Wer auf seinen MTB Touren den Schwerpunkt auf Abfahrtperformance legt, für den wird das Banshee Rune V2 das perfekte Werkzeug sein. Wir haben es in der 650b Version mit Cane Creek DBAir XV CS (Link zum Test) getestet.

Bike Vorstellung

Wie der Zusatz V2 vermuten lässt, handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Rune V1. Neben einer aktuellen Geometrie besteht die größte Änderung im Federungssystem des Hinterbaus. Wurde das Ur-Rune noch durch Banshees VF4B (Virtual Four Bar) System gefedert, welches noch heute im Downhill Bike Legend verwendet wird, entwickelte Keith Scott für das V2 den KS-Link.

Ein steifes Fahrwerk hat bei Keith einen hohen Stellenwert, weshalb er die neue Hinterbaufederung entwickelte. Der Unterschied des KS-Link zum VF4B System besteht in den kürzeren Umlenkhebeln, welche den Flex zwischen Hauptrahmen und Hinterbau minimieren. Dadurch werden die Lager weniger belastet und halten länger.

Auch wenn beide Systeme im sogenannten „short link, four-bar“ Prinzip entwickelt sind, unterscheiden sie sich grundlegend in der Dämpferanlenkung. Wie am Legend zu sehen, wird bei VF4B der Dämpfer durch die unteren Umlenkhebel aktiviert, während der KS-Link den Dämpfer direkt über den Hinterbau anspricht. Laut Banshee wird hierdurch eine geringere Rotation am Dämpferlager erreicht, was in weniger Reibung und damit für weniger Verschleiß an den Bushings und einem feinfühligerem Ansprechen bei kleinen Schlägen sorgt.

02_Hinterbau
Der Hinterbau im Detail

Neben dem neuen Federungssystem begeistert das Rune V2 mit einem großen Verstellbereich. So sind die Ausfallenden in allen gängigen Versionen verfügbar (135 x 10mm, 142 x 12mm und 150 x 12mm ), bis hin zu 142 x 12mm für den 650B Standard. Dank Flip Chips welche die Position der Ausfallenden bestimmen, kann der Lenkwinkel auf 65°, 65,5° oder 66° eingestellt werden, bei einem effektiven Sitzwinkel von 70,5°, 71,0° bzw. 74,5°.

 

03_Dropouts
Die Dropouts
04_Flip_Chips
Und hier die Flipchips des Runde

Der Rahmen macht insgesamt einen sehr hochwertigen Eindruck und begeistert mit schönen Schweißnähten. Was uns allerdings nicht begeistert hat, sind die eingesetzten Verstärkungsbleche. Diese sind sehr scharfkantig und wirken im Vergleich zum restlichen Rahmen „günstig“. Hier hätten wir uns geschlossene Rohre gewünscht, um den Rahmen in seiner Hochwertigkeit abzurunden.

05_Rahmendreieck
Offene Verarbeitung die leider etwas den Gesamteindruck lindert

Mit seinen 160mm Federweg und Downhill Attributen wie u.a. dem 1192mm langen Radstand (Gr. L, 650b Ausfallenden) ist das Rune V2 das ideale Arbeitsgerät für Trail und Park. Nachfolgend die Herstellerspezifikationen:

06_Hersteller_Daten

07_Geometrie_Bild

08_Geometrie_Daten

Testaufbau

Warum 650b fragt sich der ein oder andere sicherlich, wird gerade dieses Thema in deutschen Foren stets emotional diskutiert. Ob von der Industrie forciert oder nicht, wir gehen davon aus, dass sich 650b auf lange Sicht als neuer Standard durchsetzen wird, waren allerdings auch sehr neugierig, da das Rune unser erstes 650b Testbike ist. Wie wir es aufgebaut haben könnt ihr der Teileliste entnehmen:

Teileliste Testaufbau
Rahmen Rune V2
Federweg 160mm
Dämpfer Cane Creek DBAir XV CS
Gabel Rock Shox Pike RCT3 Solo Air
Kurbel Shimano XT (24/36)
Kette Shimano XT
Kassette Shimano XT Spider 11-34
Schaltwerk Shimano XT SGS Shadow+
Trigger Shimano XT i-Spec
Bremse Shimano Saint BR-M820
Griffe ODI SDG
Vorbau Renthal Duo 35mm bzw. 50mm
Lenker Renthal Fatbar 785mm, 25mm Rise
Laufräder Hope Hoops Pro2 Evo 650b
Tubless Kit No tubes Rim Tape, Ventile und Dichtmilch
Reifen vorne Maxxis High Roller II UST 3c
Reifen hinten Maxxis High Roller II UST
Sattelstütze Rock Shox Reverb Stealth 125mm
Sattel Selle Italia C2

Unterstützt wurden wir bei unserem Aufbau durch unseren Partner Komponenten King (www.komking.de). Wir haben uns bewusst für eine robuste Ausstattung entschieden, da wir im Langzeittest das Rune V2 im Bikepark testen werden. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden eine Shimano Saint BR-M820 Bremsanlage, Renthal Cockpit und High Roller II UST Bereifung zu Verbauen, dennoch auf die Tourentauglichkeit zu achten. An der Front sollte es DIE Federgabel 2014 werden: Rock Shox Pike RCT3 Solo Air (Link zum Test). Die Waage blieb bei einem Gewicht von 15,4kg stehen, was in Anbetracht des Einsatzzwecks vollkommen in Ordnung geht.

Setup

Den Dämpfer haben wir nach dem Cane Creek Base Tune für das Banshee Rune V2 eingestellt:

09_Basetune

Wie im DBair Test beschrieben, musste unser Tester Michael zwei zusätzliche Spacer in die Luftkammer einsetzen, da er bereits beim Bordsteinsprung fast den gesamten Federweg verbrauchte. Mit den zusätzlichen Spacern war das richtige Setup gefunden.

Warum eine Rock Shox Pike Solo Air und keine Dual Position? Wir haben auf die positiven Klettereigenschaften von 650b spekuliert und uns für mehr Feinfühligkeit sowie Modifikationsmöglichkeiten durch einsetzbare Token entschieden. Ähnlich wie beim Dämpfer verbrauchte die Gabel beim Bordsteintest zu viel Federweg, zwei Token sollten hier Abhilfe schaffen.

Wie schon aus anderen Tests bekannt,der Token der RS
Wie schon aus anderen Tests bekannt,der Token der RS

Auf dem Trail

In einem unserer Vorgespräche schrieb uns Keith wir sollen bergab die Bremse öffnen und das Bike machen lassen. Das Rune V2 sei darauf konzipiert mit zunehmender Geschwindigkeit sein volles Potential aufzuzeigen. Auch wenn wir uns auf unserer Teststrecke gut auskennen, brauchten wir doch mehrere Abfahrten, um Vertrauen aufzubauen und die Bremse wirklich komplett offen zu lassen.

Keith hat nicht zu viel versprochen, je schneller wir wurden, desto stabiler ließ sich das Rad dirigieren, was nicht heißen soll, dass das Rad bei langsamen Geschwindigkeiten instabil sei. Das Rune V2 vermittelt auch bei zunehmender Geschwindigkeit viel Vertrauen und verleitet den Fahrer zu mehr… mehr Geschwindigkeit, mehr „Spielereien“ oder weiter und höher zu Springen. Lediglich in schnellen Kurven mit vielen Unebenheiten machte sich bei hoher Geschwindigkeit ein unruhiger Hinterbau bemerkbar. Hier konnten wir durch mehr Low Speed Rebound Dämpfung am Dämpfer Abhilfe schaffen.

 Die größte Freude bereitete uns das Rune V2 allerdings bei Sprüngen. Egal ob in Step Downs, ins Flat oder in geshapte Lines, die Landungen waren satt und kontrolliert. Insgesamt fühlt sich das Rune V2 bergab wie eine spritzige Downhill Maschine an, dabei haben uns zu keiner Zeit die 27,5“ oder 650b genannten Laufräder beeinträchtigt. Hindernisse werden aufgrund des flachen Überrollwinkels besser überrollt und dank der größeren Reifenauflage mehr Gripp in Kurven generiert. In unseren Augen ergänzen 650b Laufräder die Eigenschaften des Rune V2 sehr gut.

Bei einem eingestellten Lenkwinkel von 65° fährt sich das Rune V2 in schnellen Abfahrten sehr laufruhig und kontrolliert, neigt allerdings in Kurven zum Untersteuern. Um mehr Druck auf das Vorderrad zu bringen, passten wir die Fahrposition an und neigten den Oberkörper weiter über den Lenker. Mit dieser Änderung verringerte sich das Untersteuern zwar, war aber noch vorhanden. Als nächstes reduzierten wir die Spacer unter dem Vorbau von 25mm auf 10mm, was noch mehr Druck auf dem Vorderrad brachte und das Übersteuern weiter reduzierte. Zufriedenstellend war das Ergebnis für uns noch nicht, weshalb wir die 65° Flip Chips gegen die 65,5° Flip Chips tauschten, bei gleichbleibender Cockpiteinstellung

Auf schnellen Abfahrten spürten wir keine Nachteile in Sachen Laufruhe, allerdings wurde das Rune V2 wendiger und das Untersteuern in Kurven nahm deutlich ab. Für unsere heimischen Touren scheint der 65,5° Lenkwinkel besser geeignet zu sein, wie es sich im Park verhält bleibt abzuwarten.

 Bei all dem Spaß bergab heißt es irgendwann: Uphill. Für viele Bergabsportler ein Graus, für Enduristen notwendiges Übel, um den Abfahrtsspaß zu finden und für XC Fahrer die Kür. Auf unserer Teststrecke ist von weniger steilen, über sehr steilen, bis hin zu asphaltierten Anstiegen alles dabei. Selbst ohne aktivierten Climb Switch halten sich unerwünschte Wippbewegungen des Hinterbaus in Grenzen, ist dieser allerdings aktiviert, wird das Wippen effektiv und vor allem spürbar unterbunden. Auf weniger steilen und asphaltierten Anstiegen benutzten wir meist den CS und den Pedal Modus der Pike RCT3,auf steilen Anstiegen schlossen wir das RCT3 System der Gabel komplett.

Auch hier waren wir von den positiven Eigenschaften der 650b Laufräder begeistert. Das Rune V2 bäumte sich in steilen Anstiegen nicht auf und vom Gefühl her kostete das „Klettern“ weniger Kraft als mit konventionellen 26“ Laufrädern. Zwar fehlt uns der direkte Vergleich einer Dual Position Air, allerdings haben wir die Absenkfunktion zu keiner Zeit vermisst.

Die Laufräder samt montierten HR II von Maxxis
Die Laufräder samt montierten HR II von Maxxis

Fazit

Banshee ist mit dem Rune V2 eine gute Balance zwischen Bergabperformance und guten Bergaufeigenschaften gelungen. Das leichtfüßige Bergauffahren lässt den Fahrer sehr schnell vergessen auf einem 160mm Enduro zu sitzen, was ihm allerdings klar wird, sobald es Bergab geht. Durch die vielen Verstellmöglichkeiten kann das Bike auf die individuellen Vorlieben angepasst werden.

Die einzigen Kritikpunkte bleiben die scharfkantigen Verstärkungsbleche, das leichte Übergewicht und wie in diversen Foren zu lesen die Lackqualität der lackierten Varianten des Rune V2. Wir fahren zwar die RAW Variante, werden allerdings in unserem Langzeittest den Klarlack mit dem die RAW Version überzogen ist beobachten.

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