier gibt ein ganz klares Ja, und zwar für beide Szenarien. Durch eine bereits angesprochene harmonische Geometrie kann man mit der Sennes viel Spaß im Park haben. Der Lenkwinkel von 63,5° sorgt dafür, dass es in Kurven bei weniger Geschwindigkeit nicht zu wackelig wird und der Radstand von 1192mm kombiniert mit den kurzen Kettenstreben von 427,5mm sorgen im Park dafür, dass sich die Sennes agil durch Kurven bewegen lässt und ein nahezu verspieltes Handling erlaubt. Geht man es mit höheren Geschwindigkeiten an, wie zum Beispiel im Renneinsatz, dann lässt sich der Radstand durch die variablen Ausfallenden auf 440mm verlängern, was mehr Stabilität ins Fahrwerk bringt. In der Luft und bei weiteren Sprüngen neigt das Bike dazu etwas frontlastig zu werden. Der Hinterbau ist bewährt, sehr schluckfreudig aber teilweise etwas unsensibel was die Rückmeldung des Untergrunds angeht. Kein größeres Problem, aber man muss es eben wissen. Geht man mit Nachdruck in die Anlieger, schafft die Sennes jederzeit volles Vertrauen und sackt nicht weg. Sowohl das reguläre Fahrwerk (Dorado Pro, Double Barrel Coil) sowie auch das 2016er Fox Fahrwerk (40 und DHX2) harmonieren gut mit der Plattform. Müssten wir uns dauerhaft entscheiden, würde die Wahl auf die neuen Fox Komponenten fallen, da wir hier die bessere Performance erlebt haben. Praktisch für alle Interessenten ist, dass Alutech auf der Eurobike eine Sennes in genau dieser Konfiguration vorgestellt hat. Abschließend sei hierzu gesagt: mit der Dorado ist die Linienwahl gut, die 40 macht die Sennes zum Skalpel, was natürlich auch an der unterschiedlichen Bauweise der Gabel liegt.

Geht gut in die Luft...
Geht gut in die Luft…

Die von Alutech verbauten Enduro Bearings machten die komplette Saison über keinerlei Probleme. Die abschließende Wartung vor Testende offenbarte uns dann auch keine weiteren Überraschungen über den Zustand der Lager. Gesäubert und mit einer neuen Fettpackung versehen dürfte diesen durchaus noch mehr als eine weitere Saison zuzutrauen sein. Generell können wir dem Bike eine gute Wartungszugänglichkeit bescheinigen. Ebenfalls lässt sich das Bike problemlos reinigen und pflegen, da keine versteckten „Matschfallen“ dafür sorgen, dass es irgendwo vor sich hin modern kann. Durch die Verwendung des BSA Lagerstandards für das Tretlager können defekte Lager schnell und unkompliziert gewechselt werden. Pressfit erfordert durchaus einen höheren Aufwand und wir freuen uns, das Alutech diesen Weg nicht gegangen ist. Ebenfalls gefreut haben wir uns über die hohe Qualität der Pulverung. Die gewählte Kombination aus Schwarzmatt/Perlgold zeigte sich taff und hat nur minimale Gebrauchsspuren. Kunststück, haben wir in dieser Saison zumindest mit der Sennes keinen nennenswerten Sturz hingelegt.

An wen richtet sich das Bike nun? Von Einsteiger im Park bis zum ambitionierten Racer dürfte die Sennes Plattform viele Fahrer glücklich machen. Man erhält nicht das perfekte Bike, aber durchaus eine sehr gute Basis, die vor allem robust und technisch kaum anfällig ist. Gefallen würde uns, wenn man noch etwas am Preis schrauben würde. Denn die Versenderkonkurrenz schläft nicht und hat ein paar heiße Rivalen für weniger Kapital im Angebot.

Fazit:

Alutech hat mit der Sennes ein DH Bike im Programm, welches sich nicht verstecken muss. Die grundsolide Geometrie kombiniert mit 3 verschiedenen Ausstattungslinien macht Sinn und es muss nicht zwingend die Topversion für knapp 4.500 Euro sein. Dennoch sind wir gespannt was man bei Alutech noch aus der Plattform macht, denn in unseren Augen hat sie noch Potenzial für mehr, wenn man sich den Hinterbau nochmal vornimmt. Unter dem Strich haben wir bis auf den etwas zu hohen Preis keine wirklichen Kritikpunkte gefunden. Nur den Kettenstrebenschutz, den kann man bei einem Bike für 4.500 Euro wirklich mitliefern, völlig egal welche Option der Kunde dann wirklich nutzen wird.

Sonst bleibt uns abschließend nur noch ein zu sagen: Drauf setzen, Spaß haben und die Vielseitigkeit genießen. Alutech hat mit der Sennes viel richtig gemacht.

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