In Riva wurde es das erste mal der Öffentlichkeit präsentiert und nach 2,5 Jahren Entwicklungszeit wird seit Januar 2015 mit der Auslieferung begonnen. Die Rede ist von Alutechs Tofane, dem 29er Enduro mit ordentlichem Federweg von 150mm. Dieses Konzept, 29 Fully mit viel Federweg,  ist am Markt noch nicht  oft anzutreffen und wir waren erfreut als das Testbike bei uns eintraf. Wie aber schlägt sich nun die Kombination aus großen Laufrädern und schluckfreudigem Fahrwerk?  Sehr gut, soviel sei bereits verraten, denn die Crew um Jürgen Schlender hat ganze Arbeit geleistet.

Edel kommt es daher, dafür sorgen nicht nur die erstklassigen Komponenten aus Formula 35 an der Front in Kombination mit dem Db Inline für das Heck, sondern auch der in Rot eloxierte Rahmen und der Carbon Hinterbau. Grade dieser ist ein Alleinstellungsmerkmal der Tofane in diesem Segment und sorgt für ein sehr gutes Gesamtgewicht des Bikes. Komplettiert wird das Rad durch e*thirteen TRSr Laufräder und Kurbel, eine SRAM X01 Gruppe, sowie SRAM´s Guide RSC für die Verzögerung auf dem Trail. Am Cockpit übernimmt ein Answer Pro Taper aus Carbon das Kommando. Abgerollt wird mit dem aktuell gängigem Standard von Schwalbe (Hans Dampf VR, Nobby Nic HR). Die Rahmengröße unseres Testrades ist M.

 Wie fährt sich denn nun diese Kombination? Ist sie verspielt, klettert sie gut, bockt sie am Ende sogar? Ja, Ja und Nein! Test beendet.

So einfach wollen wir es uns dann aber doch nicht machen und prüfen wie üblich die Qualitäten in unserem Mittelgebirge direkt vor der Haustür. Auf dem Feldberg gilt für nahezu jeden Trail: vor der Abfahrt kommt eine ordentliche Auffahrt. Teils leichte aber teils auch knackige Anstiege lassen hier sehr schnell durchblicken, aus welchem Holz der Untersatz geschnitzt ist. Hier empfanden wir die Kombination aus Geo + kurzer Vorbau als sehr gelungen. Es macht schlichtweg Spaß mit der Tofane klettern zu gehen. Selbst auf wirklich steilen Anstiegen neigt das Vorderrad nicht zum steigen und man fühlt sich fast wie an einer Schnur den Berg hoch gezogen.

Hier spielt auch zusätzlich das angegebene Gewicht von  12,7 Kilo (Rahmen 2750 Gramm) eine große Rolle. Der Lenkwinkel von 66° sorgt für den Rest. Spürbar leichter als mit anderen Bikes aus der Redaktion kommen wir jede Steigung hinauf. Die gewählte 1×11 Übersetzung (28er Kettenblatt) fügt sich harmonisch in die ohnehin schon guten Klettereigenschaften der Tofane und lässt sehr selten weitere Gänge vermissen. Allerdings verfügt auch keines dieser Bikes über 29“ Laufräder und das geringe Gewicht. Der verbaute DB Inline von Canecreek verfügt über einen Climb Switch, welcher dem Bike, wie der Name schon sagt, zu besseren Klettereigenschaften verhelfen soll. Diese Funktion passt hervorragend zum Gesamtkonzept der Tofane und macht den Hinterbau nahezu frei von jeglichem Wippen auf dem Weg nach oben. Die Formula 35 verfügt über eine Lockout Funktion, die wir ebenfalls gerne genutzt haben und vor allem schätzen gelernt haben. Wer oben ist sammelt sich kurz und nutzt dann eine der diversen Möglichkeiten der Abfahrt.

Ordentlich! Das ist der erste Eindruck, der sich auch im weiteren Verlauf größtenteils bestätigt. Da das Wetter um diese Jahreszeit im Taunus für reichlich nasse Felsen und Wurzeln sorgt, freut man sich umso mehr über ein Bike, welches genau den Richtungsangaben des Piloten folgt. Ein sehr gutes Abrollverhalten in Kombination mit einer Verspieltheit, die wir so bei einem 29er nicht erwartet hatten. Geht doch, warum machen das nicht einfach alle so? Weil es eben nicht einfach ist und wo Licht ist, dort ist bekanntlich auch Schatten. Nach diversen Abfahrten mit viel Spaß und ungewollten Drifteinlagen zeigte die verbaute Guide erste Anzeichen von Schwäche und ein leichtes wandern des Druckpunktes war zu spüren. Allerdings haben wir die Bremse auch in keinster Weise geschont und witterungsbedingt deutlich öfter von ihr Gebrauch gemacht als sonst auf unseren Touren.

Verzögert wird mit SRAM´s Guide
Verzögert wird mit SRAM´s Guide

Die Serienbereifung von Schwalbe wollte nicht  zum Untergrund passen, der allerdings auch sehr speziell ist, wenn Regen auf dem Feldberg fällt. Der Waldboden ist mit Wurzeln versetzt, sehr steinig und aufgrund des vulkanischen Ursprungs teils lose. Es war nie grenzwertig, dennoch hatten wir das Gefühl, dass mit anderer Bereifung, wie z.B. dem Trailking von Conti, noch mehr aus dem Bike rauszuholen wäre, denn diese Wahl hat uns schon auf anderen Bikes teils deutliche Verbesserungen gebracht. Bereifung ist aber wie immer eine Glaubensfrage und von Fahrer zu Fahrer verschieden.

Climbswitch sowie auch LSR und LSC
Climbswitch sowie auch LSR und LSC

Das Fahrwerk arbeitet hier mit einem SAG von knappen 30% hervorragend und schluckte auch grobe Patzer gut weg. Schnelle Richtungswechsel und teilweise stark verblockte Trails können mit der anvisierten Linie gefahren werden. Grade die Fomula Gabel liefert hier eine sehr gute Performance ab, die mit der RS Pike in unseren Augen auf gleicher Höhe liegt. Der DB Inline gibt sein übriges zu dieser hervorragenden Performance und kann momentan durchaus als Benchmark im Bereich der Dämpfer gesehen werden. Der Hinterbau arbeitet einfach traumhaft feinfühlig und gibt ein sehr präzises Feedback.

Die in unseren Augen perfekte Wahl für den Hinterbau.
Die in unseren Augen perfekte Wahl für den Hinterbau.

Den kurzen Vorbau fanden wir im Bergabbetrieb am Anfang als nicht ganz passend, da er etwas Nervosität in das Bike brachte. Bei späteren Abfahrten relativierte sich das ganze und man wird fast eins mit dem Fahrrad. Sie funktioniert sehr gut, die Kombination aus großen Laufrädern und ordentlichem Federweg. Schön, wenn Hersteller auch mal etwas aus den „gängigen“ Konzepten ausbrechen.

Fazit:
Schönes Ding, gut gemacht! Das Konzept geht, wie bereits erwähnt auf und vermittelt Bergauf sowie auch Bergab massiv Spaß. Die Geometrie ist sehr durchdacht, die Verarbeitung des Rahmens und der Schweißnähte auf sehr hohem Niveau. Ist es das eine Bike für alles? Nein, aber das will die Tofane auch nicht sein und im Bikepark würden wir andere Bikes bevorzugen. Ist es ein Bike mit einem breiten Einsatzbereich? Auf jeden Fall!

Leichte Kritik ernten die Bereifung und die verbaute Guide Bremse, hier wäre es sicher im Sinne des Kunden eine Alternative in der Konfiguration anzubieten. Knapp 4.500 Euro werden fällig, wenn man die Tofane reiten möchte. Nicht günstig, aber in Anbetracht der Optionen bei Alutech, was die Anpassung der Bikes angeht, völlig in Ordnung.

FahrerdatenGeo
Körpergröße: 1,75m, Gewicht (Fahrfertig) 85 Kilo, Fahrstil: Verspielt, gerne auch mal aggressiv und schnell

Kommentar verfassen