Die meisten bringen MRP ausschließlich mit Kettenführungen in Verbindung. Das MRP aber auch Federgabeln und Dämpfer in ihrer Produktpalette haben, wissen die wenigsten.

Zur Verwunderung lässt MRP die Federelemente auch nicht bei einer der bekannten großen Suspension Hersteller produzieren, sondern die Entwicklung und Produktion erfolgt in Eigenregie. Das Know How dazu haben sie sich durch ELKA ins Haus geholt. MRP hat 2013 die MTB-Sparte vom kanadischen Federelemente-Hersteller übernommen. Außerdem produzierte White Brothers Suspension jahrelang in den Produktionshallen von MRP in Colorado.

quelle: mrpbike.com

Wir haben für euch die Endurogabel „Stage“ aus dem Hause MRP getestet.

Produktvorstellung

Die Stage gibt es für alle drei aktuellen Laufradgrößen – 26“, 27,5“ und 29“. Während es die Federgabel für 26- und 27,5-Zoll mit den Federwegen 140, 150, 160 und satte 170mm gibt, erhält man die 29-Zoll Variante mit einem Travel von 120 – 150 mm. Die Einbauhöhe, gemessen von der Achse zu Krone, beträgt für die 650b Version mit 170 mm Federweg 553 mm und ist damit fast identisch zur aktuellen Rock Shox Pike mit 160 mm Federweg, diese misst 552 mm von der Achse bis zur Krone. Die 26-Zoll Variante der Stage besitzt den gleichen Wert, während die große 29“ Gabel mit 150 mm Federweg eine Einbauhöhe von 558 mm hat. Gefedert wird bei der Stage mit Luft, MRP nennt es EQUALair.

MRP Stage Facts

Die 34 mm dicken Standrohre bieten eine Bremsaufnahme für den Postmount Standard für 180 mm Rotoren und wird mit einer 15 x 110 mm Steckachse ausgeliefert. Als externe Einstellmöglichkeiten bietet die Stage neben der gängigen Zug- (20 Klicks) und Druckstufeneinstellungen (8 Klicks) eine besondere Einstellung, das sogenannte Ramp Control. Mit dieser Möglichkeit lässt sich mit 16 Klicks die Progression der Gabel einstellen. Dabei wächst die Progression mit jedem Klick und das Beste ist: es funktioniert „on the fly“, d.h. auch während der Fahrt. Somit sollte jeder die Stage nach seinen persönlichen Vorlieben und ohne Kompromisse einstellen können.

Einstellung für die Ramp Control
Einstellung für die Ramp Control

Erstkontakt

Optisch wirkt die MRP eher schlicht und mit den schwarzen Tauchrohren erinnert sie durchaus an die Pike. Die Verarbeitung wirkt sehr gut. Die Einstellrädchen waren sehr sauber verarbeitet und auch mit Handschuhe sehr gut zu bedienen, wobei die Rasterung für die Compression hätte deutlicher sein dürfen. Die Klicks für den Rebound sowie die Ramp Control waren sehr gut definiert. Mit Hilfe eines kleinen Knöpfchens in der Mitte des Ramp Control Rades kann man die Luft aus Negativ- und Positivkammer ablassen.

Kann die Endurogabel aber auch auf dem Trail mit den üblich verdächtigen Platzhirschen mithalten? Das haben wir versucht herauszufinden.

Als Ausgangseinstellung diente unserem Testfahrer ein SAG von 25 % bei 80 PSI, zunächst komplett offenem Ramp Control sowie wenigen Klicks mehr Low Speed Compression (LSC) und 12 Klicks beim Rebound. Mit diesen Einstellungen ging es auf einer unserer Hausrunden, die neben einem knackigen Uphill auch alles beinhaltete was eine spaßige Trailabfahrt ausmacht, offene Kurven, Anliegerkurven, Wurzelteppiche und kleine Kicker die zum Spielen einladen. Sofort aufgefallen ist uns, wie feinfühlig die Stage anspricht, was uns ein begeistertes Lächeln auf die Lippen zauberte. Dieses Grinsen sollten wir auch den ganzen Testzeitraum nicht verlieren. Für das sensible, plushige Verhalten hat MRP der Stage eine relativ große Negativluftkammer spendiert.

Druckstufeneinstellung
Druckstufeneinstellung

Schnell merkten wir jedoch, dass wir noch nicht das ideale Set-Up gefunden hatten. Die Gabel fühlte sich für unsere Vorlieben ein klein wenig zu weich an, was sich auch beim Uphill mit einem starken Wippen bemerkbar machte. Deshalb erhöhten wir die LSC auf mehr Dämpfung. So nahm die Stage auch bergauf noch kleine Unebenheiten auf ohne jedoch zu sehr aufzuschaukeln. Außerdem versackte die Stage mit diesem Set Up in schnellen Anliegerkurven nicht und fördert so einen agilen und verspielten Fahrstil. Für die Compression hat MRP ein tolles Feature integriert, das Magnetventil. Dieses Ventil ist dafür zuständig, dass die Stage selbst bei komplett geschlossener LSC bei starken Schlägen öffnet und Federweg zur Verfügung stellt.

Zugstufeneinstellung
Zugstufeneinstellung

Auf Trails mit viel Airtime kamen wir mit dieser Einstellung dann aber an unsere Grenzen und die Gabel drohte durchzurauschen. Nun kam die Ramp Control zum Einsatz. Mit Hilfe der Ramp Control kann man die Endprogression der Luftfeder erhöhen. Speziell ab dem 6. Klick war der erhöhte Widerstand deutlich zu spüren und ein Durchschlagen der Gabel konnte erfolgreich vermieden werden. Am ehesten vergleichbar ist die Ramp Control mit den Tokens bei anderen Gabeln. Das besondere an der Ramp Control jedoch ist, dass die Einstellung unmittelbar auf dem Trail mit eins, zwei Klicks vorgenommen werden kann und keine Auswirkung auf den SAG hat. Möglich macht dies ein Ventil zwischen Positiv- und Negativluftkammer, welches die Menge des Luftdurchflusses reguliert. Da unser Philipp sehr gerne in steilem Gelände unterwegs ist, kam ihm auch entgegen, dass die MRP Stage so weniger Federweg freigab und das Cockpit etwas höher stand.

Die nur 34 mm dicken Standrohre für eine Endurogabel mit 170 mm machten uns zunächst skeptisch, allerdings waren alle Bedenken umsonst. Die Stage wusste auch durch ihre Steifigkeit zu punkten. Mit einer überzeugenden Spurtreue manövrierte das Bike durch jede Unwegbarkeit, selbst in steilen und verblockten Passagen, sehr zur Freude des Fahrers.

Einzig der Verschluss der Steckachse hat nicht vollends überzeugt. Als Gegenstück zur Steckachse hat MRP eine Mutter angebracht. Leider ist genau diese Mutter nicht gerade griffig, und hakt ab und an, so dass man leider nicht ganz so schnell die Steckachse in einer guten Position verschließen kann. Allerdings lässt sich diese Situation als marginal abstempeln und hat überhaupt keinen Einfluss auf die gute Performance auf dem Trail.

Fazit

MRP hat eindrucksvoll bewiesen, dass es nicht immer einer der Branchenriesen wie Fox oder Rock Shox sein muss und jeder der nach einer neuen Gabel sucht sollte sich MRP`s Stage mal genauer ansehen. Die Stage weiß mit einer schicken und sauberen Verarbeitung zu überzeugen. Aber auch die Performance auf dem Trail ist wirklich super. Die Gabel weiß vor allem mit ihrem sehr feinfühligen Ansprechverhalten zu überzeugen. Mit Hilfe der innovativen Ramp Control kann man die Charakteristik der Gabel sinnvoll im Handumdrehen ändern und so weiß sie mit einem breiten, vielseitigem Einsatzspektrum zu gefallen. Die Technik lässt sich MRP aber auch bezahlen und ruft einen Preis von 889,00 € auf.

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