Protektoren Spezialist Bliss Protection hat mit dem BLISS ARG Vertical LD 12L Backpack einen Enduro-Rucksack mit integriertem Rückenprotektor vorgestellt. Der speziell für den Enduro Einsatz entwickelte Rucksack bringt neben dem Rückenprotektor ein 12L Staufach, Trinkblasenaufnahme, Werkzeugfach und diverse Halterungen für Protektoren oder Helm mit. Dank Belüftungskanälen im Rücken sowie dem gelochten Rückenprotektor soll der Rucksack nicht nur auf Tour, sondern auch im Renneinsatz nicht zum Überhitzen neigen.

BLISS ARG Vertical
BLISS ARG Vertical

Wie sich der Rucksack auf unseren Enduro-Touren geschlagen hat, lest ihr hier:

In der Hand

Bereits beim Auspacken tritt ein Gefühl von Wertigkeit ein. Die Materialien des Rucksacks fühlen sich hochwertig an und sind gut verarbeitet. Würde das Etikett nicht auf ein wasserabweisendes Material hinweisen, so würde man beim Anblick und Fühlen des Außenmaterials intuitiv darauf schließen. Die wasserdichten Reißverschlüsse lassen sich reibungslos öffnen, ohne dabei den Eindruck zu hinterlassen, sich während der Fahrt los rappeln.

Neben der Wertigkeit fühlt man beim Auspacken auch gleich das Gewicht. Bedingt durch den ARMOURGEL® Rückenprotektor ist der Rucksack deutlich schwerer, als ein Tourenrucksack gleicher Größe ohne Schutzfunktion. Laut Waage 250gr im gepackten Zustand zwischen dem ARG Vertical und der Referenz dem Deuter Hydro EXP 12.

Dem Protektor geschuldeter Gewichtsunterschied
Dem Protektor geschuldeter Gewichtsunterschied

Packen

Alle Fächer lassen sich dank der großen Reißverschlüsse schön weit öffnen, was das Packen erleichtert. Das Hauptfach ist groß und in die Bereiche Protektoren-, Trinkblasen- und Staufach unterteilt. Auf der Außenseite befinden sich ein gepolstertes Brillen- und ein großzügiges Werkzeugfach. Dank clever angeordneten Netzfächern lässt sich das Werkzeug verrutschsicher organisieren.

Folgendes Gepäck begleitet uns auf unseren Testrunden:

Unser Gepäck in der Übergangszeit
Unser Gepäck in der Übergangszeit

Verpflegung, Ersatzteile und Werkzeug kann im dafür vorgesehenen Werkzeugfach untergebracht werden. Handy und Schlüssel fanden im zweckentfremdeten Brillenfach ihren Platz.

Ordnung im Werkzeugfach muss seinUnser Gepäck in der Übergangszeit
Ordnung im Werkzeugfach muss seinUnser Gepäck in der Übergangszeit

Im Hauptfach fand neben dem Rückenprotektor und später der Trinkblase Luftpumpen, Ersatzschlauch, Regen- und Windjacke Platz.

Großzügiger Stauraum, von dem man nie genug haben kann
Großzügiger Stauraum, von dem man nie genug haben kann

Zwar bietet der Rucksack Stauraum satt, allerdings fehlt es an kleinen Details wie z.B. einem Klett zum Fixieren der Trinkblase und Netzaußentaschen für einen Schnellzugriff von Regenjacke oder Helm-Regenhaube. Gerade letzteres dürfte in der aktuell herrschenden Übergangszeit häufig benötigt werden.

Fehlendes Klett zur Trinkblasenbefestigung
Fehlendes Klett zur Trinkblasenbefestigung

Ein Manko ist die Öffnung der Trinkschlauchdurchführung. Diese besteht aus einem Kreuzschnitt am Kopf des Rucksacks. Wird kein Trinkschlauch durchgeführt, drückt von unten eine Lasche gegen die Öffnung und verschließt sie so gegen Feuchtigkeit. Ob diese „Dichtung“ einem ordentlichen Regenschauer stand hält testen wir später.

In unserem Test kam eine 3L Source Trinkblase mit Helix Mundstück zum Einsatz. Genügend Platz für die Trinkblase ist vorhanden, aufgrund des fehlenden Kletts konnte die Trinkblase nicht an der zwar vorhandenen Schlaufe befestigt werden, was bei der Tour mit einem verkürzten Trinkschlauch quittiert wird.

Problematisch wird das Durchführen des Trinkschlauchs durch die Trinkschlauchdurchführung. Bauart bedingt, bzw. um dicht zu bleiben, ist die Öffnung des Kreuzschnitts sehr „spack“ und das Helix Mundstück kann nur mit Mühe durchgeführt werden. Der Ausbau gestaltet sich noch schwieriger, so dass entweder das Mundstück zerlegt oder der Schlauch an der Trinkblase abgenommen werden muss.

Zu kleine Öffnung für das Helix Walve Mundstück
Zu kleine Öffnung für das Helix Walve Mundstück

 

Ob bei durchgeführtem Schlauch das Hauptfach weiterhin wasserdicht ist, testen wir ebenfalls später. Auf den Schultergurten sind rechts und links elastische Straps angebracht, durch welche je nach Vorliebe der Trinkschlauch geführt wird.

Auf dem Rücken

Eingestellt wird im beladenen Zustand. Die Mesh-Schultergurte sind breit und dick, was für eine sehr angenehme Druckverteilung sorgt. Diese ist auch notwendig, wiegt der ARG Vertical beladen deutlich mehr als vergleichbare Rucksäcke mit 12L Stauvolumen. Ist die optimale Position der Schultergurte gefunden, sorgen Bauch- und Brustgurte für optimalen Sitz. Auch hier überzeugt der Rucksack und vermittelt einen gut ausbalancierten Schwerpunkt.

Nettes Gimmick: im Verschluss des Brustgurt ist eine Pfeife für Notfälle integriert.

Während der Fahrt

Erster Testtag, bestes Wetter, 23°C im Herbst, Sonne, erhöhte Luftfeuchtigkeit, also perfektes Enduro-Wetter. Bereits bei der Abfahrt stellte sich ein Hitzestaugefühl an Rücken, Trägern und Bauchgurt ein, welches die gesamte Tour anhielt. Laut Produktbeschreibung sollen die Lochung des Protektor-Pads, die Belüftungskanäle, des Mesh-Hüftgurt mit Flossen und der Mesh–Schultergurte für eine angenehm kühlende Luftzirkulation sorgen und eben diesen Hitzestau verhindern.

DIE LOCHUNG DES PROTEKTOR-PADS UND BELÜFTUNGSKANÄLE IM RÜCKENPANEL DES RUCKSACKS SORGEN FÜR ANGENEHM KÜHLENDE LUFTZIRKULATION ZWISCHEN RUCKSACK UND RÜCKEN. ANATOMISCH GESCHNITTENE MESH-SCHULTERGURTE UND DER HÜFTGURT MIT FLOSSEN AUS MESH-MATERIAL HALTEN DEN RUCKSACK AN ORT UND STELLE, VERHINDERN ABER GLEICHZEITIG HITZESTAU DARUNTER.

Auch bei „Bergischen Wetter“ mit 10-15°C, bewölkt und regnerisch wird es unter dem Rucksack deutlich wärmer als unter unserer Referenz.

Das Gefühl der ausbalancierten Gewicht- und Druckverteilung aus der Anprobe bewahrheitet sich während der Fahrt. Der Schwerpunkt liegt genau am Rücken und der Rucksack bleibt dank Bauch- und Brustgurt auch bei ruppiger Fahrt an Ort und Stelle.

Nicht zu Letzt die gepolsterten und anatomisch geformten Schultergurte sorgen für die positiven Eigenschaften in Punkto Balance und Druckverteilung. Weniger schön; die Gurte scheuern am Hals, folgt man z.B. in einer Abfahrt mit dem Kopf der Linie. Die Lösung: den Brustgurt lösen und ggf. weiter nach unten schieben. Zwar liegt der Rucksack nun nicht mehr zu 100% perfekt an, was sich allerdings während der Fahrt nicht übermäßig negativ auswirkt.

Auch wenn die vielfach angesprochene Druckverteilung sehr gut ist, so ist das Gewicht des beladenen Rucksacks amtlich. Hängt man nun noch einen Fullface-Helm und Protektoren an, so erinnert das Gewicht an einen voll beladenen Rucksack für eine Transalp. Dies ist allerdings der Tribut, den man für eine geschützte Wirbelsäule zollen muss. Form follows function und hier folgt Gewicht dem Schutz.

Durch den Wirbelsäulenschutz ist der Rucksack länger als vergleichbare 12L Modelle. Hierdurch verkürzt sich wie beschrieben die nutzbare Länge des Trinkschlauchs. Da out of the box keine Befestigung der Trinkblase im Kopf des Rucksacks gegeben ist, endet das Mundstück auf Höhe des Bizeps. Zwar kann das Mundstück zum Trinken verwendet werden, komfortabel ist die Länge jedoch nicht.

Wasserfest ja oder nein

Wasserabweisend und Wasserdicht, zwei komplett verschiedene Begriffe. Während man bei wasserabweisenden Materialien durch einen leichten Regen fahren kann, so kann man bei wasserdichten Materialien erwarten, dass auch bei heftigem Regen kein Wasser durchdringt.

Auf der Hompage preist Bliss den Rucksack mit wasserdichten Außenmaterial und wasserdichten Reisverschlüssen an. Auf dem anhängenden Etikett hingegen wird von wasserabweisenden Außenmaterial und wasserdichten Reißverschlüssen gesprochen.

WASSERDICHTES AUSSENMATERIAL UND REISSVERSCHLÜSSE

Um der Sache auf den Grund zu gehen haben wir den ARG Vertical unserem Gartenschlauch ausgesetzt. Zunächst mit einem feinen Wasserstaub der leichten Regen, danach per Brausenfunktion der mittleren bis harten Regen simulieren soll.

Der Regen-Teststand
Der Regen-Teststand

Während der Rucksack bei leichtem Regen ohne durchgeführten Trinkschlauch zumindest oben dicht ist, tritt wie erwartet bei durchgeführtem Trinkschlauch Wasser durch die Öffnung ein.

Wassereinbruch durch Trinkschlauchöffnung
Wassereinbruch durch Trinkschlauchöffnung

Bei starkem Regen konnte kein durchdringendes Wasser an den großen Flächen festgestellt werden, wohl aber waren alle Fachböden nass. Im Hauptfach sammelte sich sogar eine richtige Pfütze mit Wasser an.

Nasse Fächer bei starkem Regen
Nasse Fächer bei starkem Regen

Da alle Reißverschlüsse ordnungsgemäß geschlossen waren, ist das Ergebnis überraschend und die Ursache ein Rätzel. Ohne separaten Regenüberzug sollte der Bliss daher nicht eingesetzt werden.

Fazit:

Der  BLISS ARG Vertical LD 12L Backpack besticht durch seine hochwertigen Materialien, durchdachtem Ordnungskonzept und perfekter Verarbeitung. Dank gepolsterten und breiten Schulterträgern liegt der Rucksack sehr gut an und ist perfekt ausbalanciert, wenn auch leichte Einbußen beim Tragekomfort, s. scheuernde Träger.

Der Gesamteindruck wird durch fehlende Details wie Trinkblasenbefestigung, fehlende Netztaschen an der Außenseite und eintretendem Wasser bei Regen getrübt.

Wenn man sich damit arrangieren kann, so überwiegen die Vorteile des Rucksacks und man bekommt einen wertigen Rucksack mit guter Schutzfunktion, welche wir zum Glück nicht testen mussten…

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2 Kommentare

  1. Hi Cycleholix Team, schöner Test der bei mir zu einer Entscheidung geführt hat. Interessant finde ich den Ansatz mit der Regensimulation, ist mal eine erfrischende Abwechslung. MFG Jens

    • Hallo Jens, danke für das Feedback. Was die „Regensimulation“ angeht, wollten wir eben einfach mal etwas neues ausprobieren um den Test realistischer zu machen. Dein Feedback passt mit dem anderer Leser zusammen.

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