Cane Creek Double Barrel Air XV CS, was ein Zungenbrecher, daher möchten wir zunächst auf die technischen Abkürzungen, deren Funktion und deren Modifikationsmöglichkeit eingehen:

1_CCDBAir
Ein wirklich schönes Stück Maschinenbau

 

XV steht für Extra Volume, was nichts anderes als im Vergleich zum ersten DBAir eine größere Luftkammer bedeutet. Der erste DBAir hatte eine stark progressive Kennlinie. Verbaute man diesen Dämpfer in einem progressiven Rahmen, so nutzte man u.U. nicht mehr den gesamten Federweg. Verringerte man nun den Luftdruck um den Federweg zu nutzen, fuhr man mit zu viel SAG. Mit der größeren Luftkammer erreichte Cane Creek eine linearere Kennlinie.

Für Kunden mit linear arbeitenden Rahmen und für schwerere Fahrer erhöht sich dadurch die Gefahr von Durchschlägen. Um den Dämpfer auf den jeweiligen Rahmen und die eigenen Vorlieben abzustimmen, liegt dem Dämpfer ein Spacer Set bei, bestehend aus je zwei S und L Spacer. Je mehr Spacer verbaut werden, desto progressiver wird die Kennlinie des Dämpfers.

 

2_air-spring-graph

Quelle www.canecreek.com

 

Je nach Rahmen empfiehlt Cane Creek bereits beim Basetune den Einsatz eines oder mehrerer Spacer, wobei hier die Kennlinie des Hinterbaus bei einem Durchschnittsbiker mit ca. 75kg als Maß dient.

 

Die Spacer selber
Die Spacer selber

 

CS steht für Climb Switch. „Aah, eine zuschaltbare Plattform!“ war unser erster Gedanken, ja aber… Bei klassischen Plattformen wird die Low Speed Compression (LSC) erhöht um Wippbewegungen entgegenzuwirken. Beim DBAir XV CS wird ein Bypass, also ein zweiter Kreislauf zugeschaltet, welcher neben der LSC auch die Low Speed Rebound (LSR) Dämpfung erhöht. Dank der erhöhten LSC und LSR Dämpfung federt der Dämpfer bei kleinen Bewegungen nicht so schnell ein, allerdings auch nicht so schnell aus. Entsprechend werden Wippbewegungen effektiv unterbunden.

Nachfolgendes Video veranschaulicht die Wirkung des CS:

Quelle Cane Creek

 

Wie von seinem Vorgänger und der Stahlfedervariante DBCoil bekannt, bringt auch der DBAir XV CS das bewährte Twin Tube Dämpfungssystem mit. Neu ist allerdings, dass die Low Speed und High Speed Einsteller nicht mehr kombiniert, sondern getrennt von einander platziert sind. Während man früher zum Einstellen das Cane Creek Einstellwerkzeug verwenden musste, werden Druck- und Zugstufe beim DBAir mit einem mitgelieferten Innensechskant eingestellt.

 

4_Einsteller_2 5_Einstellschluessel

 

Abschließend zur Theorie die tech Specs vom Hersteller:

 

6_Features

Quelle www.canecreek.com

 

Getestet haben wir den DBAir mit einem Einbaumaß von 216mm und 63mm Hub in einem Banshee Rune V2. Laut Herstellerempfehlung soll das Rune V2 mit einem SAG von 28% gefahren werden, was den im zum Rahmen gehörenden Basetune von Cane Creek empfohlenen 17mm gleich kommt.

 

7_Basetune

Quelle: www.canecreek.com

 

Für das Grund-Setup haben wir uns ganz an das Basetune gehalten, sprich einen L Spacer verbaut, HSC & HSR zwei Umdrehungen und LSC & LSR um 11 Klicks gedämpft, also geschlossen. Die Klicks der Low Speed Einsteller sind deutlich spürbar und auf den High Speed Einsteller sind kleine Pfeile zum Messen einer Umdrehung aufgebracht.Das erste Aufsitzen fühlte sich schon einmal sehr gut an und wie üblich ging es auf die Straße zum Bordsteintest. Wie bereits bei unserem Rock Shox Pike RCT3 Test verbrauchte Michael beim Sprung vom Bordstein nahezu den kompletten Federweg. Also zurück in die Werkstatt und Spacer verbauen. Da wir die Dämpfungseinstellung nicht verändern wollten, verbauten zwei zusätzliche S Spacer. Alternativ hätte man einen S Spacer und mehr HSC fahren können.

Wie bei RS Dämpfern, problemlose Anpassung der Spacer
Wie bei RS Dämpfern, problemlose Anpassung der Spacer

 

Damit war das Grundsetup abgeschlossen und es ging in den Wald. Bereits die Anfahrt zum Trail wurde für erste Tests genutzt, Climb Switch ON. Mit dem Aktivieren des CS fährt man schlagartig ein anderes Fahrrad. Antriebswippen wird spürbar unterbunden, was in einem effektiveren Vortrieb resultiert. In Verbindung mit der geblockten RCT3 hat man fast das Gefühl ein Hardtail zu fahren, natürlich überspitzt dargestellt.

Gefühlte Bestzeit waren die atemlosen Gedanken nach der ersten schnellen Abfahrt. Natürlich bringt das Rune eine Menge abfahrtsorientiertes Potenzial mit, allerdings klebt das Rad mit dem Dämpfer am Boden. Im Basetune reagiert das Fahrwerk auf Bodenwellen und Unebenheiten sehr sensibel, dennoch dank der angenehmen Low Speed Einstellungen kontrollier. Wer sein Rad gerne mit mehr „Pop“ fährt, hat nun mit den getrennt einstellbaren Zug- und Druckstufen alle Möglichkeiten diesen auf seine Bedürfnisse einzustellen.Weiter ging es über Wurzelteppiche, kleinere und größere Ansteige von Abfahrt zu Abfahrt. Der CS funktioniert derart gut, dass wir diesen ständig und bei jeder Möglichkeit nutzten. Egal ob beim Klettern oder „nur“ beim Trailsurfen.

Nun ist ein DBAir nicht nur zum Trailsurfen gedacht, sondern möchte auch gefordert werden. Genau hier zeichnen sich die Downhill-Gene der DBCoil Stahlfedervariante ab. Während bei schnellen Abfahrten Hindernisse „weggeschluckt“ werden, vermittelt das Fahrwerk bei Absprüngen und Landungen sehr viel Kontrolle und Komfort.

 

Fazit:

Uns hat der Dämpfer sehr begeistert. Cane Creek ist es gelungen die Vorzüge eines Downhill-Dämpfers in einen tourentauglichen Dämpfer zu transplantieren. Dank des großen Einstellbereichs ist der Kompromiss zwischen schnellen Abfahrten und harten Landungen geringer geworden. Der CS Hebel könnte etwas größer sein, damit man ihn ohne hinsehen zu müssen besser umlegen kann.

Cane Creek Dämpfer werden oft als zu komplizierte einzustellen kritisiert. Um dem Kunden diese Angst zu nehmen, liefert Cane Creek neben rahmenspezifischen Basetunes den sogenannten Field Tuning Guide mit jedem Dämpfer mit. Dank einfachen Fragen und Antworten fällt es leicht, das gewünschte Setup zu finden.

 

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