Fotos gehören zum Testen wie Butter zum Brot. Für unsere Shootings verwenden wir entsprechendes Equipment, welches recht schwer und sehr teuer ist. Also nichts für immer dabei. Dank www.trnd.de gehören wir zu 200 Testern, die die Möglichkeit haben, eine Samsung Smart Camera NX30 testen zu dürfen.

Samsung Testmaterial
Samsung Testmaterial

Kameravorstellung

Wer Samsung hört, denkt vermutlich zunächst an Handys und Fernseher. Stimmt soweit, allerdings hat Samsung ein breit gefächertes Portfolio, zu dem u.a. auch Kameras gehören. Zugegeben, wenn wir an Kameras denken, dann haben wir Branchenriesen wie Nikon oder Canon auf dem Zettel, was hat es also mit der Smart Camera NX30 auf sich?

Hier ein paar Eckdaten (Direktlink zur Samsung Produktseite):

–       Großer 20,3 MP APS-C CMOS-Sensor für rauscharme Bilder

–       Hybrid-Autofokus

–       Touch-AF

–       Sehr schnelle Verschlusszeit von 1/8.000 Sekunde

–       Dual Display: Schwenkbarer Sucher und drehbares Touch-Display

–       NFC und Wi-Fi zum sofortigen Teilen der Bilder

Das Samsung NX Bajonett bietet die Möglichkeit, Wechselobjektive zu verwenden. Derzeit gibt es von den großen Zubehöranbietern Tamron und Sigma keine Objektive für das NX Bajonett, was die Auswahl stark einschränkt und auf Samsung begrenzt.

Samsung NX30 inkl. Kit Objektiv
Samsung NX30 inkl. Kit Objektiv

 

Mit einem Gewicht von ca. 870gr inkl. Angesetztem 1:4-5.6 50-200mm III ED OIS i-Function Objektiv und geringem Pack Maß ist die Kamera auf jeden Fall ein Fliegengewicht und bestens für die Mitnahme im Bike-Rucksack geeignet.

Das lange Ende - Samsung 70-200mm
Das lange Ende – Samsung 70-200mm

Das Kit, bestehend aus Kamerabody, 1:3.5-5.6 18-55mm III OIS i-Function, kostet UVP 899,- Euro. Ein externes Ladegerät sucht man vergebens, der Akku muss über das mitgelieferte USB Ladegerät und Anschluss an der Kamera geladen werden.

Nur das Nötigste - Der Samsung NX30 Lieferumfang
Nur das Nötigste – Der Samsung NX30 Lieferumfang

Haptik, Look and Feel und Inbetriebnahme

Die Kamera fühlt sich Samsung-typisch an, sprich nicht billig aber auch kein Vergleich mit den Kameras der Branchenriesen. Hatten wir uns zunächst über das geringe Gewicht und Pack Maß gefreut, fragten wir uns kurz nach dem Auspacken, ob dies nicht zum Nachteil werden könne. Maßgeschneidert ist zwar keine Kamera aber die NX30 fühlt sich in der Hand wie ein Spielzeug an. Zwar kommt die Größe dem Transport entgegen, allerdings sind die Bedienknöpfe entsprechend klein und eng bei einander.

Gut, viele Bedienelemente, wenn auch klein
Gut, viele Bedienelemente, wenn auch klein

Auch wenn die Bedienelemente klein sind, positiv aufgefallen ist, dass es viele von ihnen gibt. „On-Location“ geht es oft hektisch zu und der Fotograf verliert u.U. zu viel Zeit, wenn jede Einstellung umständlich über das interne Menü gesetzt werden muss. Wie bei Profi-Kameras lassen sich die wichtigen Einstellungen wie u.a. Blende, Verschlusszeit, ISO und AF-Feld per Bedienelement verstellen.

Beim ersten Einschalten öffnet sich ein Einrichtungs-Assistent, welcher durch die verschiedenen Grundeinstellungen führt. Die Menüführung ist durchschnittlich, hat allerdings einen schönen Hilfe-Assistenten. Scrollt man über die Menüpunkte und bleibt ohne Bestätigung bei einem stehen, so springt nach wenigen Sekunden ein Info-Fenster auf, welches den Einstellungspunkt beschreibt.

Die NX30 bringt ein Dual Display mit, was bedeutet, dass es zwei Displays gibt, auf denen dieselben Informationen angezeigt werden. Neben dem Hauptdisplay findet man das Zweite im Sucher. Richtig, es handelt sich nicht um einen konventionellen Sucher, sondern um einen Elektronischen. Zwar kann der Sucher über einen Zug nach hinten und abwinkeln nach oben als Winkelsucher verwendet werden, allerdings ist ein elektronischer Sucher ein absolutes NoGo.

Absolutes NoGo - der elektronische Sucher
Absolutes NoGo – der elektronische Sucher

Test

Wenig Licht und entfesselter Blitz, das sind die Parameter in denen wir am häufigsten fotografieren werden. Aus diesem Grund sind wir für den ersten Test in den Wald gegangen. Im manuellen Modus wurde die Kamera auf das Umgebungslicht eingemessen und das Hauptmotiv mit einem vollmanuellen Yongnuo Speedlite YN560 und Yongnuo RF-602RX Funktrigger entfesselt aufgehellt. Da wir in den Abendstunden unterwegs waren, konnten wir mit ISO3200 gleich die High-ISO Fähigkeit testen.

 

Unser Blitz Equipment
Unser Blitz Equipment

 

Natürlich ist Rauschen vorhanden, wodurch die Schärfe gelitten hat. Dank dem großen 20,3 MP APS-C Sensor hält sich das Rauschen allerdings in Grenzen und ist für die hohe ISO akzeptabel. Negativ hingegen ist der Autofokus aufgefallen. Trotz Einzelfokusfeld und Fokussierung auf dem Motiv, traf der Autofokus häufig den Hintergrund.

 

Das verkleinerte ooc JPG
Das verkleinerte ooc JPG
Die bearbeitete Version
Die bearbeitete Version

Überzeugt hat die Kamera in lichtstarken Situationen. So haben wir nachfolgende Fotos bei ISO100 und entfesseltem Blitz angefertigt. Bereits ooc waren die JPEGs was Farbe und Schärfe betrifft gut, allerdings holt man per EBV aus den RAWs noch mehr heraus. Das Bokeh ist zwar etwas unruhig aber für das Objektiv absolut ok.

 

Samsung ooc, lediglich verkleinert
Samsung ooc, lediglich verkleinert
Die bearbeitete Version
Die bearbeitete Version

Für Bilder „zwischendurch“, wie z.B. making-of Fotos, ist immer ein Automatik-Modus interessant. Die Kamera übernimmt dabei alle Einstellungen und man muss sich um wenig bis gar nichts kümmern. Auf den Touch-AF, bekannt durch die Canon EOS M, waren wir sehr gespannt. Die reine Funktion klappt: Motiv auf dem Display antippen und die Kamera löst aus, sobald das Motiv scharf ist. Letzteres ist auch hier nicht immer der Fall.

Auch im Automatik Modus verfehlt der AF
Auch im Automatik Modus verfehlt der AF das fokussierte Motiv

 

Durch die vielen Bedienknöpfe kann die Kamera schnell eingestellt werden. Wie beschrieben sind die Knöpfe zwar klein und eng bei einander aber immerhin vorhanden. Mit ein wenig Gewöhnungszeit ist es möglich, die Kamera blind zu bedienen, d.h. angesetzt, durch den Sucher blickend.

Verschiedenen Objektiven hat Samsung die iFN Taste spendiert. Mit einem Druck auf die Taste erscheinen in den Displays Softwaresteuerelemente, mit denen man ebenfalls Einstellungen wie Blende, Belichtungszeit, ISO, etc. verändern kann. Schöne Funktion, muss man sich allerdings erst dran gewöhnen.

 

Der iFN Knopf zum Aufrufen der iFN Funktion
Der iFN Knopf zum Aufrufen der iFN Funktion

Eine typische Fotografenhaltung ist das sofortige Kontrollieren der geschossenen Bilder auf dem Display. Die NX30 zeigt das geschossene Bild bei Verwendung des Suchers sofort auf dem Sucher Display an. Setzt man die Kamer ab, so wird das Rücken-Display zwar aktiviert, zeigt jedoch nicht das geschossene Bild. Erst über Benutzen des Play Buttons wird das Bild angezeigt. Ein unnötiger Zwischenschritt der Zeit kostet.

Viele Funktionen können per Knöpfe und Schalter bedient werden
Viele Funktionen können per Knöpfe und Schalter bedient werden

Der Sucher, begeistert waren wir bereits beim Auspacken nicht und auch während der Benutzung konnten wir uns mit dem elektronischen Sucher nicht anfreunden. Trotz 2.350.000 Pixeln empfinden wir das Display zu klein und in Gegenlichtsituationen erkennt man nichts mehr.

Zwischen-Fazit

Die ersten Tests rufen gemischte Gefühle hervor. Auf der einen Seite kann die Kamera scharfe und brillante Fotos produzieren, auf der anderen Seite ist die Bedienung nicht immer einfach und der Autofokus russisches Roulette. Die Kamera ist vollgestopft mit Features: Touch-AF, NFC und iFN sind zwar nette Gimmicks, sorgen aber hier und da für Verwirrung. Weniger wäre hier eindeutig mehr.

Klares Pro ist das Gewicht und das Pack Maß, klares Kontra ist der Preis bei teilweise großen Mankos. Für 899,- Euro UVP haben wir mehr erwartet. Eine Nikon D5300 zum Vergleich kostet inkl. 18-105mm Kit-Objektiv derzeit 802,- Euro. Zwar muss hier auf ein Touch Display verzichtet werden, bietet aber dank F-Bajonett vollen Zugriff auf die komplette Objektiv Palette von Nikon.

In den nächsten Wochen wird uns die NX30 ständig begleiten. Wir werden uns neben den Testfahrtfotos auch mit den Motiv Programmen und den WiFi bzw. NFC Funktionen beschäftigen. Ob sich der erste Eindruck bestätigt oder nicht erfahrt ihr natürlich hier.

UPDATE:

Der Testzeitraum für die NX30 ist vorbei, Zeit für ein abschließendes Fazit.

Fazit

Der erste Eindruck aus dem Zwischen-Fazit hat sich bestätigt, die NX30 ist weder Fisch, noch Fleisch. Damit ist gemeint, dass die Kamera keiner Zielgruppe zugeordnet werden kann. Für Profi-Fotografen ist die Kamera generell nichts, Amateur- und ambitionierte Hobby-Fotografen sind schnell von der billigen Haptik von Body und Objektiven sowie von den kleinen Bedienknöpfen enttäuscht. Für Consumer bzw. zum „rum knippsen“ ist sie einfach zu teuer und zu unhandlich. Das ständige Versagen des Autofokus sowie das ständige Abstürzen sorgten bei unseren Tests für leichten Frust.

Unterm Strich ist die Kamera für uns als „immer dabei“ Kamera durchgefallen.

2 Kommentare

  1. Hi Anna,

    Von der Samsung können wir nur abraten, sie eignet sich leider nicht. Schau Dir für den Anfang mal die Einsteigermodelle von Nikon und Canon an. In der Regel reichen die für den Anfang aus oder bist Du schon Fortgeschritten?

    Gruß,
    Michael

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