Die Firma Propain aus Ravensburg stellte letztes Jahr ein neues Enduro Bike vor, welches ziemlich schnell die Aufmerksamkeit vieler auf sich zog. Es war nichts revolutionäres, weder bei dem Gewicht, noch bei der Kinematik. Die pfiffige Detaillösungen aber sorgen dafür, dass man mit diesem Bike wirklich verdammt viel Spass haben kann. Warum genau das so ist lest Ihr in unserem ausführlichem Test.

Propain Tyee 2
Propain Tyee 2

Das Tyee gibt es in verschiedenen Grundsetups. In diesen Varianten ist eigentlich schon alles drin was man benötigt, um glücklich zu sein. Nun hat Propain es sich allerdings auf die Fahnen geschrieben jedes Bike individuell auf den Kunden anzupassen. Das betrifft eigentlich so ziemlich alles: Laufräder, Federgabel, Bremsen, Schaltung, Lenker, usw. Selbst bei der Farbgebung hat man über die Custom Color Funktion eigentlich alle Möglichkeiten. Die komplette RAL Palette kann matt sowie auch glänzend gepulvert werden, auch ein- und mehrfarbig ist ohne weiteres möglich. Das i Tüpfelchen sind dann die Custom Decals.

Die Ausstattung:

Wir haben uns für unseren Test für die Variante Tyee 2 mit leichten Anpassungen entschlossen.
Leichte Anpassungen bedeutet in dem Fall eine Reverb Stealth und die Pike RCT3 in der Soloair Variante. Als Laufräder kommen aktuelle 650b von Sixpack zum tragen. Das Tyee lässt sich mit klassischem 26 Zoll, 650b und auch mixed (vorne 650b, hinten 26 Zoll) bestellen.

Der Rest der Ausstattung sieht dann folgendermaßen aus:

Rahmen Tyee Enduro Aluminium 6061 T6 / 6013 T6, 160 mm Federweg, PED austauschbare Ausfallenden.
Federgabel Rock Shox Pike RCT3 Dual Position Air – Luftgabel zur besseren Abstimmung aufs Fahrergewicht. Absenkbar von 160 mm auf 130 mm. Einstellbarkeit: Druckstufe 3-fach open/platform/lock und Zugstufe.
Dämpfer Rock Shox Monarch RC3 Plus – perfekt auf unser Fahrwerk abgestimmt durch Custom-Tune. Einstellbarkeit: 3-fach Druckstufe und Zugstufe
Steuersatz Sixpack E3 – industriegelagerter Steuersatz.
Vorbau Sixpack S.A.M. 50 mm
Lenker Sixpack Leader 750 mm
Bremse Vorderrad Avid Elixir 9 Trail mit 200 mm Rotor – sehr gut zu dosierende 4 Kolben Bremse. Einstellbarkeit: Hebelweite u. Druckpunkt
Bremse Hinterrad Avid Elixir 9 Trail mit 180 mm Rotor – sehr gut zu dosierende 4 Kolben Bremse. Einstellbarkeit: Hebelweite u. Druckpunkt
Schalthebel Sram X9 2X10 Trigger inkl. Matchmaker – beim Matchmaker wird Bremse und Trigger auf einer Schelle montiert.
Umwerfer Sram X9 2-fach direktmount
Schaltwerk Sram X9 Type 2 – erhöhte Kettenspannung durch Roller Bearing Clutch. Vermindert das Kettenschlagen.
Kurbel Sram S1000 175mm 38/24 Zähne mit GXP Innenlager
Sattelstütze Propain Alu 350 mm – Rock Shox Reverb Stealth optional erhältlich
Sattel Sixpack Skywalker
Kassette Sram PG 1070 11-36 Zähne – die PG1070er Kassette spart im vergleich zur PG1030 mehr als 150g.
Kettenführung Truvative X-Guide 2-fach
Laufradsatz Sixpack Leader EX – leichter und dennoch stabiler Laufradsatz mit einer Felgenbreite von 24mm.
Reifen Schwalbe Hans Dampf Performance 26X2,35 / 27,5X2,35 – Faltreifen für geringeres Gewicht und perfekten Laufkomfort
Material Aluminium 6061 T6 / 6013 T6
Federweg 160 mm
Trettlagerbreite 73 mm
Hinterbaubreite 142 mm Syntace X12 System. Lässt sich mit unseren PED Ausfallenden jederzeit auf 135X10 oder 135 Schnellspanner umrüsten.
Dämpfereinbaulänge 200 mm mit 57 mm Hub
Steuerrohr tapered
Scheibenbremsaufnahme Postmount 6″
Kettenführungsaufnahme ISCG 05
Sattelstützendurchmesser 31,6 mm
Rahmengewicht ohne Dämpfer 3,2 kg (in M)

 

Unser Tyee kommt in dieser Konfiguration auf knappe 14,5 Kilo. Das ist nicht wirklich wenig, wenn man aber das Einsatzgebiet des Bikes bedenkt durchaus angebracht.

Das Pro10 Suspension System basiert auf vier Drehpunkten, die an genau berechneten Stellen sitzen und das Hinterrad auf einer definierten Bahn einfedern lassen, so dass Einflüsse von der Federung auf die Pedale und umgekehrt minimiert werden. Beim Einfedern bleibt die Länge der oberen Kettenlinie möglichst konstant, so dass beim Einfedern keine zusätzlichen Zugkräfte auf die Federung bzw. die Pedale entstehen.
Alle PROPAIN Bikes, die das Pro10 Suspension System verwenden, haben eine annähernd lineare Federungscharakteristik. Nur am Ende des Federwegs verhärtet sich die Federung, um Durchschläge bei großen Sprüngen oder Drops zu vermeiden. Im SAG Point hat das Federungssystem das beste Ansprechverhalten. Durch diese Federungscharakteristik wird der Federweg am effektivsten genutzt und vom Fahrer als am angenehmsten wahrgenommen. Der Dämpfer wird von beiden Seiten komprimiert. Durch dieses Design erlangen wir die besondere Hinterbau-Kinematik, die ohne schwimmenden Dämpfer nicht möglich ist. Der Grund, warum ein PROPAIN so smooth ist.

Zu dem Pro10 getauften Hinterbau und der daraus resultierenden Position des Dämpfers, könnte ich mir jetzt einen Wolf schreiben, oder es einfach auf den Punkt bringen.
Es funktioniert einfach verdammt gut !

Die Nähte am Rahmen sind sehr gut verarbeitet
Die Nähte am Rahmen sind sehr gut verarbeitet
Das ist auch am gesamten Bike der Fall
Das ist auch am gesamten Bike der Fall

Die Verarbeitung:

Wir haben unser Tyee in RAW bestellt. Das blanke Aluminium hat einfach seinen eigenen Reiz und ist mit einer Schicht Klarlack gepulvert. Das hat den enormen Vorteil das der Rahmen keine große Patina ansetzt bzw. anläuft. Natürlich kann auch RAW ohne Pulverung bestellt werden. Der Rahmen selber ist sauber verarbeitet und auch die Schweißnähte zaubern einem gerne mal ein Lächeln in das Gesicht. Alle Leitungen und Züge sind sinnvoll verlegt und passend gekürzt. Das ganze Bike wirkt nahezu wie aus einem Guss und vermittelt eine hohe Wertigkeit. Begeistert hat uns zusätzlich der kleine Carbonfender am Heck, der wirkungsvoll Dreck und Steine vom Dämpfer fern hält. Der Fender und die PRO10 Hinterbaukinematik sind die pfiffigen Details, die wir eingangs angesprochen haben.

PRO10 nennt sich die Propain eigene Konstruktion des Hinterbaus
PRO10 nennt sich die Propain eigene Konstruktion des Hinterbaus

 

Die Einsatzgebiete:

Das Tyee ist ein Vollblut Enduro und es will bewegt werden. Unser Bike haben wir im Rahmen der Propain Friends Tour im Vinschgau übernommen und konnten es 4 Tage am Stück in genau der richtigen Umgebung testen und einfahren.

Zitat unseres Testers Patrick:

Das Tyee geht durchaus über mein fahrerisches Können hinaus, schön ist aber, dass es jederzeit absolute Sicherheit vermittelt.

Der "kleine" Carbon Heckfender schützt den Dämpfer zuverlässig
Der „kleine“ Carbon Heckfender schützt den Dämpfer zuverlässig

Ein Grundsetup für das Fahrwerk war schnell gefunden und wir konnten uns ganz dem Bike widmen. Rasante Passagen bergab, wurzelige Trails, Absätze, Sprünge, Spitzkehren. Es gab nichts, was dieses Bike wirklich an seine Grenzen gebracht hat… den Fahrer schon. Die Pike arbeitet hervorragend, wenn auch noch nicht 100% optimal. Gleiches gilt für den verbauten Monarch+ Dämpfer am Heck. Die Aussage anderer Tests, das der Hinterbau doch etwas zu straff sei, konnten wir so nicht wirklich nachvollziehen. Aber hier ist natürlich auch einfach jedes Gesäß anders.

Jetzt hat aber nicht jeder das Glück alpines Gelände direkt vor der Haustür zu haben, oder kann es sich leisten alle 2 Monate in den Urlaub dort hin zu fahren. Es galt also in heimischem Gelände heraus zu finden, wie sich das Tyee im Mittelgebirge schlägt. Das bedeutet genauer im Taunus mit Feldberg und co.Hier sei gesagt, das wir sehr überrascht über die Tourentauglichkeit des Tyee waren. Längere Uphills sind aufgrund der wirklich guten Klettereigenschaften überhaupt kein Problem. Einzig den Vorbau änderten wir von 50mm auf 70mm um nicht ständig auf Angriff gebürstet zu sein.

Durch die austauschbaren Ausfallenden lässt sich das Tyee schnell von 650b auf 26 Zoll umrüsten
Durch die austauschbaren Ausfallenden lässt sich das Tyee schnell von 650b auf 26 Zoll umrüsten

Natürlich ist das Tyee kein Bike um einen Marathon oder einen Alpencross zu fahren… wobei, warum eigentlich nicht? Hier liegt das Ende der Fahnenstange eindeutig beim Fahrer und seiner Kondition. Wobei wir dann aber wieder bei dem alten Thema landen, das man auch mit einem Hardtail Downhill fahren kann. Hat ja früher schließlich auch geklappt. Klar kann man, aber ob es wirklich Spaß macht bleibt dahin gestellt. Da der Trend aber mittlerweile zum 3. Rad geht sollte das kein Problem darstellen.So wird es auch niemanden wundern, wenn keiner der Trails im Taunus das Tyee an sein Limit brachte. Aber auch hier ist/war natürlich der Fahrer vielleicht wieder der limitierende Faktor.

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Die Trail 9 verzögert kompromisslos in jeder Lage

Das Tyee besitzt aber auch eine Parkfreigabe, wobei wir es selber in solchem Gelände (noch) nicht bewegt haben. Da wir allerdings einen Ausflug nach Stromberg auf dem Programm stehen haben und dieses Jahr auch noch der ein oder andere Park besucht wird, können wir euch dazu mehr am Jahresende sagen.Dann wird sich auch zeigen, ob das Tyee nicht nur ein sehr gutes Bike, sondern auch haltbar ist.

Fazit:

Die eierlegende Wollmilchsau? Nein, denn wenn es so ein Bike geben würde, wäre der Markt zum einen recht überschaubar und zum anderen auch irgendwie langweilig. Wenn man sich allerdings vor Augen hält was Enduro bedeutet, nämlich zackig runter und problemlos bergauf (auch länger), so haben die Jungs von Propain Bikes hier wirklich eine gute Arbeit geleistet. Die Auswahl der Komponenten ist absolut stimmig, der Monarch wurde für 2014 extra mit Rockshox zusammen an den Hinterbau angepasst und SRAM sowie auch Avid sind einfach zuverlässige Komponenten. Einzig der verbaute Hans Dampf in der Performance Variante lässt hier und da etwas Grip vermissen.

Gibt es Negatives? Eigentlich nicht wirklich, denn das Tyee passt einfach. Allerdings sei zu erwähnen, dass Propain wohl schlichtweg vom eigenen Erfolg überrollt wurde und man Wartezeiten von 45 tagen (und mehr) in Kauf nehmen muss, um ein bestelltes Tyee zu erhalten.

Da es eine wirklich breite Fülle von Einsatzgebieten abdeckt, können wir das Tyee nicht nur Enduristen voll und ganz empfehlen. Auch wenn man „nur“ ein tourentaugliches Fully mit Reserven für das Grobe sucht, ist man hier genau richtig. Der Preis für unsere Konfiguration (knapp 2.900 Euro) rundet das Ganze dann noch positiv ab. Mehr Bike für diesen Preis zu finden ist wirklich schwer.

 

 

10 Kommentare

  1. Ich wollte nochmal nachfragen ihr wolltet am Ende des Jahres die Haltbarkeit/Bikeparktauglichkeit des Propain Tyee 2 beschreiben, wie steht es darum?
    Frohes Neues! 🙂

  2. Hi Patrick,

    habt ihr das Tyee noch hier im Taunus im Einsatz ?
    Ich such was neues. Tu mir aber schwer, was zu kaufen, was ich noch nie gefahren bin…

    Eigentlich wollte ich ein Orange Alpine 160, aber da gehe ich am Ende wohl deutlich ärmer nach Hause..
    Überdimensioniert sind sie wohl alle für mein Fahrkönnen 🙁

    • Hallo Martina, das Tyee kann immer noch im und um den Taunus besichtigt werden. Ich schreibe dich nochmal direkt wegen einem Termin an. Vom Geldeinsatz her, hast du was das Orange angeht recht.

    • Hallo Thomas, das ist eine gute Frage da beides wirklich gute Bikes sind. Beim Rune hast du deutlich mehr Optionen beim Dämpfer, weil schlichtweg mehr Platz zum verbauen ist. Beim Tyee passt eigentlich nur der Monarch oder eine Fox Alternative. Andererseits braucht man beim Tyee auch keinen Dämpfer, da der Hinterbau extrem gut arbeitet. Beide Bikes gehen verdammt gut, es ist also eher eine Glaubensfrage bzw. nach Geschmack. Beim Tyee kommst du allerdings günstiger weg.

      • Hi Patrick,

        ich lese aber richtig das der Hinterbau des Tyee eher linear ist und beim Rune aufgrund der satten und kontrollierten Landungen bei Sprüngen, eher ein progressiver Hinterbau vorhanden ist?

        Falls dem so ist, wäre mein Kandidat schon gefunden

    • Kommt darauf an mit wie viel PSI du den Monarch fährst. Im Vinschgau habe ich durchaus 90% des Federwegs ausgenutzt. Bei uns im Mittelgebirge eher nicht.

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