„Die unstoppbare Enduro Waffe. Kein Weg zu ruppig, keine Abfahrt zu steil, kein Sprung zu groß. Das R.E1 kann meist mehr als sein Fahrer und ist gemacht für hohe Geschwindigkeiten und schwieriges Gelände. Dabei ist seine Tret-Effizienz so gut, dass es für mich der beste Begleiter auf harten Touren ist.“ – Manfred Stromberg

Mit diesen starken Worten beschreibt der Rotwild Teamfahrer und Markenbotschafter, Manfred Stromberg, das neue E1 auf der Homepage von Rotwild. Wir von Cycleholix haben für euch getestet, ob das 2015er R.E1 FS 27.5 hält, was Manfred Stromberg verspricht.

Das Rotwild an sich ist eine scheue Spezies
Das Rotwild an sich ist eine scheue Spezies

Was macht das Rad zu einem solch tollen Begleiter?

In erster Linie ist es das Herzstück des Rotwild E1, der Rahmen. Dieser ist beim Enduro-Bike von Rotwild aus Aluminium geschweißt und mehrfach konifiziert. Man sieht direkt, dass die Entwickler von Rotwild, die Firma ADP-Engineering, viel Forschung und Entwicklung betrieben haben, um eine möglichst optimierte Anordnung und Formgebung jedes einzelnen Rohres zu erzielen, so z.B. die asymmetrischen Kettenstreben am Hinterbau oder die unterschiedlichen Durchmesser des Oberrohres. Die Gesamtkonstruktion hat einen unheimlich steifen und dennoch leichten Rahmen zur Folge. Der positive Eindruck der Rohre spiegelt sich in den Schweißnähten wider; diese machen ebenfalls einen hervorragenden Eindruck. Auch die pfiffige Idee mit dem um 90° gedrehten Schnellspanner der Sattelklemme ist ein Beispiel für originellen Entwicklergeist. Ob das nun das entscheidende Kriterium war, um den kurzen Hinterbau generieren zu können, lassen wir mal dahingestellt.

Schöne Formgebung
Schöne Formgebung

Weiter ist das von Rotwild bekannte und bewährte XMS Federungssystem (klassischer Viergelenker) ein entscheidender Faktor für die sehr gute Performance des Rades. Es ist sehr antriebsneutral beim pedalieren und hat ein super Ansprechverhalten und mit 165mm Federweg am Hinterrad ordentliche Reserven für den Downhill. Für das gute Ansprechverhalten sind außerdem die Niro Full Ball Bearings (NFB Kugellager) verantwortlich. Durch die Einsparung des Käfigs gegenüber gewöhnlichen Kugellagern können durch den gewonnenen Platz mehr Kugeln platziert werden. Dies wiederum führt zu geringerer Reibung und einer feinfühligeren Federung.

2014-12-05 10_22_45-Rotwild - R.E1 FS 27.5_Geometrie
Quelle: www.rotwild.de

Für ein stimmiges Gesamtkonzept ist schließlich die Ausstattung verantwortlich.

Wir sind das E1 in der High-End Ausführung, der Performance Variante, gefahren. Hier setzt Rotwild auf bewährte Komponenten ohne Kompromisse, wie beispielsweise die Shimano XT-Bremse, welche man wirklich blind an jedes Rad montieren kann. Aber auch das Fox Fahrwerk (36 Float Kashima RC2 FIT vorne, Float X Kashima CTD hinten), die SRAM 1×11 Schaltung (XO), der Ergon Sattel in Kombination mit den Ergon GE1 Griffen (abweichend zur gelisteten Serienausstattung) sowie die DT Swiss E1700 Spline XX1 Laufräder in Kombination mit den Continental Trail King Reifen sprechen für eine gute Performance:

2014-12-05 10_21_51-Rotwild - R.E1 FS 27.5
Quelle: www.rotwild.de

Das Rad wiegt mit dieser Ausstattung ohne Pedale 14,1 kg bei Rahmengröße M. Für ein Enduro mit Downhill-Genen ein sehr guter Wert.

Soviel zur Theorie, nun wollen wir wissen, wie sich das Bike im rauen Alltag auf dem Trail schlägt:

Vor jeder Abfahrt steht die Auffahrt.

Dabei ist seine Tret-Effizienz so gut, dass es für mich der beste Begleiter auf harten Touren ist“ (Manfred Stromberg).

Ehrlich gesagt sind wir nicht mit der Erwartung aufs Rad gestiegen, damit Bergetappen gewinnen zu können. Umso mehr waren wir überrascht, wie gut es sich mit dem Rad klettern lässt, vorausgesetzt man hat ordentlich Schmalz in den Beinen und kann die Übersetzung von 42 Zähnen hinten und dem 32er Kettenblatt vorne drücken. Dies ist durchaus die sportliche Übersetzungsvariante für Endurorennen. Für lange und steile Anstiege ist das weniger geeignet. Wir sind jedenfalls an unsere Grenzen gekommen und empfehlen ein Kettenblatt mit 30 oder gar 28 Zähnen einzusetzen.

Nichtsdestotrotz bekommt man gut Druck aufs Pedal. Dies macht der steile Sitzwinkel möglich. Ein Absenken der Gabel am Berg (die FOX Float 36 bietet dieses Feature nicht) haben wir zu keiner Zeit vermisst, denn das Vorderrad hatte auch im steilen Gelände nicht die Tendenz zu tänzeln. Dies ist einerseits dem flachen Cockpit aber auch wieder dem klettertauglichen Sitzwinkel zuzuschreiben. Ein Wippen beim berghoch Fahren ist im Descend-Mode (offene Druckstufe) minimal zu spüren, was aber kein Problem darstellt, denn mit Hilfe der vorgegebenen Druckstufen Trail– sowie Climb-Mode lässt sich das Wippen kinderleicht nahezu komplett unterbinden.

XMS Federungssystem und FOX Federbein
XMS Federungssystem und FOX Federbein

Wir haben uns auf dem E1 mit sehr wohl gefühlt und können die optisch gedrungene Position gefühlsmäßig nicht bestätigen. Auch an vermeintlichen Kleinigkeiten merkt man, dass Rotwild es versteht, ein Rad ohne Kompromisse auf die Räder zu stellen. So hat man am Lenker hochwertige Ergon GE1 Griffe und als Sattel den Ergon SME30. Diese beiden Kontaktpunkte zwischen Fahrer und Bike machen einen sehr guten Eindruck und haben sich ohne Eingewöhnungszeit unheimlich bequem und vertraut angefühlt.

Ergon Sattel
Ergon Sattel

Einen kleinen Wehrmutstropfen gilt es bergauf zu verkraften. Durch das niedrige Tretlager kommt es beim Pedalieren doch ab und an mal zum Bodenkontakt. Gleichzeitig hat das niedrige Fahrwerk den Vorteil, dass man sich bergab im Rad super integriert fühlt und somit ein klasse Handling verspürt. Damit wären wir dann schon bei der Abfahrt.

Kein Weg zu ruppig, keine Abfahrt zu steil, kein Sprung zu groß. Das R.E1 kann meist mehr als sein Fahrer und ist gemacht für hohe Geschwindigkeiten und schwieriges Gelände (Manfred Stromberg)

Unser Eindruck:

Beim Downhill kommen die wahren Gene zum Vorschein und das E1 kann all seine Stärken ausspielen.

 

Bergab kann man das Gas ordentlich stehen lassen und das E1 zaubert einem ein Grinsen über beide Ohren ins Gesicht. Das sehr potente Fox Fahrwerk mit der neuen FOX 36 FLOAT mit 170mm Federweg und dem Float X mit 165mm Federweg bügelt eigentlich alles glatt, was sich einem in den Weg stellt. Auf die Reserven mussten wir selbst im phasenweise anspruchsvollen Mittelgebirge, wie dem Pfälzer Wald, nicht zurückgreifen. Im Gegenteil, das Fahrwerk ist unheimlich fehlerverzeihend und fördert den Fahrer, seinen fahrerischen Horizont zu erweitern.

FOX 36 Float
FOX 36 Float

Nicht nur auf schnellen, ruppigen Trails sondern auch auf flowigen Trails hat man sehr viel Spaß mit dem E1. Was zum einen dem tiefen, breiten Cockpit mit Crankbrothers-Parts und zum anderen den kurzen Kettenstreben, die dem E1 einen super wendigen und verspielten Charakter verleihen, geschuldet ist. Das tiefe Cockpit sorgt für ordentlichen Druck auf dem Vorderrad, was das Untersteuern reduziert und der 780mm breite Lenker vermittelt ein Gefühl von Kontrolle in jeder Kurve. Generell hat uns die aufgeräumte Lenkzentrale gut gefallen. Dies ist nicht zuletzt dem „fehlenden“ Trigger geschuldet. Auch der schmale Remotehebel der sehr soliden Kind Shock LEV verrichtet unauffällig seine Arbeit. Vielleicht könnte man hier mit speziellen S-Haken noch das störende Klackern der Schalt- und Bremszughüllen unterbinden. Alternativ kann man sich hier aber auch mit schlichten Kabelbindern weiterhelfen.

Auch dank der einigermaßen leichten, mit 25mm Maulinnenweite recht breiten DT Swiss E1700 Laufräder in Verbindung mit den griffigen Continental Trail-King Reifen kann man fast wie von Schienen geführt die Trails runterheizen.

Und das ist immer noch nicht alles, denn auch in technischen Passagen rockt man mit dem Bike die Bühne. Mit Hilfe der bissigen Shimano XT-Bremse bekommt man spielend das Hinterrad in engen Spitzkehren versetzt, was einem erneut ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Erst beim Blick über den Tellerrand hinaus haben wir kleinere Mängel festgestellt, die allerdings der Performance auf dem Trail nicht schaden.

Will man für den Transport des Bikes das Vorderrad ausbauen oder trotz tubeless mal einen Platten flicken, so ist zum einen der Verschluss der neuen Fox Gabel aufwendig: Hierzu benötigt man einen 5mm Innensechskant Schlüssel und zum anderen sollte man aufpassen, dass beim Ausbau des Reifens nicht der Distanzring in der Nabe verrutscht, denn sonst bekommt man beim Einbau Probleme die 20mm Steckachse einzufädeln. Hier hilft zur Not ein langer, dünner Gegenstand, um den Distanzring wieder passend zu positionieren.

Fazit:

Wir können nicht leugnen, dass uns das Rotwild E1 super gefällt und jede Tour ein Highlight für uns ist, so dass man beinahe den stolzen Preis von 4.999,00€ vergessen kann. Allerdings muss man sagen, dass man dafür auch ein sehr hochwertiges und durchdachtes Bike ohne Kompromisse bekommt.

Auch wenn das E1 für eine Fahrt zur Eisdiele sicherlich eine gute Figur machen würde, so liegt die Betonung unserer Meinung klar auf Enduro-Waffe und harte Touren.

14 Kommentare

  1. Ja, toller Testbericht !
    Ich fahre das E1 seit Mitte 2015 und kann nur alles aus dem Testbericht bestätigen. Habe mir das Bike selbst aufgebaut. Vorne fahre ich jedoch die Float auf 180mm, mit einem Downhilllaufradsatz (Giant PAM 2 ca. 2050g), Continental Baron Projekt, XTR Schaltgruppe, Syntace Lenker + Vorbau wiegt das Bike 14,4kg. Bei Wechsel auf Klickies + Tubless bei einem leichten Laufradsatz kommt das Bike problemlos auf 13,4kg. Im Bikepark komme ich selbst bei hohen Geschwindigkeiten kaum an die Grenzen des Fahrwerks. Werd mir aber dennoch das G1 für den Park gönnen um das E1 zu schonen. Wenn ich Fragen hatte konnte ich ohne Probleme bei Rotwild anrufen und dort direkt die Ingineure befragen. Das einzige was mich bei Rotwild stört ist dass es keine Erweiterte-Garantie gibt, Möglichkeiten wie Crash-Replacement gibt es leider auch nicht. Aus diesem Grund ringe ich noch mit der Entscheidung mir einen Downhiller bei YT oder Canyon zu holen….

  2. Sehr schöner Bericht über das neue 2015er E1,
    Und das geilste daran ist , ich habe bald eins ! Freu.. Wohl allerdings mit der XT Austattung und 2Fachkurbel ist mir eh lieber 🙂

      • Ja, freu mich drauf..
        Ich fahre schon seit gut 2 Jahren ein Rotwild E1 (das grüne) und bin damit echt happy , jetzt muss mal was neues her und ich finde das RAW-Finish mit Blau ziemlich cool !
        Ja 2Fach finde ich für mich einfach besser da ich auch öfters lange Touren mache…

  3. Der Bericht lässt sich gut lesen und gibt einen schönen ersten Eindruck über dieses cooles Bike. Würde mich aber mal über einen Erfahrungsbericht mit Regenhosen ( lang ) freuen.
    Schaue aber jetzt immer mal wieder auf eure Seite.

  4. Habe selber ein 26 er Carbon (Voll Carbon) Rad , würde aber gerne auf ein 27,5 er umsteigen !
    Mein Rad steht da wie neu ,kein Kratzer , nichts !
    Gibt es da eine Möglichkeit mein 2 Jahre altes Geschoss dran zugeben , wie zum Beispiel bei KTM ??

    Bitte um eine kurze Antwort !
    Feuerstein Hans

Kommentar verfassen