Zum Ende der Bikesaison stand nochmal ein Highlight auf dem Programm. Kurz nachdem die Enduro-Weltelite Finale Ligure unsicher gemacht hatte, nahmen wir von Cycleholix die bekannten Trails des Enduro- und Freeride-Mekkas unter die Stollen. Euphorisiert durch zahlreiche Videos vom Finale der Enduro World Series freuten wir uns auf eine Woche Trailspaß. Vier mögliche Touren, von leicht bis schwer, stellen wir euch hier vor.

Finale Ligure
Finale Ligure

Die Anreise

Samstag war Anreisetag. Am frühen Morgen begann die Fahrt von Mainz Richtung Finalborgo an der ligurischen Küste. Von Mainz fährt man knapp neun Stunden. Mit kleineren Pausen dann doch eher zehn. Nadelöhr ist klar der Gotthard-Tunnel, weshalb es sich empfiehlt, früh los zu fahren. Vor Ort haben wir zunächst die Ferienwohnung bezogen, den Kühlschrank gefüllt und einen ersten Cappucino in dem wunderschönen Örtchen Finalborgo getrunken. Dabei haben wir die Pläne für die kommenden Tage geschmiedet.

Route Finale Ligure
Quelle: maps.google.de

Quelle: maps.google.de

Los geht`s

Sonntag war es endlich soweit. Die erste Tour stand an. Es sollte die Schleife des alljährlichen 24h-Rennens werden. Von Finalborgo fuhren wir zunächst Richtung Calvisio. Von hier ging es über eine steile, asphaltierte Straße hinauf zur Hochebene Le Manie. Das Panorama von Le Manie mit Blick auf die Küste ist atemberaubend und war Entlohnung genug für die schweißtreibende Auffahrt. Weiter folgten wir nun ein, zwei Singletrails über schöne Terrassenfelder bis zum Lokal Ferrin. An der Trattoria stand eine kleine Brotzeit an, bevor es von dort auf die knapp 7km-Strecke des 24h-Rennens ging. Zunächst macht man ein paar kurze Meter auf einer breiten Forststraße. Dieser Weg bietet immer mal wieder die Möglichkeit einen schönen Blick auf den Ort Noli zu werfen. Ziemlich schnell bogen wir dann auf einen wirklich tollen Singletrail ab, der sich quasi an der Küste entlang schlängelte, mit dem Unterschied, dass er sich einige Meter über der Küstenlinie befindet. Es folgten nochmal ein paar Meter bergauf, bevor es oben angekommen, scharf links Richtung Abfahrt der Rennstrecke ging. Die Abfahrt ist fahrtechnisch wenig anspruchsvoll, bietet aber unheimlich viel Flow. Durch flüssige, teils mannshohe Steilkurven schlängelt man sich zwischen den Bäumen bergab zum Hauptareal an der Trattoria Ferrin.

Vorbereitung ist die halbe Miete
Vorbereitung ist die halbe Miete

Nach zwei knackigen Runden über die Trails der 24h-Schleife folgte die Abfahrt zum Strand nach Varigotti. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir wählten die vielleicht anspruchsvollste: den Downhill Uomini! Die Männerabfahrt war früher Teil der Downhill-Weltmeisterschaften. Außerdem fanden hier Dreharbeiten mit Gee Atherton zum Film NWD 10 statt. Neben einem super Blick auf Varigotti und das Meer bietet dieser Trail einiges für nervenstarke und gut geübte Biker.

Der Weg ist sehr steil, unheimlich steinig und mit viel losem Geröll gespickt, was die Sache nicht einfacher macht. Protektoren sind hier unbedingt zu empfehlen. Am Ende der Downhillstrecke warten alte, romantische Karrenwege, die einen bis an den Strand von Varigotti führen.

Die nächste Tour sollte noch schweißtreibender sein, als die des Vortages. Was zum einen an der hohen Luftfeuchtigkeit, aber auch an den Höhenmetern lag. Die Tour I Ciappi bot zwar nur knapp 1000hm, allerdings sind die Anstiege phasenweise sehr steil und verblockt. Während man teilweise die Anstiege hochschiebt, fragt man sich immer mal wieder: „Warum fahren wir hier nicht runter“? Nur um sich im nächsten Atemzug auf sein Drahtesel zu schwingen und einen super Trail bergrunter zu fliegen. So auch bei dieser Tour. Aber von vorne:

Von Finalborgo aus fuhren wir auf einer asphaltierten Straße hinauf nach San Bernardo. Auf der Anhöhe Monte Cucco war dann der Einstieg in das erste Singeltrail-Vergnügen. Überwiegend schnell und flowig ging es durch die Macchia-Sträucher. Der typische Kalkstein bietet super Grip, so dass man es bergab super laufen lassen konnte. Nur hier und da haben uns Spitzkehren gezwungen, die Funktion der Bremse zu testen.

Beflügelt Geist und Seele
Beflügelt Geist und Seele

Nach dieser ersten rasanten Abfahrt geht es wieder über eine Straße hinauf nach Orco. Der schöne Kirchenvorplatz in Orco bietet sich für eine Brotzeit an. Außerdem konnten wir hier unsere Wasserspeicher an einem Brunnen mit Trinkwasser auffüllen. Nach dieser Verschnaufpause wollten nochmal letzte Höhenmeter erklommen werden. Dafür wird man wieder mit einem tollen Trail belohnt. Kleinere Stufen laden zu Spielereien ein. Neben tollen Abfahrten wird man für die Plackerei auch immer wieder mit schönen Postkartenmotiven entlohnt.

Es folgt wieder ein Anstieg bis zur Trattoria Ai Funghi. Für uns war es hier an der Zeit eine Cappucino Pause einzulegen, um uns anschließend weiter bergauf zu quälen. Nach einer kurzen Bergab Passage spuckt uns der Trail an einer Kirche namens San Giacomo di Magnone aus. Von der Kirche aus folgt der vielleicht spannendste Teil dieser Tour. Ein genussvoller Downhill über uralte Römerbrücken, welche teilweise noch gut erhalten sind. Der Trail war früher Part der wichtigen Römerstraße Via Julia Augusta und steht heute beispielhaft für die gut gepflegten Trails Rund um Finale Ligure.

Am Ende der rasanten, aber wenig technischen Abfahrt stranden wir im Ponci-Tal. Von dort geht es dann weiter hinab an die Küstenstraße und zurück nach Finalborgo.

Biken im Paradies
Biken im Paradies

Diese Tour würden wir eher als mittelschwere und sehr abwechslungsreiche Route einstufen in einer tollen Landschaft. Jeder wird hier seinen Spaß haben.

Es folgt ein Klassiker: Der Sentiero H! Wir entschieden uns, statt mit einem der vielen Shuttle-Anbieter hochzufahren, diesen bekannten Trail selbst zu erkurbeln. Der Shuttle-Tag sollte noch folgen. Dies hatte zur Folge, dass wir knapp über drei Stunden auf asphaltierten Straßen und Forstwegen über 1000hm am Stück berghoch treten mussten. Oben angekommen, machten wir es erstmal wie Harald Philipp und packten den Gaskocher und die Espressokanne aus. Mit einem kräftigen Espresso und einem kleinen Snack machten wir uns bereit für die Abfahrt. Wir zogen Protektoren und FullFace-Helm an, versenkten unserer Sattelstütze und ab da hieß es: Bremse auf und Kette rechts! Die 1000hm wollten so schnell wie möglich wieder vernichtet werden. So ging es in einem rasanten Tempo von der Helikopter Plattform der NATO Base durch flowige Anliegerkurven, Kompressionen und über tiefe Drops, einige Rockgarden sowie durch ausgetrocknete Bachläufe auf knapp sieben Kilometer purem Singletrail-Spaß Richtung Finalborgo.

Unterwegs wird der Trail allerdings immer mal wieder von einer Straße unterbrochen, an deren Übergängen Vorsicht geboten ist.

Wäre doch jeder Tag Urlaub
Wäre doch jeder Tag Urlaub

In Finalborgo angekommen wurden dann bei leckerem Cappucino oder kühlem Blonden mit Chips die Erlebnisse der Abfahrt aufgearbeitet.

Der Sentiero H gehört definitiv zu den Klassikern. Auch wenn er vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll ist wie der Downhill Uomini, hat er dennoch seine Tücken. Vor allem sollte man fit sein oder zwischendurch die eine oder andere Verschnaufpause einlegen. Wir haben selten bergab so gekeucht.

Everyday I‘m shuttelin`

In aller Herrgottsfrühe mussten wir heute aufstehen, um pünktlich um 8:45h bei unserem Shuttle-Anbieter auf dem Hof zu stehen. Und um es vorneweg zu sagen: Es hat sich gelohnt! Von 9-17h Trails shreddern, was kann es schöneres geben? Alles war gut organisiert. Nach einer kurzen Einweisung über den Tagesablauf und der entsprechenden Formalitäten wurde der Trailer bepackt und es ging zum ersten Start-Punkt. Um euch nicht mit irgendwelchen Trailnamen zu langweilen, die wir uns selbst nicht im Detail merken konnten, lassen wir das an dieser Stelle. Jeder der Spaß hat schnell bergrunter zu fahren und sich zu den fortgeschrittenen Fahrern zählt: MACHEN!!! Absolut empfehlenswert. Man bekommt einige Tiefenmeter zusammen gespickt mit unheimlich viel Flow und Nervenkitzel. Bedingt durch das Wissen der Guides bekommt man vom Klassiker bis hin zu Hidden-Tracks einiges an Downhillspaß geboten.

So rasant, dass man beim Zusehen zittert
So rasant, dass man beim Zusehen zittert

Auch nach diesem Tag war wieder klar, dass wir jeden Kilometer nochmal in einer der Bars Mitten in Finalborgo Revue passieren ließen.

Ein Blick über den Tellerrand

Sollte man mal aus irgendeinem Grund nicht aufs Rad steigen wollen, bietet die Region Rund um Finale Ligure einige Möglichkeiten. So kann man z.B. einen Tagesausflug in die Hafenstadt Genua machen. Hier empfiehlt es sich, mit dem Zug von Finale Ligure nach Genua zu fahren, denn die Parkplatzsituation in Genua ist nicht wirklich gut.

Weiter bietet sich zum Relaxen ein Tag am Strand an. Wer jedoch die Füße nicht still halten kann, der findet Abwechslung  an einer der zahlreichen Freizeitangebote, wie beispielsweise Canyoning, Klettern oder Wandern.

unfassbar schöne Landschaft die zum Erholen einlädt
unfassbar schöne Landschaft die zum Erholen einlädt

Bleibt noch das Fazit:

Die Region rund um Finale Ligure hat nicht umsonst den Ruf, zu den besten Enduro- und Freeride Revieren Europas zu gehören. Der Eindruck aus den Videos hat sich mehr als bestätigt. Hier wird Trailspaß en masse geboten. Dank des Mittelmeerklimas kann man eigentlich das ganze Jahr über dort fahren. Und die ligurische Küche ist ebenfalls nicht zu verachten. Finale Ligure ist absolut empfehlenswert und wir kommen auf jeden Fall wieder!

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